Die amerikanische Zeitbombe erst für die Menschen, dann für die Investoren: Fünf Unternehmen mit einem Marktanteil von 90 Prozent dominieren den US-Medienmarkt und können die Gesellschaft desinformieren; ihre Eigentümer verfolgen politische Ziele: Die Steuerlast für Unternehmen und Superreiche auf das politisch mögliche Mindestmass zu reduzieren; über die Tea-Party können sie jetzt ihren Einfluasss ausweiten und das Parteispendengesetzt aushebeln; die USA stehen vor einer umgehenden sozialen und wirtschaftlichen Abwärtsspirale, während die oberen fünf Prozent bei dieser größten Umverteilung der jüngeren Geschichte hohe kurzfristige Gewinne erzielen: Am Ende zahlt die gesamte Welt dafür, denn die amerikanische Nachfrage, die immer noch ein Viertel der globalen Nachfrage ist, wird einbrechen und kann die ganze Weltwirtschaft mitziehen!

«Bill Gates steht nicht für Amerika»

Relativ unbeachtet von der europäischen Öffentlichkeit gebe es seit 9/11 eine zunehmende Einflussverschiebung in der amerikanischen Innenpolitik, die besonders in den letzten 18 Monaten mit der Tea-Party-Bewegung eine ungeahnte und zutiefst negative Eigendynamik erreicht hat, führt Parkside an. Heute werde die amerikanische Medienlandschaft primär von fünf Unternehmen mit einem Marktanteil von 90 Prozent dominiert. Diese Konzerne hätten heute mehr oder weniger politisch aktive Eigentümer, die aber alle bestrebt seien, die Steuerlast für Unternehmen und Superreiche auf das politisch mögliche Mindestmass zu reduzieren.

Die europäische Wahrnehmung sei, dass ein Bill Gates oder ein Warren Buffet für Amerika stünden, wenn sie sagten, die Steuern für die Reichen müssten erhöht werden. Diese Wahrnehmung sei falsch. Reiche Amerikaner hätten heute das Gefühl, dass jeder für sich selber schauen muss. Ein Solidaritätsgedanke wie er in Europa existiere, sei bei den Amerikanern sehr weit weg.

«Verdummung» der Bevölkerung

Die Deregulierung der Medienlandschaft in den vergangenen Jahren habe auf eindrückliche Weise gezeigt, wie viel Macht die grossen Medien-Konzerne in Washington besitzen. Auf Fernsehkanälen wie Fox sehe man nur noch Stimmungsmache, Sport, «Sex and Crime» und Celebrities. Die Bevölkerung in den USA sei heute stark desinformiert. «Bisher gab es eine abgehobene politische Klasse, die das Land dominierte. Jetzt kommen die Sponsoren der Tea Parties, deren «Spenden» komplett an den Wahlgesetzen vorbeigingen. Unter dem Deckmantel der Grass Root Movements werde das Parteienspendengesetz umgangen und ausgehebelt».

Abwärtsspirale mit Folgen

Die Folgen dieser seit Jahren laufenden Entwicklung erachten Schrutt und Hanschke als «sehr beängstigend». Die schon schwache Demokratie in den USA, mit einem Zwei-Parteien-System, mit mächtigen Medien und mit schwerreichen Interessensgruppen könnte dadurch endgültig aus den Fugen geraten», warnt Parkside. In der Folge würde das Land in eine ungeahnte Abwärtsspirale von sozialen Einschnitten und aussenpolitischen Rückzügen fallen. Die Demokratie verkäme in relativ kurzer Zeit zu einer Kleptokratie und dies ganz legal. «Die kurzfristigen Gewinne für die oberen fünf Prozent der Bevölkerung würden letztlich vom einfachen amerikanischen Staatsbürger und dadurch auch vom Rest der Welt bezahlt», so Schrutt und Hanschke.

Neben den ganzen aussen- und machtpolitischen Konsequenzen dieses Szenarios müsse zudem daran erinnert werden, dass der amerikanische Konsument immer noch für gute 25 Prozent der globalen Nachfrage verantwortlich sei. Er sei daher ein äusserst wichtiges Glied in der globalen Wertschöpfungskette. Falle er in der Folge des sozialen Abstiegs zu rapide weg, entstünde grosser Sachschaden, und die Zeche für die grösste freiwillige Umverteilung in der jüngeren Geschichte wäre exorbitant hoch.

http://www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/die_zeitbomben_nach_der_euro-krise_1.13322758.html

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