Frau Merkel und Herr Schäuble: Warum machen Sie das nicht wie die USA: Die Schlinge um mutmaßliche Steuerbetrüger mit Konten bei der Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) zieht sich zu. Die US-Steuerbehörde (IRS) hat den formalen Prozess in Gang gesetzt, um die Herausgabe der Kundendaten zu erzwingen.

KUNDENDATEN

Credit Suisse will US-Steuerbetrüger nennen

08. November 2011 16:10

UBS AG


USD12,48+0,48%

Nachdem die Behörden die Datenherausgabe beantragt haben, will die Großbank der Aufforderung nachkommen, warnt die Anleger

Zürich/Tulsa – Die Schlinge um mutmaßliche Steuerbetrüger mit Konten bei der Schweizer Großbank Credit Suisse (CS) zieht sich zu. Die US-Steuerbehörde (IRS) hat den formalen Prozess in Gang gesetzt, um die Herausgabe der Kundendaten zu erzwingen.

Die IRS habe kürzlich ein Amtshilfegesuch bei der Schweizer Steuerverwaltung eingereicht, erklärte die Credit Suisse am Dienstag. Die Amerikaner verlangen Dokumente und Daten von Kunden mit Vermögen in speziellen Schweizer Finanzvehikeln. „Im Rahmen dieses Verfahrens hat die Eidgenössische Steuerverwaltung die Credit Suisse AG angewiesen, ihr Daten zu übermitteln“, erklärte die Bank. Ein CS-Sprecher ergänzte, dass die Bank der Aufforderung nachkommen werde. Weder die CS noch die Schweizer Behörden wollten sagen, um wie viele Fälle es geht.

Ein Sprecher des Schweizer Staatssekretariats für Internationale Finanzfragen (SIF) bestätigte den Antrag aus den USA und erklärte, dass es sich um Fälle von mutmaßlichem Steuerbetrug handle. In einem Schreiben rät die Credit Suisse den Anlegern nun, sich einen Anwalt zu nehmen, wie ein Sprecher der Bank am Dienstag sagte.

Elf Institute strafrechtlich verfolgt

US-Behörden verdächtigen Schweizer Banken, reichen Amerikanern bei Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Zahlreiche Schweizer Banker und ihre Kunden wurden bereits angeklagt. Gegen rund elf Institute läuft inzwischen eine strafrechtliche Untersuchung. Dazu gehören neben Credit Suisse auch HSBC, der Vermögensverwalter Julius Bär, die Privatbank Wegelin sowie die Basler Kantonalbank.

Credit Suisse hat in den vergangenen Tagen begonnen, die Kunden über die bevorstehende Übergabe der Kontoinformationen zu informieren. Dem auf den zweiten November datierten Brief zufolge forderte die Schweizer Steuerverwaltung die Credit Suisse auf, die Kontoinformationen an die Behörde zu schicken. „Diese Anweisung muss umgehend ausgeführt werden und die Credit Suisse als Informationsinhaber hat kein Einspracherecht“, heißt es in dem von zwei CS-Managern unterzeichneten Brief. Der IRS-Antrag beziehe sich auf Konten aus dem Zeitraum von Anfang 2002 bis Ende 2010.

Kunden könnten anfechten

Die Kunden haben nun zwei Möglichkeiten. Entweder stimmen sie schriftlich der Übergabe der Daten an die Schweizer Steuerbehörden zu, die sie dann an ihre US-Kollegen weiterreicht. Oder sie können einen Schweizer Rechtsanwalt beauftragen, die Datenübergabe anzufechten. Gemäß US-Recht müssen die Kunden dann aber das Justizministerium über diesen Schritt informieren und damit die eigene Identität preisgeben.

Eher positiv ist das Amtshilfegesuch Experten zufolge für die Credit Suisse. Vontobel-Analystin Teresa Nielsen zufolge könnte die Bank den Steuerfall damit möglicherweise schneller als erwartet beilegen. Die Aktie der zweitgrößten Schweizer Bank stieg um 1,6 Prozent und entwickelte sich damit etwas besser als Konkurrentin UBS . Steueranwälten zufolge könnte der Brief bedeuten, dass Credit Suisse kurz vor einer Einigung mit den US-Behörden stehe.

Die Bank stellte im dritten Quartal 295 Mio. Franken (239 Mio.Euro) für „Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Steuerangelegenheit in den USA“ zurück. Die Summe basiere auf den verfügbaren Informationen und dem Rat von Rechtsexperten. In einem ähnlichen, von Beobachtern aber als gravierender eingeschätzten Fall hatte die Großbank UBS Beihilfe zu Steuerhinterziehung eingeräumt und 2009 eine Buße von 780 Mio. Dollar (568 Mio. Euro) gezahlt. (APA/Reuters)

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: