Steuerfahnder haben am Dienstag einen der bekanntesten griechischen Industriellen festgenommen. Der 47-jährige Unternehmer schulde dem Staat 2,3 Millionen Euro, berichtete die griechische Presse. Weitere Festnahmen stünden bevor, hiess es aus Kreisen der Steuerfahndung.

15. November 2011, 20:39, NZZ Online
Athen macht ernst mit der Jagd auf Steuersünder
Bekannter griechischer Industrieller verhaftet

Dunkle Wolken über der Akropolis: Durchaus ein Symbol für die gegenwärtige Verfassung des griechischen Staates. (Bild: Reuters)ZoomDunkle Wolken über der Akropolis: Durchaus ein Symbol für die gegenwärtige Verfassung des griechischen Staates.(Bild: Reuters)

Nach der Ankündigung vom Montag haben die griechischen Steuerfahnder am Dienstag ein erstes Exempel statuiert. Sie verhafteten einen 47-jährigen Industriellen, der dem Staat 2,3 Millionen Euro schuldet.

(sda/dpa) Die neue griechische Regierung meint es mit der Bekämpfung der Steuerhinterziehung ernst. Steuerfahnder haben am Dienstag einen der bekanntesten griechischen Industriellen festgenommen. Der 47-jährige Unternehmer schulde dem Staat 2,3 Millionen Euro, berichtete die griechische Presse. Weitere Festnahmen stünden bevor, hiess es aus Kreisen der Steuerfahndung.

Mit Publikation der Namen gedroht

Bereits am Montag hatte die Regierung in Athen ultimativ alle Steuersünder in Griechenland aufgefordert zu zahlen. Andernfalls werde sie die Namen veröffentlichen, damit jeder Bürger erfahre, wer seine Steuern nicht bezahlt habe.

«Bis Donnerstag, den 24. November, werden alle Personen aufgerufen, die mehr als 150’000 Euro schulden, sich bei den Steuerbehörden zu melden und ihre Schulden zu regeln», hiess in einer Erklärung des Finanzministeriums in Athen.

Abstimmung am Mittwochabend

Angesichts einer drohenden Staatspleite debattierte das griechische Parlament weiter über schmerzhafte Reformen und Sparmassnahmen. Spätestens am Mittwochabend wollen die Abgeordneten über die Regierungserklärung des neuen Ministerpräsidenten Loukas Papadimos abstimmen.

Der 64-Jährige hatte seinen Landsleuten zuvor reinen Wein über die desolaten Staatsfinanzen eingeschenkt und gleichzeitig um Unterstützung aller Griechen für seinen Reformkurs geworben. Dennoch zittert Griechenland weiter um die dringend benötigte Finanzspritze in Höhe von acht Milliarden Euro. Ohne dieses Geld kann die Regierung Löhne und Renten nur noch bis Mitte Dezember zahlen.

Die Abstimmung im Parlament ist für Mittwochabend geplant, wie Parlamentspräsident Filippos Petsalnikos mitteilte. Dort haben die Parteien, welche die Übergangsregierung von Papademos unterstützen, eine klare Mehrheit von mehr als 250 der 300 Abgeordneten. Weil die nächste Tranche der Finanzhilfen weiterhin auf Messers Schneide steht, will Papadimos an kommenden Montag nach Brüssel reisen.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/griechenland_athen_steuerschulden_hinterziehung_verhaftung_industrieller_1.13325229.html

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