Occupy Zürich Occupy von der Polizei geräumt, sie werden vor einer Kirche weitermachen: Man sehe in der Bewegung ein Vorbild für die Kirche

«Kirchenasyl» für die Zürcher Occupy-Bewegung

Zürcher Besetzer wollen ihre Zelte vor einer Stadtkirche aufstellen

 

Reinigungskräfte entfernen die Zelte der Occupy-Aktivisten nach der Räumung des Lindenhofs. (Bild: Keystone / S. Schmidt)ZoomReinigungskräfte entfernen die Zelte der Occupy-Aktivisten nach der Räumung des Lindenhofs.(Bild: Keystone / S. Schmidt)

Nach der Räumung des Zeltlagers auf dem Lindenhof haben sich die Teilnehmer der Occupy-Bewegung zu einer Kirche im Quartier Aussersihl begeben. Dort wird ihnen Aufenthaltsrecht gewährt. An einer Vollversammlung soll über den Verbleib entschieden werden.

 

(sda) Die Zürcher Occupy-Bewegung lässt nicht locker: Nachdem ihr Zeltlager in der Altstadt am Dienstag geräumt worden ist, wollen die Aktivisten nun vor einer Stadtkirche campieren. Die Kirche gewährt ihnen auf Privatgrund «Asyl».

Räume überlassen

Man sehe in der Bewegung ein Vorbild für die Kirche, teilte die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zürich-Aussersihl mit. Die offene Kirche St. Jakob überlasse den Besetzern Vorplatz und Foyer und nach Absprache auch einzelne Räume des Kirchgemeindehauses als Ort der Begegnung und Diskussionsforum.

Die Bedingung sei, dass sich die Bewegung weiterhin an das Prinzip der Gewaltlosigkeit halte und das «gute Image» der Kirchgemeinde in keiner Art und Weise beeinträchtige. Diese Beschlüsse seien jedoch erst gültig, wenn sie am Dienstagabend von der Vollversammlung abgesegnet seien.

 

Rayonverbot ausgesprochen

Dann entscheidet die Bewegung, ob sie ihre Zelte definitiv vor der Kirche aufschlagen will. In der Innenstadt ist dies nicht mehr möglich, weil die Zürcher Stadtpolizei den meisten Besetzern ein für einen Tag gültiges Rayonverbot erteilte und sie sich somit nicht mehr im Zürcher Stadtkreis 1 aufhalten dürfen.

Am Vormittag war der Stadt Zürich der Geduldsfaden gerissen: Nach einem Monat räumten 80 Polizisten das Lager mit rund 40 Zelten auf dem Lindenhof. Während der anderthalbstündigen Aktion gab es keine Ausschreitungen. Stadtpolizeisprecher Marco Cortesi sagte, die Räumung sei «absolut friedlich und verhältnismässig» abgelaufen.

Besetzer sprechen von körperlicher Gewalt

Anderer Meinung waren die Besetzer: Die Polizei habe körperliche Gewalt angewandt, sagte eine Aktivistin. Zudem habe sie Tränengas und Pfefferspray versprüht. Mittlerweile seien alle 31 festgenommenen Personen wieder auf freiem Fuss. Sie müssen mit einer Verzeigung und einer Ordnungsbusse rechnen. Zwei Personen müssen sich vor dem Staatsanwalt verantworten. Die Besetzer werfen der Stadt vor, dass das Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit missachtet worden sei.

Die Polizei räumte auch die Zelte ab. Diese und weitere persönliche Gegenstände werden gemäss Cortesi zu Entsorgung und Recycling Zürich gebracht und können dort während eines Monats abgeholt werden. Insgesamt seien laut ersten Schätzungen rund 3,5 Tonnen Abfall eingesammelt worden. Wie viel der Einsatz kostet, sei noch nicht abzusehen. Cortesi rechnet aber mit mehreren 10’000 Franken.

Gesuch nicht bewilligt

Die Stadt Zürich hatte das Camp auf dem Lindenhof in der Zürcher Altstadt hoch über der Limmat auf Zusehen hin toleriert. Ein Gesuch für eine längerfristige Bewilligung wurde jedoch abgelehnt. Der Zürcher Stadtrat und Polizeivorsteher Daniel Leupi (Grüne) setzte eine letzte Frist bis Sonntag um Mitternacht.

Die Besetzer protestieren nach eigenen Angaben in erster Linie gegen das Finanzsystem und die Gier der Investmentbanker. Die Empörten haben sich der weltweiten «Occupy»-Bewegung angeschlossen und traten erstmals Mitte Oktober in Zürich auf. Sie besetzten den Paradeplatz mitten im Zürcher Finanzviertel.

http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/stadt_und_region/zuerich_occupy_bewegung_raeumung_lager_lindenhof_kirche_1.13324691.html

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