Es tut sich was beim Nachbarn in Sachen Ausstieg: Grüne und Sozialisten wollen bis 2025 24 von 58 Reaktoren abschalten; Bündnis zur Abwahl von Sarkozy geschlossen

20. November 2011, 18:40, NZZ Online

Frankreichs Grüne und Sozialisten spannen zusammen

Wahlbündnis und Ausstieg aus der Atompolitik zum Zweck

In Frankreich haben sich die Sozialisten und die Grünen auf ein Wahlbündnis für die anstehenden Parlamentswahlen geeinigt. Zuvor hatte die sozialistische Partei (PS) zugestimmt, Frankreichs Atompolitik im Falle eines Sieges deutlich zurückzufahren.

(sda/dpa) Im Juni nächsten Jahres werden die Abgeordneten für die Nationalversammlung gewählt. Der Schulterschluss der beiden Parteien gilt nicht für die Präsidentenwahl im Frühjahr 2012. Zu dieser Wahl stellen sie jeweils eigene Kandidaten auf – Francois Hollande für die Sozialisten, Eva Joly für die Grünen.

Auf einem Parteikongress der Grünen stimmten 74 Prozent der Delegierten am Samstag für die Allianz. Die Sozialisten hatten für den Deal zugesagt, 24 der 58 Reaktoren im Land bis 2025 abzuschalten und die Herstellung von Plutonium-Uran-Mischoxid (MOX) zu stoppen.

Ausserdem werden sie in 60 von 577 Wahlkreisen nicht mit den Grünen konkurrieren. Auf diesem Wege solle die Partei ihre Präsens in der Nationalversammlung stärken. Heute haben die Grünen vier Sitze.

Ihre Forderung nach einem Baustopp für den ersten europäischen Druckwasserreaktors (EPR) in Flamanville im Norden Frankreichs gaben die Grünen auf. Spitzenkandidatin Joly hatte die Schliessung zuvor gefordert. Weil sie nicht an dem Kongress teilnahm, heizte sie Gerüchte über ein Zerwürfnis zwischen ihr und den Grünen ein.

Frankreichs Atommeiler produzieren 75 Prozent des Stroms im Land. Generell geniesst die Atomenergie grosse Zustimmung in Frankreich. Nach Fukushima ist die Zahl der Gegner aber gestiegen. Hollande will den Anteil von Atomstrom bis 2025 um 50 Prozent reduzieren – Präsident Nicolas Sarkozy sieht darin eine Gefahr für die Industrie.

Die Präsidentschaftskandidatin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, stellte indes am Wochenende ihr Programm vor. Sie wolle Frankreich aus der «Versklavung» Europas und des Euros befreien, das Schuldenproblem angehen, die Einwanderung stoppen und strenger gegen Kriminelle vorgehen. Über Kosten sprach sie nicht.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: