Beitrag von Wolfgang Lieberknecht (Nachrichten Empören, Vernetzen, Verändern) zum Völkertrauertag bei einem Gottesdienst im nordhessischen Meinhard, der von Amnesty International gestaltet wurde und Gedicht von Wolfgang Bochert: DANN GIBT ES NUR EINS ! Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir mor- gen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr ma- chen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins : Sag NEIN!

Wir haben das Glück in einer der sichersten Regionen der Erde zu leben. In Afrika sieht das noch ganz anders aus: Marina und Elisabeth kommen aus der Elfenbeinküste und haben beide in den vergangenen Jahren einen Bürgerkrieg und das Absinken des Landes erlebt. In der Strasse vor Marinas Haus lagen die Getöteten. Elisabeth sah im Kriegsgebiet die kriegszerstörten Häuser und Dörfer. Bei der Präsidentenwahl im vergangenen Jahr schliefen ihr Angehörigen in Kirchen, weil Bewaffnete durch die Strassen liefen und Häuser ansteckten oder in Häuser schossen. Das Land kommt inzwischen zur Ruhe, aber bei der Versöhnung  der Lager hinter den beiden Präsidentschaftskandidaten, die um die Macht kämpften sehen beide noch nichts.

Die Zahl der Kriege in Afrika ist zurückgegangen in den vergangenen Jahren, aber immer noch eine Geißel für Millionen von Menschen. Derzeit spitzt sich der Krieg in und um Somalia zu. Gerade da, wo die Menschen aufgrund der Dürre sowieso schon kaum überleben können, ist jetzt Kenia ins Nachbarland eingedrungen und führt ohne jede völkerrechtliche Grundlage Krieg.

Die Ursachen der afrikanischen Kriege liegen seit 500 Jahren aber nicht nur im Streit zwischen Afrikanern. Äußere Einflüsse spielen bis heute in allen Kriegen eine wesentliche Rolle. Und wenn wir die Afrikaner unterstützen wollen, dass nicht mehr so viele von ihnen bei Kriegen ums Leben kommen, können wir hier ansetzen:

Die Kriege in Afrika werden häufig um die Kontrolle der reichen Bodenschätze in Afrika geführt, wer sie in seinen Besitz bringt, kann durch sie reich werden: Würden es die Industrieländer konsequent ablehnen, Rohstoffe zu kaufen, die durch Gewalt und Krieg beschafft werden, wäre eine wichtiges Motiv für den Krieg : Im Krieg in der Elfenbeinküste spielte Kriegsfinanzierung durch Kakao eine wichtige Rolle, im Kongo mit über fünf Millionen Kriegstoten das Metall Coltan, das ins unseren Computern und Handys verbaut ist. Zudem werden viele der Kriege mit Waffen ausgetragen, die nicht in Afrika hergestellt werden: Nach den USA und Russland ist Deutschland der größte Waffenexporteur der Welt; und auch jetzt im Libyenkrieg sind viele Waffen aus Deutschland im Einsatz gewesen.
Dieser Krieg hat in den vergangenen Monaten Zehntausende von Toten gefordert. Bei uns in den Medien wurde Gaddafi als einziger Schuldiger hingestellt. Inzwischen werden grausame Menschenrechtsverletzungen der Rebellen bekannt. Und es wird auch geprüft, ob Bombenangriffe der Nato gegen Zivilisten Kriegsverbrechen waren. Die Nato hat in Libyen Menschen getötet, die sie schützen sollte. Niemand hatte ihre den Auftrag gegeben, militärisch einen Regimewechsel durchzusetzen. Als die Luftwaffe Gadaffis ausgeschaltet war, war das Natomadat eigentlich erfüllt. Die Afrikanische Union, die die Flugverbotszone begrüßt hatte, forderte in dem Moment Friedensvershandlungen zwischen beiden Seiten. Und nun erklärte die Nato ohne jedes UNO-Mandat, dass sie Gadaffi von der Macht vertreiben werde. Zur Durchsetzung dieses Zieles waren völkerrechtswidrig auch Bodentruppen aus England und Quatar im Einsatz.  Libyen tat viel für die Afrikanische Einheit, hatte den höchsten Lebensstandard in ganz Afrika, hat das beste Öl Afrikas. Gadaffi war ein Diktator wie die anderen arabischen Machthaber auch, die heute noch mit Unterstützhung unserer Regierung weiter gegen die Bevölkerungen vorgehen. Aus Südafrika kommt die Befürchtung, dass Europa Afrika wieder militärisch kontrollieren will. Und tatsächlich sind jetzt amerikanische Truppen auch in Uganda im Einsatz.
Krieg hat sich in den allermeisten Fällen nicht als ein guter Weg zur Lösung von Konflikten erwiesen. In Europa haben wir untereinander Wege der Zusammenarbeit und friedlichen Konfliktlösung gefunden. Diesen Weg sollten wir auch in Afrika unterstützen und nicht leichtfertig wie in Libyen und auch in der Elfenbeinküste, auf  Frankreich auf die militärische Karte setze, Kriege unterstützen. In Afrika nimmt den Europäerin kaum mehr jemand ab, dass es um was anderes als die Kontrolle der Rohstoffe geht. Wenn wir heute aber den Opfern der Kriege gedenken, möchte ich an den großen amerikanischen Präsidenten Roosevelt erinnern, der kurz vor Ende des II. Weltkrieges erklärte, wichtiger als das Ende dieses Krieges sei es, dass wir die Grundlage schaffen, dass keine neuen Kriege entstehen. Zu diesem Zweck verabschiedete die Weltgemeinschaft wenige Jahre später die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte: Ihre Kernidee: Wenn wir keine Kriege und Gewalt mehr wollen, arbeitet weltweit zusammen, dass alle menschenwürdig leben, dann finden Gewaltprediger wie Hitler keine Anhänger mehr. Hoffnungslosigkeit vor allem der jungen Generation ist ein wesentlicher Grund der Gewalt in Afrika, einem Kontinent, auf dem 80 Prozent weniger als 1,50 Euro Tageslohn haben. Und eins darf man auch nicht vergessen, dies ist der Grund der massiven Kriminalität, die zehnmal mehr Gewaltopfer fordert, als die kriegerischen Auseinandersetzungen. Um das Leid der Menschen endlich zu überwinden, die Opfer von Gewalt werden, sollten wir von den Regierungen endlich fordern das umzusetzen, was die Staaten als Konsequenz aus dem Zweiten Weltkrieg beschlossen haben: Dafür  zusammenzuarbeiten,  dass jeder ein Recht auf Arbeit, Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Leben hat. <

Dieses gedicht von Wolfgang Borchert  wurde ebenfalls verlesen:

DANN GIBT ES NUR EINS !

Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir mor-
gen befehlen, du sollst keine Wasserrohre und keine Kochtöpfe mehr ma-
chen – sondern Stahlhelme und Maschinengewehre, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN!
Du. Mädchen hinterm Ladentisch und Mädchen im Büro. Wenn sie
dir morgen befehlen, du sollst Granaten füllen und Zielfernrohre für
Scharfschützengewehre montieren, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN !
Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst statt
Puder und Kakao Schießpulver verkaufen, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN!
Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
einen neuen Tod erfinden gegen das alte Leben, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN !
Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
keine Liebeslieder, du sollst Haßlieder singen, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN!
Du. Arzt am Krankenbett. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
die Männer kriegstauglich schreiben, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN!
Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
den Mord segnen und den Krieg heilig sprechen, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN !
Du. Kapitän auf dem Dampfer. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
keinen Weizen mehr fahren – sondern Kanonen und Panzer, dann gibt
es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Pilot auf dem Flugfeld. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
Bomben und Phosphor über die Städte tragen, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN !
Du. Schneider auf deinem Brett. Wenn sie dir morgen befehlen, du
sollst Uniformen zuschneiden, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN !
Du. Richter im Talar. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst zum
Kriegsgericht gehen, dann gibt es nur eins :
Sag NEIN !
Du. Mann auf dem Bahnhof. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst
das Signal zur Abfahrt geben für den Munitionszug und für den Trup-
pentransporter, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!
Du. Mann auf dem Dorf und Mann in der Stadt. Wenn sie morgen
kommen und dir den Gestellungsbefehl bringen, dann gibt es nur eins:
Sag NEIN!

Du. Mutter in der Normandie und Mutter in der Ukraine, du, Mutter
in Frisko und London, du, am Hoangho und am Mississippi, du, Mutter
in Neapel und Hamburg und Kairo und Oslo – Mütter in allen Erdtei-
len, Mütter in der Welt, wenn sie morgen befehlen, ihr sollt Kinder ge-
bären, Krankenschwestern für Kriegslazarette und neue Soldaten für
neue Schlachten, Mütter in der Welt, dann gibt es nur eins:
Sagt NEIN! Mütter, sagt NEIN!

Denn wenn ihr nicht NEIN sagt, wenn IHR nicht nein sagt, Mütter, dann:

dann:

In den lärmenden dampfdunstigen Hafenstädten werden die großen
Schiffe stöhnend verstummen und wie titanische Mammutkadaver was-
serleichig träge gegen die toten vereinsamten Kaimauern schwanken, al-
gen-, tang- und muschelüberwest, den früher so schimmernden dröh-
nenden Leib, friedhöflich fischfaulig duftend, mürbe, siech, gestorben –
die Straßenbahnen werden wie sinnlose glanzlose glasäugige Käfige
blöde verbeult und abgeblättert neben den verwirrten Stahlskeletten der
Drähte und Gleise liegen, hinter morschen dachdurchlöcherten Schuppen,
in verlorenen kraterzerrissenen Straßen-

eine schlammgraue dickbreiige bleierne Stille wird sich heranwälzen,
gefräßig, wachsend, wird anwachsen in den Schulen und Universitäten
und Schauspielhäusern, auf Sport- und Kinderspielplätzen, grausig und
gierig, unaufhaltsam –

der sonnige saftige Wein wird an den verfallenen Hängen verfaulen,
der Reis wird in der verdorrten Erde vertrocknen, die Kartoffel wird auf
den brachliegenden Äckern erfrieren und die Kühe werden ihre totsteifen
Beine wie umgekippte Melkschemel in den Himmel strecken –

in den Instituten werden die genialen Erfindungen der großen Ärzte
sauer werden, verrotten, pilzig verschimmeln –

in den Küchen, Kammern und Kellern, in den Kühlhäusern und Spei-
chern werden die letzten Säcke Mehl, die letzten Gläser Erdbeeren, Kür-
bis und Kirschsaft verkommen – das Brot unter den umgestürzten Ti-
schen und auf zersplitterten Tellern wird grün werden und die ausgelau-
fene Butter wird stinken wie Schmierseife, das Korn auf den Feldern wird
neben verrosteten Pflügen hingesunken sein wie ein erschlagenes Heer
und die qualmenden Ziegelschornsteine, die Essen und die Schlote der
stampfenden Fabriken werden, vom ewigen Gras zugedeckt, zerbröckeln
-zerbröckeln -zerbröckeln –

dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpeste-
ter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne
und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den un-
übersehbaren Massengräbern und den kalten Götzen der gigantischen
betonklotzigen verödeten Städte, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig,
lästernd, klagend -und seine furchtbare Klage: WARUM? wird ungehört
in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern
im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen,
ungehört, antwortlos, letzter Tierschrei des letzten Tieres Mensch –

all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, vielleicht heute
nacht schon, vielleicht heute nacht, wenn — wenn — wenn ihr nicht
NEIN sagt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: