Reiche kaufen das Land der armen Länder: „Armen wird Boden unter den Füßen weggezogen!“ Reiche können korrumpieren!

„Neuer Kolonialismus“
Industrienationen sichern sich Landbesitz in Afrika
In Afrika kaufen reiche ausländische Investoren im großen Stil Agrarflächen auf. Kritiker warnen vor einem „neuen Kolonialismus“.
Großkäufer haben die riesigen Flächen Afrikas in den vergangenen Jahren zunehmend ins Auge gefasst. „Die Investoren versuchen gerade in Entwicklungsländern Land zu kaufen, weil dort die natürlichen Ressourcen noch im Überfluss vorhanden sind und Arbeit billig ist“, meint Olivier de Schutter, Beauftragter der Vereinten Nationen für das Menschenrecht auf Nahrung. „Das Problem ist, dass die meisten dieser Länder schwache Regierungen haben. Es gibt dort kaum gesetzliche Regelungen. Die Investoren bekommen das Land von den örtlichen Eliten, und können dann dort anbauen, was sie wollen.“
Einer Studie der UN-Agrar-Organisation und des Internationalen Agrarfonds zufolge hat der Kauf großer Agrarflächen durch ausländische Investoren in Afrika südlich der Sahara deutlich zugenommen. Allein in den fünf für die Studie untersuchten Staaten wechselten knapp 2,5 Millionen Hektar Land den Eigentümer – berücksichtigt wurden dabei nur die Käufe von mehr als tausend Hektar Land.
Darunter waren der Ankauf von mehr als 450.000 Hektar für ein Biotreibstoff-Projekt auf Madagaskar, ein 100.000 Hektar- Bewässerungsprojekt im westafrikanischen Mali und 150.000 Hektar in Äthiopien, wo ein selbst für afrikanische Verhältnisse hohes Bevölkerungswachstum zunehmend zu Landknappheit führt.
Die Autoren der Studie warnen vor der Vorstellung, Land sei in vielen afrikanischen Ländern im Überfluss vorhanden. Gleichzeitig verweisen sie auf die große Zahl von Bauern, die keinerlei formale Nachweise wie Kauf- oder Pachtverträge für das von ihnen bewirtschaftete Land haben. In Landkonflikten ziehen deshalb vor allem Kleinbauern häufig den Kürzeren.
„In den meisten Fällen, die ich gesehen habe, wird die Regierung nicht durch das Parlament kontrolliert und wird auch nicht durch starke zivile Organisationen überwacht“, sagt de Schutter. „Es gibt überhaupt keine Transparenz, niemand weiß, wie die Geschäfte ablaufen und wohin das Geld fließt. Es besteht kein Zweifel, dass bei vielen solcher Landkäufe Korruption im Spiel ist.“
„Armen wird Boden unter den Füßen weggezogen!“

In einem Positionspapier der Welthungerhilfe warnten die Ernährungsexpertin Constanze von Oppeln und der Entwicklungsreferent Rafael Schneider 2009: „Den Armen wird der Boden unter den Füßen weggezogen!“ Der Landkauf wird einerseits durch die gestiegene Nachfrage nach Lebensmitteln angeheizt, zum anderen durch die Förderung von Bioenergie. Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels auf ihre ohnehin knappen Landwirtschaftsflächen kaufen oder pachten arabische Staaten in großem Stil Flächen in Uganda, in Äthiopien oder im Sudan. Weitere Interessenten kommen aus China, Korea und Europa.

Befürworter sehen dagegen eher eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung. Sie verweisen auf den Nutzen, den ihre landwirtschaftlichen Großprojekte für die Bevölkerung haben: Bewässerungssysteme und Straßen werden gebaut, Arbeitsplätze geschaffen, ein Teil der erzeugten Lebensmittel gelangt auf den afrikanischen Markt.
Mit diesem Argument liegen sie auf der Linie des „Earth Institute“ der New Yorker Columbia-Universität, die in Afrika unterschiedliche Projekte wissenschaftlich begleitet. Pedro Sanches sagt, dass Investitionen in die Landwirtschaft dringend notwendig sind. Vor allem da fast drei Viertel der von Armut betroffenen Menschen weltweit in ländlichen Gebieten leben – ohne Strom, oft ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, mit mangelhafter Infrastruktur. Für sie können die Projekte der Investoren eine überlebenswichtige Chance bedeuten.
Das sieht auch die Welthungerhilfe so: „Vielfach fehlt der Zugang zu regionalen und internationalen Märkten. Hier können ausländische Investoren das fehlende Bindeglied sein, um lokale Strukturen mit Handelspartnern zu verbinden. Statt ‚Land Grabbing‘ zu fördern, müssten die Regierungen der von Hunger betroffenen Länder das günstige Investitionsklima zur Umsetzung neuer und vor allem nachhaltiger Agrarpolitik nutzen.“

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: