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Kolonialismus

Massaker 1947
Niederlande bitten Indonesien um Entschuldigung
09. Dezember 2011 12:17

Applaus für Botschafter Tjeerd de Zwaan

Soldaten der Kolonialmacht töteten in Rawagede 430 Männer und Jugendliche

Rawagede – Nach mehr als sechs Jahrzehnten haben die Niederlande für ein Massaker in einem indonesischen Dorf während der Kolonialzeit um Entschuldigung gebeten. “Im Namen der niederländischen Regierung entschuldige ich mich für die Tragödie, die sich zugetragen hat”, sagte der niederländische Botschafter Tjeerd de Zwaan vor Hunderten Dorfbewohnern in Rawagede in West-Java. Dort waren am 9. Dezember 1947 bis zu 430 Jugendliche und Männer von niederländischen Soldaten erschossen worden.

Die Soldaten suchten damals nach dem Anführer des Widerstands gegen die niederländische Kolonialherrschaft, Lukas Kustario. Als die Dorfbewohner sagten, sie wüssten nichts über dessen Aufenthaltsort, wurden fast alle männlichen Bewohner auf ein Feld gebracht und durch Kopfschüsse getötet. Ihre Leichen wurden in Massengräbern verscharrt. Erst 1949 wurde Indonesien vollständig befreit.

Überlebende und Angehörige der Massaker-Opfer klagten die niederländische Regierung vor zwei Jahren. Im September bestätigte ein Haager Gericht, dass den Klägern Wiedergutmachung in Höhe von 20.000 Euro zustehe. Über Modalitäten der Auszahlung wird noch verhandelt, drei Klägerinnen sind seit der Urteilsverkündung verstorben.

Die Organisatoren des Massakers und die daran beteiligten Offiziere und Soldaten wurden nie für die Übergriffe belangt. (red/APA/sda)

Netherlands apologises for 1947 Rawagede massacre in Indonesia

Dutch ambassador says sorry in village where hundreds were slaughtered by troops looking for colonial resistance leader

Rawagede massacre victims

The Dutch ambassador to Indonesia, Tjeerd de Zwaan (left), meets widows of Rawagede massacre victims. Photograph: Romeo Gacad/AFP/Getty Images

The Netherlands has apologised after six decades for a notorious massacre of up to 430 men and boys during Indonesia‘s bitter struggle for independence.

Tjeerd de Zwaan, the Dutch ambassador to Indonesia, made the announcement in front hundreds of villagers in Rawagede, the scene of the killings on 9 December 1947 of hundreds of boys and young men by Dutch troops.

The military, which was clinging on to a retreating colonial empire, arrived in Rawagede before dawn and opened fire, sending residents scattering from their homes in panic.

The soldiers were looking for resistance leader Lukas Kustario, known for ambushing Dutch bases. When villagers said they didn’t know where he was, nearly all the men were rounded up and taken to the fields. Squatting in rows, with both hands placed on the backs of their heads, they were shot one by one.

The apology was given in a ceremony at the Rawagede Hero cemetery, where many of the victims were buried in a mass grave.

“Today, December 9, we remember the members of your families and those of your fellow villagers who died 64 years ago through the actions of the Dutch military,” said De Zwaan. “On behalf of the Dutch government I apologise for the tragedy that took place.”

The apology followed a landmark ruling earlier this year by a Dutch court in a case filed by nine surviving relatives that said the state was to blame.

The relatives’ lawyer, Liesbeth Zegveld, said the Netherlands would pay each of the nine relatives €20,000 in compensation.

After the apology, the crowd erupted in cheers. Tears rolled down the cheeks of surviving widows, now in their late 80s and early 90s, some of whom had started to doubt they would ever hear the words.

“It makes me feel my struggle for justice was not useless,” said Cawi Binti Baisa, who was 20 when her husband of two years headed to the rice paddy in the morning never to return.

http://www.guardian.co.uk/world/2011/dec/09/netherlands-apologises-for-rawagede-massacre

mehr zur Geschichte Niederländisch-Indiens http://de.wikipedia.org/wiki/Niederl%C3%A4ndisch-Indien

http://wiki-de.genealogy.net/Niederl%C3%A4ndisch-Indien

viele deutsche Freiwillige dienten in den niederländischen Kolonialtruppen!

Im nachfolgendem Text möchte ich Ihnen eine Geschichte ans Herz legen, die Sie mit Sicherheit ebenso faszinieren wird wie mich. Die Diabetes, den heimlichen Täter, seine Ursachen und seine Gehilfen und auch seine Auswirkungen auf unsere Füße (s. Foto).

DIE ZUCKER-STORY!

Unterhalten wir uns doch über die Rolle des Zuckers in der Geschichte. Zucker war Jahrtausende lang unbekannt. Fast ein Rätsel, wie unsere Vorfahren überleben konnten. Brauchten die Menschen der Frühgeschichte keinen Zucker? Oder doch?? Wichtige historische Schriften erwähnten Zucker nicht!! z. B. Der Koran oder das Neue Testament. Auch die alten Griechen kannten kein Wort für Zucker. Merkwürdig oder nicht?

Erst der griechische Arzt ARETEUS, der um 200 v. Chr. Lebte, kreierte das Wort DIABETES, das soviel wie Harnuhr bedeutet. Das Attribut MELLITUS kam erst später dazu.

Es ist sehr lehrreich, sich mit der Historie des Zuckers auseinander zusetzten. Zucker kommt wahrscheinlich aus Indien. Zucker war anno dazumal sehr teuer, ein Luxusgut, zunächst als Medizin verwendet.

Der Zucker war allerdings schon einige Zeit vor Christus im Gebrauch. Im PAPYRUS EBERS, einer frühen medizinischen Schrift aus Ägypten (ca. 1550 v. Chr.) wird schon das Symptom beschrieben, bei dem zuviel Urin ausgeschieden wird. Man kannte damals jedoch nicht die Ursache.

NEARCHOS, ein Admiral Alexander des Großen, beschrieb auf seiner Kreuzfahrt auf dem Fluss Indus 325 v. Chr. eine „Art Honig“, die in der Rohrpflanze (Zuckerrohr) wächst.

HERODOT nannte Zucker: „Fabrikhonig“.

PLINUS bezeichnete Zucker als „Honig aus der Rohrpflanze“.

Erst zu NERO`S Zeiten wurde Zucker als „saccarum“ aktenkundig: DIOSCORIDES beschreibt „erhärteten“ Honig, der saccarum genannt wird und in Indien und Arabien aus ‚Rohrpflanzen gewonnen wird. „Er ist hart wie Salz und zerschmilzt zwischen den Zähnen“.

Ab 600 v. Chr. gelingt den Persern an der Universität von Djondisapour die Zuckerraffinierung, womit dieser transport- und handelsfähig wird. 1306 zwingt sich bereits die Politisierung und Kommerzialisierung des Produkts Zucker: PAPST CLEMENT V. erhält in seinem Exil in Avignon den Rat, die Kreuzzüge in das Morgenland wieder aufzunehmen, „weil im Land der Sultane der Zucker in großen Mengen wächst und die Sultane daraus großen finanziellen Nutzen ziehen.“ Die Christenheit sollte diesem Ratschlag zu Folge diese Länder besetzten.

Der Zuckeranbau wurde insbesondere in Zypern Malta und Sizilien forciert.

Um 1400 waren die Portugiesen in Europa führend in der Zuckerindustrie, ein kommerzielles Erbe der Sarazenen. Die Sarazenen hatten während ihrer Besatzung der Iberischen Halbinsel den Anbau von Zuckerrohr eingeführt. Die Portugiesen verfolgten diesen landwirtschaftlichen Erwerbszweig dann weiterhin.

Der Portugiese HEINRICH DER SEEFAHRER suchte an der Westküste von Afrika Zuckeranbaufelder außerhalb des arabischen Einflussgebietes und entdeckte billige Arbeiter, die der Hitze auf den Zuckerplantagen gewachsen sind. Er bringt 235 Schwarze als Sklaven von Lagos nach Sevilla und verkauft diese dort. Geld und Sklaverei waren nun fortan die Merkmale des Zuckergeschäftes.

1456: Portugal beherrscht den europäischen Zuckerhandel. Aber auch Spanien betreibt das Zuckergeschäft mit großen Plantagen bei Sevilla, Granada und Andalusien. 1493: CHRISTOPHER COLUMBUS, der Entdecker Amerikas, schickt zwei Schiffsladungen von Bewohnern aus „Westindien“ (Karibik) nach Spanien zur Arbeit auf den Zuckerplantagen. Die humane Königen ISABELLA lässt sie jedoch zurückbringen. Ihr Nachfolger König FERDINAND überwindet ein paar Jahre später seine Skrupel und steigt in das Geschäft mit Sklaven im Zuckeranbau ein.

Bei seiner zweiten Reise nach Amerika nimmt COLUMBUS Zuckerrohr, das bis dahin auf den Kanarischen Inseln angebaut wurde, mit nach Hispaniola (heute Grenada/Haiti). Der Anbau war zunächst kein Erfolg, bis von den Kanaren aus Spezialisten in die Karibik geschickt wurden. Nachdem dort ein reicher Arzt um 1517 eine neue Technik der Zuckermühle entwickelte, wurde die Produktion rentabler. So schrieb man das Jahr 1522, als man den Export von Zucker nach Europa von Santo Domingo aus begann.

Doch auch in der östlichen Hemisphäre war die Produktion und der Gebrauch des Zuckers in vollem Gang. 1573 beschreibt der deutsche Botanist RAUWLFIA auf seinen Orientreisen die verweichlichende Wirkung des Zuckers als Konsumgift auf die arabischen Krieger.

Zwischen 1530 und 1570 bringen die Spanier für den Zuckeranbau Sklaven in ihre Mittelmeerplantagen und auf die Kanarischen Inseln. Um1560 baute KARL der V. von SPANIEN die pompösen Paläste von Madrid und Toledo aus den Erlösen des Zuckerhandels.

In der Zwischenzeit hatten die Spanier die einheimischen Awaraks der Westindischen Inseln in die Karibik durch körperliche Ausbeutung fast völlig ausgerottet und brachten nun Sklaven aus Afrika in ihre karibischen Zuckerrohrfelder.

Als die Spanier von den Engländern aus der Karibik vertrieben wurden, übernahmen diese den Sklavenhandel. Fortan blühte auch ein neues Geschäft mit dem Nebenprodukt der Zuckerproduktion: Aus der Zuckergärung wurde Rum gewonnen, den man mit schnellen Schiffen als Feuerwasser nach Nordamerika brachte, um es dort bei den Indianern gegen Felle einzutauschen.

Um 1500: Auch Holländer beteiligten sich am Zucker- und Sklavenhandel und bauen eine Raffinerie in Antwerpen. Die Holländer waren keine Unschuldengel, versorgten sie doch die britischen Inseln mit Sklaven und forcierten den Zuckeranbau in er Karibik.

1637 kontrollierten überwiegend die Holländer den Sklavenhandel von Afrika aus und den internationalen Zuckerhandel. Sie besaßen im 17ten Jahrhundert die Hälfte aller Tonnage an verfügbaren Schiffkapazitäten. Die so genannten ABC-Inseln der Holländer vor der Küste Venezuelas waren Kern des Sklavenhandels um ca. 1700. Cuacao war Hauptumschlagplatz für Sklaven, die von holländischen Händlern in die Virgin Islands (Jungferninsel) geschafft wurden, nicht wenige auch als Schmuggelware in die britischen und französischen Kolonien.

Die Dänen spielten in der Karibik keine große Rolle. Sie besiedelten ST. THOMAS (heute USA). König CHRISTIAN V. gründete eine Westindische Company und vergab Handelsrechte. Allerdings brachte der Zuckeranbau in der Karibik auch den Dänen Reichtum. Um 1835 zählte man in St. Thomas 1.892 Weiße (davon nur ein paar hundert Plantagenbesitzer), die 19.876!!! Sklaven ausbeuteten.

1588 erlässt die englische Königin ELISABETH ein amtliches Dekret und monopolisiert den westafrikanischen Sklavenhandel an die Company of Royal Adventurers of England.

Um 1600 war der Zuckerhandel bereits so lukrativ, dass die Engländer bereit waren, dafür Krieg zu führen. Mit dem Seefahrtsgesetz von 1660 schützten sie ihr Handelsmonopol auf Zucker, Tabak und andere Produkte aus den Kolonien.

Mitte des achtzehnten Jahrhunderts ist auch Frankreich mitten im Zuckerhandel, der weiterhin von der brutalen Ausbeutung der Sklaven profitiert. Der französische Philosoph CLAUDE ADRIEN HELVETIUS  schreibt in seinem Buch: „Es erreicht keine Packung Zucker Europa, an der nicht Blut klebt“ und empfiehlt, keine Zuckerprodukte mehr zu kaufen. Dafür wird er von der Sorbonne (Universität in Paris) verdammt und der Klerus überzeugt die Gerichte, dass er von einem bösen Geist befallen ist. Unter Druck widerruft er seine These über den Zucker; sein Buch wird vom Henker verbrannt.

1792: Das erste Anti-Zucker-Komitee wird in England gegründet. Die nach Asien orientierte Britische Ost-Indien-Gesellschaft macht Reklame für ihren Zucker mit dem Slogan: „nicht von Sklaven hergestellt“. Die Aufdrucke ihrer Zuckerdosen enthielten außerdem den Hinweis: Eine Familie, die fünf Pfund ostindischen (nicht amerikanisch-karibischen) Zucker in der Woche verbraucht, verhindert die Versklavung oder den Mord an einem Mitmenschen.

Trotzdem wurde England zum Mittelpunkt des Zuckerhandels und damit auch lange Zeit der Garant der Sklaverei. 1662 importierte England 16 Millionen Pfund Zucker pro Jahr.

Um 1800 waren es bereits 160 Millionen Pfund Zucker. In einem einzigen Jahrhundert stieg also der Zuckerverbrauch (72 Pfund pro Person und Jahr) um das 8-fache und die Engländergaben damals für Zucker ebenso viel Geld aus wie für Brot!!!

1674: Der ‚Anatom und Arzt THOMAS WILLIS betreibt in der Londoner St. Martins Lane eine Praxis und befasst sich in seiner lateinischen Schrift Parmaceutic Rotuinalis mit einem bis dahin unbeschriebenen „süßlichen Geruch“ in der Harnflut seiner reichen und angesehenen Patienten. Er nennt diese ‚Symptome DIABETES MELLITUS. Dabei kombiniert er das griechische ‚Wort „Diabetes“ (Harnflut), das man lateinisch wegen der vermehrten Urinausscheidung als polyuria bezeichnen müsste, mit dem lateinischen Wort „Melitus“ zusammengesetzt aus Mel (Honig) und itis (Entzündung). Kommentatoren wie der Amerikaner ‚William Dufty meinen, Willis habe mit dieser „gemischten“ Namensgebung die eigentliche Ursache, den Zucker, des Übels Kern, mit Rücksicht auf die Zuckerprofite seines Klientels nicht mit dem üblichen lateinischen genannt, um keine Schwierigkeiten mit dem Establishment zu bekommen. Er war gewarnt – zumal GALILEUS GALILEI ein Jahr zuvor die Inquisition am Halse hatte.

Auch die Franzosen verdienten gut mit dem Zuckerhandel. Um 1700 war Zucker der wichtigste Exportfaktor. Der Zuckeranbau der Franzosen in der Karibik bleibt jedoch ab 1713 hinter dem der Briten zurück. Letztere hatten mehr Arbeitskräfte: Vertragslöhner und Sklaven. Noch um 1664 hatten die Franzosen auf Martinique 2681 Weiße und 12.704 schwarze Sklaven.

Als die Engländer während der Napoleonischen Kriege die Zufuhr der Rohstoffe, insbesondere Rohrzucker blockierten, wurde Zucker in Frankreich Mangelware. Der Preis stieg ins Uferlose. Nachdem der deutsche Wissenschaftler FRANZ KARL ACHARD mit Erfolg in Berlin mit der Zuckerproduktion aus einer Rübe experimentierte, die man aus Italien importierte, begannen auch die Franzosen unter dem Zwang der englischen Blockade mit der Entwicklung der Zuckergewinnung aus Rüben.

1812 erfand der Franzose BENJAMIN DELESSERT eine Methode, Zucker aus der „Baylonischen Rübe“ zu gewinnen. Napoleon ehrte ihn dafür mit Aufnahe in die Ehrenlegion. Damit war Frankreich unabhängig vom Zuckerohrimport. Napoleon ist was wenige wissen, aus der Historie des Zuckers und der Zuckerraffinierung nicht wegzudenken. Ein ganz ungewohnter Aspekt des Kaisers. Er ließ überall in Frankreich Zuckerrohrfelder anlegen und seine Industrie produzierte innerhalb kurzer Zeit 8 Millionen Pfund Zucker aus Rüben. Die Zuckerrationen für seine Russlandarmee waren somit gesichert. Die erbärmliche Arbeit und Sklaverei auf den Zuckerrohrfeldern neigte sich jedoch damit allmählich zu Ende.

Die Franzosen verboten 1807 den Sklavenhandel.

1833 folgten als erste die Engländer und ruinierten ihre Zuckerfarmer in der Karibik, speziell auf Barbados und Jamaika, indem sie eine Steuer zwischen 75 und 399 Pfund auf jeden gehalten Sklaven erhoben.

Wie sehr das mächtige Zuckerestablishment skrupellos um seine Monopole kämpfte, zeigt das Schicksal der Quäker in England. Sie propagierten die Kultivierung der Zuckerrübe. Als religiösen Gruppierungen wollten sie ein Zeichen gegen die Zuckersklaverei setzten, die ja nicht nur schwarze Sklaven betraf. In jenen Tagen waren auch so genannte Vertrags Löhner aus England zur Zwangsarbeit auf den Plantagen eingesetzt. Sie hatten sich eigentlich wenig von ihrem Schicksal ahnend, in die Karibik zur Plantagenarbeit verpflichtet. Der Plantagenbesitzer zahlte die Überfahrt Und kam für Nahrung und Unterkunft während der Vertragszeit auf, die in der Regel 3 – 4 Jahre betrug. Danach mussten sie ausbezahlt werden und waren frei. Diese Vertrags Löhner waren bis zum Ablauf ihres Arbeitsvertrages quasi Eigentum ihrer Arbeitgeber, in diesem Zeitraum fast so rechtlos wie die indianischen und schwarzen Sklaven. Sie konnten nicht weglaufen, konnten aber persönliches Eigentum behalten und vor Gericht klagen.

Kein Wunder, dass sich unter den Christen Europas Unmut über solche unchristlichen Praktiken breit machte und die Quäker den Ersatz des Zuckerrohrs durch die einheimische Rübe forderten. Die Zuckerindustrie machte daraufhin gegen die Kampagne der Quäker eine Gegenkampagne und bezeichnete die Zuckerrohrübenkultivierung als subversive Tätigkeit. Auf Befehl von „oben“ mussten die Zuckerrüben an die Kühe verfüttert werden. Die Entwicklung der Zuckerrübengewinnung war damit in England auf Jahrzehnte zurückgeworfen. Parallel dazu war auch leider der Sklavenhandel weiterhin rentabel.

Wie war es nun mit den AMERIKANERN? Nach Gründung der USA stiegen die Amerikaner in das Zuckergeschäft gleich in großem Stil ein, betrieben sie doch die Zuckerveredelung zunehmend industriell mit ihren Dampfmaschinen und der zur rechten Zeit neu erfundenen Vakuumsverpackung etc. Allerdings dauerte es lange, bis auch die USA von der Zuckersklaverei ließen. Kuba war jenes gequälte Land, das die Amerikaner lange ausbeuteten und ihren Rohzucker von dort bezogen. Als zynische Fügung der Geschichte waren diese Inselbewohner zur Belohnung bis heute von den USA boykottiert.

Und welche Rolle spielte DEUTSCHLAND und sein Zuckerestablishment in der Historie des Zuckers? Wer die Weltgeschichte studiert, findet wenig.

Die Deutschen stiegen als Nation erst später in das Geschäft mit Zucker und Sklaven ein, was nicht heißt, sie waren völlig unbefleckt. Immerhin gestattete die dänische Westindischengesellschaft dem Preußisch – Brandenburger Herzog mit seiner Afrika-Gesellschaft von 1685 bis 1718 St. Thomas, dort Sklaven zu verkaufen. Die 565 weißen Siedler auf St. Tomas, die auf dieser Insel um 1720 Zucker anbauten, ließen 4.187 Sklaven für sich arbeiten.

In Deutschland wurde Zuckerproduktion aus Rüben hauptsächlich während des Krieges vorangetrieben. Zentren in Bayern waren Zuckerfabriken in der Nähe von Regensburg und Plattling, die heute noch arbeiten.

Zucker in schlechten Zeiten fast ein Grundnahrungsmittel und rationiert, ist heute der klassische Überzug, für fast alles. 1976 entdeckte die amerikanische Industrie, dass es billiger ist Zucker aus Korn anstatt aus Zuckerrohr oder Rüben zu machen.

Seitdem wird HFCS (High Fruktose Corn Syrup) als Getreidesirup zunehmend auch bei uns als Süßungsmittel für Getränke, Backwaren und Fertignahrungsmittel verwendet. Dabei ist auch Fruktose in hohen Dosen nicht ungefährlich: Sie begünstigt Herzerkrankungen, Bluthochdruck und schwächt das Immunsystem.

Diskussionen darüber mit dem Diabetes-Patienten sind erlaubt – noch. Das Lauschangriffgesetz wurde nicht wegen kritischer Diskussionen über das Zuckerestablishment in Deutschland geschaffen. Es ist nur bei schweren Verbrechen gestattetet.

Also plaudern wir – über Diabetes, den heimlichen Täter, der seine Ursachen und seine Gehilfen, – mit seinen Opfern (den an Diabetes mellitus erkrankten)

entdeckt in: “Der Zuckerfuß”
Dr. med. Gerhard Fleischer, FA f. Orthopädie,
Schliersee/Oberbayern

Paris: “Zum Gedenken an die zahlreichen Algerier, die während der blutigen Verfolgung einer friedlichen Demonstration am 17. Oktober 1961 getötet worden sind.” Der FLN hatte strikte Order für eine gewaltlose Demonstration gegeben, niemand rechnete mit einer gewalttätigen Reaktion. Bis Maurice Papon den Schießbefehl gab. Etwa 200 Menschen, so die Schätzung der Historiker, wurden erschossen, erschlagen, in der Seine ertränkt, Tausende wurden verletzt.

 

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kalenderblatt/1577473/

17.10.2011
Bereits in den Monaten zuvor kam es immer wieder zu Zusammenstößen und Übergriffen - wie hier während einer Demonstration in Paris von 1960. (Bild: picture alliance / dpa / UPI) Bereits in den Monaten zuvor kam es immer wieder zu Zusammenstößen und Übergriffen – wie hier während einer Demonstration in Paris von 1960. (Bild: picture alliance / dpa / UPI)

Die Toten von Paris

Vor 50 Jahren schlug die Pariser Polizei Algerienproteste blutig nieder

Von Ruth Jung

Die Ereignisse vom 17. Oktober 1961 sind als Massaker von Paris in die Geschichte eingegangen. An jenem Tag kamen bei einem brutalen Polizeieinsatz während einer friedlichen Demonstration gegen den Algerienkrieg Hunderte Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt.

“Schon bald nach den Ereignissen vom 17. Oktober 1961 bemühten sich Historiker und engagierte Bürger um Aufklärung, sie wollten in Erfahrung bringen, was geschehen war und darüber informieren. Aber maßgebliche Vertreter des französischen Staates unternahmen alle Anstrengungen, um die Wahrheit zu ersticken.”

Jean-Luc Einaudi ist Historiker und Autor des Buches “La Bataille de Paris”, “Die Schlacht von Paris”. Sein schockierender Bericht über die blutige Niederschlagung einer Demonstration von Algeriern, die als “Massaker von Paris” in die Geschichte einging, erschien 1991. Erst dreißig Jahre nach dem Geschehen erfuhr die Öffentlichkeit detailliert, was an jenem regnerischen Oktoberabend 1961 mitten in Paris geschehen war. Seit 1954 tobte in Algerien der Krieg um die Unabhängigkeit. Das nordafrikanische Land wollte sich aus der Kolonialherrschaft befreien, in die es nach der Besetzung durch französische Truppen 1830 geraten war. Der Krieg mit Algerien beherrschte inzwischen auch die Metropole Frankreichs, auf beiden Seiten gab es Opfer. Die Stimmung war aufgeheizt, Repressionen und Rassismus waren alltäglich.

“Im Rahmen der zu ergreifenden Maßnahmen, die darauf zielen, den algerischen Terrorismus einzudämmen und Angehörige des Polizeiapparats zu schützen, verhänge ich über alle muslimischen Franzosen algerischer Herkunft eine Ausgangssperre von 20 Uhr abends bis 5 Uhr 30 morgens”,

heißt es in der Verfügung des Pariser Polizeipräfekten Maurice Papon vom 5. Oktober 1961. Daraufhin rief die französische Sektion der algerischen Unabhängigkeitsbewegung FLN alle im Großraum Paris lebenden Algerier zu einer friedlichen Kundgebung für den 17. Oktober auf. Etwa 30.000 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, strömten am Abend in die Stadt, um gegen die Ausgangssperre und für die Unabhängigkeit ihres Landes zu demonstrieren. Die Demonstranten hofften auf die Sympathie der Bevölkerung und die Wiederaufnahme der abgebrochenen Verhandlungen über die Unabhängigkeit.

Der FLN hatte strikte Order für eine gewaltlose Demonstration gegeben, niemand rechnete mit einer gewalttätigen Reaktion. Bis Maurice Papon den Schießbefehl gab. Etwa 200 Menschen, so die Schätzung der Historiker, wurden erschossen, erschlagen, in der Seine ertränkt, Tausende wurden verletzt. Georges Azenstarck war als Pressefotograf der Zeitung “L’Humanité” Augenzeuge am Boulevard Bonne Nouvelle.

“Aber die Presse brachte nichts darüber, die Leute wussten nichts von dem Massaker. Auch die Zeitung ‘L’Humanité’ berichtete nichts über die zwölf Toten, die ich gesehen und fotografiert habe, hätte sie es getan, wäre sie beschlagnahmt worden. (…) Sie sprachen nur ganz allgemein von Polizeirepressionen, aber Polizeirepressionen waren damals alltäglich, und Demonstrationen gegen den Algerienkrieg gab es viele in jenen Jahren.”

Bis heute ist nicht bekannt, wie viele Tote es wirklich gab. Etwa 14.000 Menschen wurden verhaftet, viele tagelang festgehalten und misshandelt, Hunderte nach Algerien deportiert. Jean-Luc Einaudi:

“Die offizielle Version der Vorgänge lautete, es habe drei Tote gegeben. Polizeikräfte hätten in Notwehr auf Demonstranten geschossen. Als aber Tage später immer mehr Leichen gefunden wurden, in der Seine, auf Booten und in den Wäldern rings um Paris, kam eine neue Version auf. Nun hieß es, diese Toten seien Opfer von Abrechnungen rivalisierender algerischer Banden.”

Diese Version ließ Polizeipräfekt Papon verbreiten. Maurice Papon war ein ehemaliger Vichy-Politiker. Nach dem Krieg wurde er von General de Gaulle in Algerien als Präfekt eingesetzt. Erst 1998 wurde Papon, der als Kollaborateur verantwortlich für die Deportation der jüdischen Bevölkerung von Bordeaux war, angeklagt und zu zehn Jahren Haft verurteilt.

“Zum Gedenken an die zahlreichen Algerier, die während der blutigen Verfolgung einer friedlichen Demonstration am 17. Oktober 1961 getötet worden sind.”

So lautet die Inschrift einer Gedenktafel am Pont Saint-Michel, die am 17. Oktober 2001 auf Betreiben einer Bürgerinitiative vom Pariser Bürgermeister eingeweiht wurde. Vertreter der Regierung waren nicht zugegen.

 

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