Sympathiebekundungen für Occupy jetzt auch in den Reihen konservativer Politiker, ökonomischer Führungskräfte und Vertreter der Upper Class: Vereinnahmung oder Unterstützung? Die Bewegung zeigt Wirkung!

17. November 2011, 07:20, NZZ Online

«So amerikanisch wie Apfelkuchen»

Unterstützung der «Occupy Wall Street»-Aktivisten von ungewohnter Seite

Viele konservative amerikanische Politiker sehen in der Unterstützung von «Occupy Wallstreet» keinen zwingenden Widerspruch. (Bild: Reuters)ZoomViele konservative amerikanische Politiker sehen in der Unterstützung von «Occupy Wallstreet» keinen zwingenden Widerspruch. (Bild: Reuters)

In den letzten Wochen haben sich viele prominente Amerikaner mit «Occupy Wall Street» solidarisiert – von Naomi Klein bis Kanye West. Nun kommen Sympathiebekundungen zunehmend auch von konservativen Politikern, ökonomischen Führungskräften und Vertretern der Upper Class.

aj. Am 15. Oktober gingen in 900 Städten weltweit Zehntausende von Menschen auf die Strasse. Sie demonstrierten gegen die ungleiche Verteilung des Einkommens, gegen den Einfluss grosser Unternehmen auf die Politik und die Macht der Banken. Auch einen Monat später prägen «Occupy»-Zeltstädte die Zentren vieler amerikanischer und europäischer Metropolen.

Zwar musste «Occupy Paradeplatz» das Zürcher Lindenhofareal verlassen und auch der Zuccotti Park in New York wurde vorübergehend geräumt. Doch es scheint, dass die Bewegung mit jeder gewaltsamen Räumung und der damit verbundenen Medienpräsenz an Zulauf gewinnt. So geschehen bei «Occupy Oakland»: Nach einem massiven Polizeieinsatz legte die Gruppe den Hafen von Oakland – und damit den fünftgrössten Warenumschlagsplatz der Vereinigten Staaten – lahm. Für den 19. November ruft «Occupy Oakland» wieder zu einer grossen Protestaktion auf.

Zwar ist es den verschiedenen «Occupy»-Bewegungen mit dem Slogan «we are the 99%» gelungen, eine allgemeine Stossrichtung festzulegen. Doch die Forderungen der Aktivisten sind vielfältig. Dementsprechend kritisch äusserten sich bisher die meisten Kommentatoren.

Bilderstrecke: «Besetzt die Wall Street»

Seit 20 Tagen besetzen Hunderte von Demonstranten einen öffentlichen Platz im Finanzdistrikt von New York. Der Protest «Occupy Wall Street» richtet sich gegen geldgierige Politiker und Banker und stösst auf viel Sympathie.

Prominenz im Zuccotti Park

In den letzten Wochen haben sich aber Wortmeldungen von prominenten Persönlichkeiten gehäuft. So marschierte die kanadische Schriftstellerin Naomi Klein an vorderster Front bei «Occupy Wallstreet» mit, die amerikanischen Rockveteranen David Crosby und Graham Nash gaben im Zuccotti Park einige Lieder zum Besten, und sogar der Rapper Kanye West und die Sängerin Kate Perry solidarisierten sich mit der Menschenmenge.

Dass sich der Filmemacher Michael Moore – selbst ein Multimillionär – als «Occupy»-Aktivist inszenieren würde, war vorhersehbar. Wenig erstaunt der von 50 Wissenschaftern unterschriebene Aufruf der globalisierungskritischen Bewegung Attac, sich der «Occupy»-Bewegung anzuschliessen. Auch die Unterstützung der akademischen und intellektuellen amerikanischen Schriftsteller-Gemeinde hatten die Aktivisten von Beginn weg auf sicher.

Gretchenfrage

Seit einiger Zeit konstatiert man aber solche Sympathiebekundungen zunehmend auch in den Reihen konservativer Politiker, ökonomischer Führungskräfte und Vertreter der Upper Class – bei jenen Menschen also, in denen viele Aktivisten ein Feindbild sehen. Auf dem Portal westandwiththe99percent fordern reiche Menschen den Staat dazu auf, sie stärker zu besteuern. Aufhorchen lassen die inbrünstigen Worte des früher als «neoliberal» verschrienen, einflussreichen Ökonomen Jeffrey Sachs vor gebanntem Publikum im Zuccotti Park. Mit den Besetzern reden würde auch Citigroup-CEO Vikram Pandit gerne.

«Wie stehen Sie zu ‚Occupy Wall Street‘?» Vor dieser Gretchenfrage kann sich mittlerweile kein amerikanischer Politiker mehr verstecken. Die Antwort des amerikanischen Präsidenten Barack Obama fällt relativ lapidar aus: «Occupy Wall Street» drücke die Frustration der amerikanischen Bevölkerung angesichts der grössten Finanzkrise seit 1929 aus.

Geradezu solidarisch mit den Besetzern zeigt sich dagegen der republikanische Präsidentschaftskandidat Ron Paul. Ziviler Ungehorsam sei im Kampf für eine gesunde Volkswirtschaft eine legitime Methode. Ein anderer republikanischer Präsidentschaftskandidat, Mitt Romney, meint zu wissen, wie sich die Aktivisten fühlten, und sogar der ehemalige amerikanische Aussenminister Colin Powell sagte in einem Fernsehinterview, «Occupy Wall Street» sei «so amerikanisch wie Apfelkuchen».

Beschwichtigungen und Solidarität von allen Seiten. Eine nachvollziehbare Reaktion, zumindest was die Präsidentschaftskandidaten angeht. Denn wer kann es sich im Vorwahljahr schon leisten, nur ein Prozent der Bevölkerung zu repräsentieren?

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http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/unterstuetzung_der_occupy_wall_street-aktivisten_von_ungewohnter_seite_1.13333789.html

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