Kenia wirft Bomben in die Nähe eines Lagers, in dem die Al Shabaab-Milizen Hungerflüchtlinge versorgen

30. Oktober 2011, 21:10, NZZ Online

Kenyanischer Luftangriff auf Somalia

Offenbar auch Zivilisten unter den Opfern

Bei einem kenyanischen Luftangriff im Süden Somalias sind nach Angaben von Augenzeugen mehrere Zivilisten getötet worden. Wie die Zeugen der Nachrichtenagentur AFP berichteten, explodierte am Sonntag eine Bombe in Jilib in der Nähe eines Lagers, in dem die islamistische Shabaab-Miliz Essen an Flüchtlinge ausgibt.

(sda/afp) Die kenyanische Armee erklärte, bei dem Angriff seien ausschliesslich Shabaab-Mitglieder getötet worden.

Eine der Bomben sei «sehr nah» an dem Lager explodiert, sagte ein Augenzeuge namens Abdikadim. «Mehrere Menschen starben, ich habe drei gesehen.»

Ein anderer Augenzeuge sprach von mindestens fünf Leichen. «Mindestens vier schwere Explosionen waren am Nachmittag innerhalb und ausserhalb von Jilib zu hören», sagte Moalim Isak. «Mindestens fünf Zivilisten wurden an einer Essens-Ausgabestelle getötet, wo eine Bombe explodierte.»

Ein Vertreter der Shabaab-Miliz warf der kenyanischen Armee die Tötung von Zivilisten vor. Ein kenyanischer Armeesprecher war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Zuvor hatte er mitgeteilt, dass die Armee am Sonntagnachmittag ein «Ziel getroffen» habe. Dabei seien zehn Shabaab-Kämpfer getötet sowie 47 weitere verletzt worden.

Kenyas Armee hat bereits mehrmals Ziele im Süden Somalias bombardiert, seit sie Mitte Oktober Truppen über die Grenze geschickt hatte. Die Militäraktionen zielen auf die Shabaab-Miliz, die für die Entführung mehrerer Ausländer in Kenya verantwortlich gemacht wird. Die Miliz hat die Verantwortung für die Entführungen zurückgewiesen.

Kämpfe in Mogadiscio

Am Samstag griffen Shabaab-Kämpfer in der somalischen Hauptstadt Mogadiscio einen Militärstützpunkt an und töteten nach eigenen Angaben 80 Soldaten der Afrikanischen Union.

Nach Angaben der AU-Mission Amisom sprengten sich vor dem Stützpunkt im Norden Mogadiscios zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Die Angreifer seien jedoch «zurückgeschlagen» worden. Zwei AU-Soldaten seien verletzt worden.

Die Shhabaab-Miliz erklärte dagegen, bei dem mehr als zweistündigen Gefecht seien 80 ugandische Soldaten ums Leben gekommen. Am Sonntag erklärte die Miliz, einer der beiden Attentäter sei ein amerikanischer Bürger somalischer Herkunft gewesen.

9000 Amisom-Soldaten aus Uganda und Burundi unterstützen die somalischen Regierungstruppen seit Jahren im Kampf gegen die Shabaab-Milizen, die nach wie vor weite Teile des Landes kontrolliert.

In einem der Flüchtlingslager im kenyanischen Dadaab nahe der somalischen Grenze wurden nach Behördenangaben zwei mutmassliche Waffenhändler festgenommen. Demnach hatten sie versucht, kenyanischen Polizisten Waffen zu verkaufen. Diese hätten die Händler jedoch in eine Falle gelockt. Einer der Festgenommenen sei Somalier, der andere habe keine Papiere bei sich gehabt.

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