Morgen Aktionstag für RobinHood (Finanztransaktions)steuer – Occupyerfinder rufen dazu auf

Die «Adbusters»-Bewegung wird von Aktivisten, Studenten, Künstlern, Autoren und Unternehmern weltweit unterstützt, die das bestehende Machtsystem torpedieren wollen. Ziel der Bewegung sei es, den heutigen Informationsfluss zugunsten der kleinen Leute zu verändern und gegen die Machtverteilung in der heutigen Welt vorzugehen.

28. Oktober 2011, 12:06, NZZ Online

«Werbeknacker» kämpfen gegen das System

In der Redaktion eines kanadischen Magazins wurde die «Occupy-Bewegung» geboren

Ein Cover des kanadischen «Adbusters»-Magazins. (Bild: cc 2.0 / ClintJCL )ZoomEin Cover des kanadischen «Adbusters»-Magazins. (Bild: cc 2.0 / ClintJCL )

Mit dem Aufruf «Occupy Wall Street» begann eine weltweite Protestbewegung gegen das Bankensystem. Urheber war das konsumkritische kanadische Magazin «Adbusters». Jetzt steht die Einführung der «Robin-Hood-Steuer» auf dem Plan.

Von Alexandra Kohler

Am 17. September begann mit der Besetzung des Zuccotti Parks in Manhattan die «Occupy-Bewegung». Hinter der Protestaktion, die sich inzwischen über den ganzen Globus ausgebreitet hat, steht das kanadische Magazin «Adbusters». Am 13. Juli veröffentlichte das konsumkritische Magazin auf Twitter und auf ihrer Homepage die nun schon berühmt gewordene Parole «Occupy Wall Street» und rief damit zur friedlichen Besetzung des New Yorker Bankenviertels auf.

Jetzt hat «Adbusters» eine neue Aktion geplant. Aktivisten werden aufgerufen, am Samstag, 29. Oktober, für eine Finanztransaktionssteuer auf die Strasse zu gehen. «Robin Hood» heisst die Steuer: Auf alle Transaktionen, die im spekulationsfähigen Bereich –beispielsweise bei Währungen, Aktien oder Nahrungsmitteln – getätigt werden, soll weltweit eine Steuer von 1 Prozent gezahlt werden. Das Vorhaben findet im Hinblick auf den G-20-Gipfel in Cannes in der nächsten Woche statt, wo sich die Weltmächte zur Beratung über internationale Fragen treffen.

Die Aktion «Robin Hood» wird von einer Reihe von Organisationen wie Unicef, Greenpeace und Friends of the Earth, aber auch von bekannten Personen wie Nobelpreisträger Paul Krugman getragen. Die Steuer soll Geld für die öffentlichen Haushalte generieren, das dann im Kampf gegen Armut und den Klimawandel eingesetzt werden kann. Laut der Homepage von «Adbusters» sind schon zahlreiche Demonstrationen in Städten wie Montreal, Sydney und Berlin geplant.

Kritik am Konsumterror

«Adbusters» ist ein künstlerisches und rebellisches Magazin aus Kanada mit einer Auflage von 120’000 Exemplaren. Der Name – übersetzt etwa «Werbeknacker» – zeigt schon, dass es darum geht, Reklame ins Lächerliche zu ziehen und den Konsumterror in der modernen Gesellschaft anzuprangern. Ausdrücklich wird «Adbusters» nicht durch Anzeigen finanziert sondern von Lesern und Mitgliedern der gemeinnützigen Dach-Organisation «Adbusters Media Foundation».

Das Magazin thematisiert Politik, Wirtschaft und aktuelles Weltgeschehen, ist kreativ und oft auch schockierend gestaltet. So bildet die kanadische Zeitschrift zum Beispiel Gewaltszenen und unterernährte Kinder ab. Barack Obama bekommt eine Clownsnase aufgesetzt, Britney Spears «wirbt» zynisch für den Massenkonsum: «Keep shopping, everything is fine».

Brainstorming in der «Adbusters»-Redaktion

Bei einem Brainstorming in der «Adbusters»-Redaktion in Vancouver entstand die Initialzündung für die «Occupy»-Bewegung. Kalle Lasn – der Gründer der Organisation und Herausgeber des dazugehörigen Magazins – grübelte mit seinen Kollegen über Themen für die Juli-Ausgabe, sagte er in einem Interview mit dem Forbes Magazine.

Die Redaktoren, Fotografen und freien Mitarbeiter von «Adbusters» seien von der Bewegung in Tunesien inspririert gewesen und waren der Meinung, Amerika sei reif für eine solche Auflehnung, so Lasn. In der Juli-Ausgabe erschien dann der Slogan «Occupy Wall Street» – übersetzt etwa «besetzt den Finanzplatz» – und der Hashtag wurde auf Twitter publiziert.

Der Aufruf zur Besetzung der Wall Street von «Adbusters». (Bild: cc 2.0 / MichAndrWest)ZoomDer Aufruf zur Besetzung der Wall Street von «Adbusters». (Bild: cc 2.0 / MichAndrWest)

Es dauerte zwei Monate, bis die Bewegung ins Rollen kam. In New York wurde im September der Zuccotti Park in der Nähe der Wall Street besetzt, den Banken der Kampf angesagt. Die Bewegung schwappte auf über achtzig Länder über. In Städten wie Hong Kong, Paris, Rom und auch Zürich campierten wütende Massen auf grossen Plätzen, um gegen den Kapitalismus und soziale Ungerechtigkeit zu demonstrieren – und für den Frieden.

Der stille Anführer der «Occupy»-Bewegung

«Occupy Wall Street» ist nach eigenen Angaben eine Bewegung ohne Anführer. Aber ihr Anführer im Stillen ist Kalle Lasn. Der Chefredaktor von «Adbusters» stammt aus Estland. In seinen 30ern ging er nach Kanada – und blieb. Seine politische Einstellung sei in der Hippie-Bewegung der 60er Jahre in den USA verwurzelt, sagt der 69-Jährige im Interview mit dem Forbes Magazine.

Das berühmte Konzert von Jimi Hendrix beim Woodstockfestival 1969 habe ihn zu seinem Kampf gegen den Konsumterror inspiriert. Die Anhänger von «Occupy Wall Street» erinnern ihn sehr an die Bewegung von damals, so Lasn.

Am 26. November nichts kaufen

Die kanadische Organisation hat nicht nur die «Occupy-Bewegung» ins Leben gerufen, sondern lancierte beispielsweise auch den «Buy Nothing Day». An einem Tag im Jahr sollen die Menschen einfach mal nichts kaufen. In diesem Jahr am 26. November ist internationaler «Buy Nothing Day». Vor allem im Hinblick auf Weihnachten soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie viel Unnützes gekauft wird. Laut Adbusters soll die ursprüngliche Bedeutung des Feiertags wieder ins Bewusstsein gerufen werden.

Lasns «Adbusters»-Bewegung wird von Aktivisten, Studenten, Künstlern, Autoren und Unternehmern weltweit unterstützt, die das bestehende Machtsystem torpedieren wollen, heisst es auf der Homepage. Ziel der Bewegung sei es, den heutigen Informationsfluss zugunsten der kleinen Leute zu verändern und gegen die Machtverteilung in der heutigen Welt vorzugehen. Die Bewegung zählt inzwischen knapp 95’000 Mitglieder.

http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/werbeknacker_kaempfen_gegen_das_system_1.13137308.html

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