Dreist: Neonazis marschieren in Remagen auf: Gegendemonstranten und Gedenken auch in Berlin: Erinnerung an Silvio Meier, der vor 19 Jahren im U-Bahnhof von einem Neonazi erstochen worden ist

Neonazis marschieren in Remagen auf

19. November 2011 21:57

Mehrere hundert Gegendemonstranten – 2600 Menschen bei Gedenkkundgebung in Berlin

Remagen – Vor dem Hintergrund der Neonazi-Mordserie hat die deutsche Polizei am Samstag eine rechtsextreme Kundgebung in Remagen (Rheinland-Pfalz) mit einem Großaufgebot begleitet. Nach Angaben eines Behördensprechers überwachten 650 Beamte den Aufmarsch vor einer Gedenkstätte, die an ein ehemaliges US-Kriegsgefangenenlager erinnert. Dort versammelten sich am Vortag zum Totensonntag knapp 300 Neonazis, um nach eigenen Angaben der Toten zu gedenken.

Die Polizei verhinderte, dass die rechtsextremen Demonstranten an der Gedenkstätte „Schwarze Madonna“ einen Kranz niederlegten. Begleitet wurde der Gedenkmarsch, der vom rechtsextremen „Aktionsbüro Mittelrhein“ initiiert worden war, von mehreren hundert Gegendemonstranten. Sie hielten einen ökumenischen Gottesdienst ab. „Es gab keine Zwischenfälle“, sagte ein Polizeisprecher.

Zu der Gegenveranstaltung hatte das „Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie“ aufgerufen. Die Gegendemonstranten kritisierten, dass ein Koblenzer Gericht den Neonazi-Aufmarsch genehmigt hatte. Man werde den Gedenkort verteidigen. „Wir akzeptieren nicht, dass er missbraucht wird“, sagten sie.

In der Nähe der Gedenkstätte stand nach Angaben der Stadt ein amerikanisches Kriegsgefangenenlager, in dem zwischen April und Juli 1945 mehr als 300.000 deutsche Soldaten festgehalten wurden. Viele von ihnen starben, 1987 wurde zum Gedenken an die Toten eine aus Spenden finanzierte Kapelle errichtet.

An diesem Sonntag wollen in Bretzenheim Rechtsextreme beim Mahnmal für das ehemalige Kriegsgefangenenlager „Feld des Jammers“ zusammentreffen. Regierungschef Kurt Beck (SPD) hat seine Teilnahme an einem einem ökumenischen Friedensgebet angekündigt.

Kundgebung in Berlin

Rund 2600 Menschen haben am Samstag in Berlin gegen Rechtsextremismus demonstriert. Sie erinnerten an den vor 19 Jahren ermordeten Hausbesetzer Silvio Meier. Er war im U-Bahnhof Samariterstraße von einem Neonazi erstochen worden. Von dort startete auch der Gedenkmarsch quer durch den Stadtteil Friedrichshain. Unter den Demonstranten waren zahlreiche linke Gruppen. Nach Ende der Veranstaltung kam es zu kleineren Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei. Insgesamt gab es mehrere Personenkontrollen und eine Festnahme. Ein Polizeibeamter wurde verletzt. Rund 600 Polizisten waren im Einsatz.

Auf Transparenten der Demonstranten war zu lesen „Occupy – Nazifrei“ und „Verfassungsverbot jetzt!“. Zu Beginn der Veranstaltung mit zunächst rund 800 Teilnehmern wurden auch Fotos von Mordopfern der Neonazis hochgehalten. Während des Protestzugs kam es immer wieder zu kleineren Zwischenfällen. Die Polizei schritt allerdings nicht ein. Die Demonstration führte auch an einem Neonazi-Treffpunkt vorbei, der von der Polizei abgeschirmt wurde. (APA)

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