So leben, dass alle leben können: Wir sind jetzt 7 Milliarden, in 40 Jahren 9 Milliarden WeltbürgerInnnen

Wir werden immer mehr
Das Bevölkerungswachstum stellt neue Aufgaben
Die Menschheit wächst rasend schnell: Laut Angaben der Vereinten Nationen (UN) wuchs die Weltbevölkerung von 2,5 Milliarden 1950 auf inzwischen sieben Milliarden.
UN-Prognosen gehen davon aus, dass die Menschheit in den kommenden Jahrzehnten auf geschätzte 8,9 Milliarden im Jahr 2040 und 10,1 Milliarden in 2100 wachsen wird.
Die meisten Menschen leben derzeit auf dem asiatischen Kontinent, sie machen 60 Prozent der Weltbevölkerung aus. Aufgrund sinkender Geburtenraten, die langfristig in den asiatischen Ländern zu einem Bevölkerungsrückgang führen, sagen Statistiker des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) für die kommenden Jahre einen sinkenden asiatischen Anteil an der Weltbevölkerung voraus. Dagegen wird der Anteil der Afrikaner den Prognosen zufolge von heute rund 15 Prozent auf etwa 35 Prozent am Ende des Jahrhunderts ansteigen.
Aktuell lebt nur noch ein Zehntel der Weltbevölkerung in Europa – bei weiter sinkender Tendenz. 1950 lag der Anteil der Europäer noch doppelt so hoch, wie das BiB im Oktober 2010 mitteilte. Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2100 nur noch 6,7 Prozent aller Menschen Europäer sein werden. Entsprechend wird die Zahl der Europäer von heute 738 Millionen auf dann 675 Millionen sinken.
Der amerikanische Kontinent (etwa 13 Prozent) sowie die Region Australien/Ozeanien (0,6 Prozent der Weltbevölkerung) werden laut BiB konstant bleiben.
Erdenbürger 7.000.000.000 vielleicht schon geboren

Wann Erdenbürger Nr. 7.000.000.000 geboren wird, lässt sich nicht sicher sagen. Keine Statistik der Welt ist so genau, dass man einen exakten Termin ausrechnen könnte. Die Vereinten Nationen haben sich auf den 31. Oktober als mutmaßlichen Geburtstag festgelegt – ein Datum von eher symbolischem Wert. Die Bevölkerungsexperten haben oft schon die Erfahrung gemacht, dass ihre Prognosen von der Wirklichkeit überholt wurden. Deshalb wird erwartet, dass es schneller geht.

Nach den Regeln der Wahrscheinlichkeit wird das Baby nicht in Deutschland geboren werden, wo die Menschen weniger werden. Wahrscheinlicher ist die Geburt in einem der beiden Milliarden-Einwohner-Staaten Indien oder China.
Im Lauf der Menschheitsgeschichte hat sich das Wachstumstempo enorm gesteigert: Zu Christi Geburt gab es etwa 300 Millionen Menschen. Erst kurz nach 1800 wurde dann die erste Milliarde erreicht. Allein im noch jungen 21. Jahrhundert kam schon wieder eine Milliarde hinzu. Mit weiteren Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung ist man inzwischen ähnlich vorsichtig wie bei längerfristigen Wettervorhersagen.
„Der globale Ausblick ist durch eine Vielzahl von Unsicherheiten schwierig“, gibt der Bevölkerungswissenschaftler David Bloom von der „Harvard School of Public Health“ zu. „Dazu zählen Infektionskrankheiten, Krieg, der wissenschaftliche Fortschritt, politische Veränderungen und unsere Fähigkeit zur globalen Zusammenarbeit.“ Sicher ist, dass sich die Gewichte zwischen den Kontinenten verschieben werden.
Getrieben wird das Wachstum von den hohen Geburtenraten in Asien und Afrika. Bald wird Indien mit derzeit 1,2 Milliarden Einwohnern China mit 1,3 Milliarden Einwohnern als bevölkerungsreichstes Land der Welt ablösen. Allein in Nigeria, das mit 162 Millionen heute schon die meisten Einwohner Afrikas hat, soll die Zahl bis zur Jahrhundertmitte auf fast eine drei viertel Milliarde zunehmen.
Ein anderes Beispiel: Derzeit haben die Industrienation Deutschland und das Entwicklungsland Äthiopien beide etwas mehr als 80 Millionen Einwohner. In 40 Jahren jedoch wird es voraussichtlich 174 Millionen Äthiopier geben, aber nur noch 72 Millionen Deutsche. Und die werden im Durchschnitt auch deutlich älter sein als heute. Dies bedeutet auch, dass sich die Machtverhältnisse zwischen den Kontinenten verschieben werden. Länder wie China, Indien oder Brasilien (193 Millionen) gewinnen jetzt schon an Einfluss.
Mehr Menschen brauchen auch mehr Ressourcen

Mit der schieren Zahl an Menschen wächst auch der Bedarf an Land, an Lebensmitteln, an Energie. Befürchtet wird, dass der Kampf um die vorhandenen Ressourcen immer härter wird. Viele halten es zum Beispiel für möglich, dass es zwischen Nachbarstaaten künftig Kriege um Wasser geben wird. Die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature“ (WWF) hat ausgerechnet, dass man 2050 eigentlich drei Planeten Erde brauchen wird, wenn sich an unseren Gewohnheiten nichts ändert. „Wir müssen in den kommenden 40 Jahren die gleiche Menge an Lebensmitteln herstellen wie in den letzten 8000 Jahren“, sagt WWF-Experte Jason Clay. Zudem werden vor allem in den großen Industrienationen immer noch viel zu viele Lebensmittel weggeworfen.

Und selbst der aktuelle Bevölkerungsrekord bekommt eine andere Dimension, wenn man vergleicht, wie viele Menschen die Erde insgesamt schon ausgehalten hat: Geschätzt wird, dass es seit dem ersten Auftauchen des Homo Sapiens schon mehr als 100 Milliarden menschliche Wesen gab. Was sind da schon die 7 Milliarden von heute.

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