Die Krise erfasst den Kern der Euro-Zone: Frankreich droht nun tatsächlich der Verlust der Spitzen-Bonität: Anhaltend hohe Kosten für die Kreditaufnahme würden die fiskalischen Herausforderungen der französischen Regierung vergrössern, während sich der Wachstumsausblick verschlechtert, was negative Kreditauswirkungen hätte». Die Regierung in Paris will mit einem härteren Sparkurs das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen.Sollte Frankreich sein «AAA»-Rating verlieren, wäre auch das «AAA»-Rating des EU-Rettungsschirms EFSF gefährdet.

21. November 2011, 15:10, NZZ Online

Die Krise erfasst den Kern der Euro-Zone

Frankreich droht der Verlust der Spitzen-Bonität

Auch Frankreich gerät ins Visier der Märkte. (Bild: Imago)ZoomAuch Frankreich gerät ins Visier der Märkte. (Bild: Imago)

Die Schuldenkrise könnte schon bald auf den Kern Euro-Zone übergreifen. Nachdem Standard & Poor’s letzte Woche Frankreich aus Versehen herabstufte, droht Moody’s genau mit diesem Schritt. Die Märkte reagieren nervös auf den Warnschuss der Rating-Agentur.

(sda/Reuters) Frankreich gerät immer tiefer in den Strudel der Euro-Schuldenkrise. Die Ratingagentur Moody’s warnte am Montag davor, dass das zweitgrösste Euroland sein «AAA»-Toprating verlieren könnte, falls die Refinanzierungskosten dauerhaft hoch blieben und wegen der Konjunkturflaute den Haushalt belasteten.

An den Märkten und in der EU-Kommission wuchsen die Sorgen, dass nun auch Schwergewichte des Währungsraums tiefer in den Abwärtsstrudel der Schuldenkrise geraten. «Die Krise trifft den Kern der Euro-Zone, wir sollten uns darüber keine Illusionen machen», sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn in Brüssel.

Der Warnschuss von Moody’s trug dazu bei, dass die Aktienmärkte in die Knie gingen. Der deutsche Dax und der französische CAC 40 lagen am Mittag je rund 2,6 Prozent im Minus. Die Schweizer Börse (SMI) tauchte im Handelsverlauf um knapp 2 Prozent.

Im Visier der Bonitätswächter

Frankreich ist zuletzt stärker ins Visier der Finanzmärkte geraten und muss bereits höhere Refinanzierungskosten für seine Schulden zahlen. Die Regierung in Paris will mit einem härteren Sparkurs das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen, steht nach Ansicht von Moody’s aber vor einer schwierigen Aufgabe.

«Anhaltend hohe Kosten für die Kreditaufnahme würden die fiskalischen Herausforderungen der französischen Regierung vergrössern, während sich der Wachstumsausblick verschlechtert, was negative Kreditauswirkungen hätte», schrieb Moody’s-Experte Alexander Kockerbeck im wöchentlichen Kreditausblick der Agentur.

Er verwies darauf, dass die Renditeaufschläge zehnjähriger französischer Staatsanleihen vorige Woche erstmals seit Bestehen der Währungsunion um 2 Prozentpunkte über deutschen Bonds lagen.

Viel höhere Kosten

Damit zahle Frankreich für langfristige Finanzierungen Anlegern fast das Doppelte wie Deutschland. Die Zinsen für zehnjährige französische Anleihen zogen am Montag auf bis zu 3,622 Prozent an. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel gleichzeitig auf 1,869 (Freitag: 1,964) Prozent.

Ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt bedeute für Frankreich pro Jahr etwa Zusatzkosten von rund 3 Mrd. Euro, erklärte Moody’s. Das von der Regierung im nächsten Jahr erwartete Wachstum von nur einem Prozent erschwere den angepeilten Schuldenabbau.

Ein heftiger Rückschlag

Der Moody’s Konkurrent Standard & Poor’s hatte jüngst – nach eigenen Angaben – versehentlich Frankreichs Toprating «AAA» herabgestuft. Dies hatte für grosse Empörung in Frankreich gesorgt, aber vor allem für heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten. Denn für den Kampf der Euroländer gegen die Krise wäre es ein heftiger Rückschlag.

Sollte Frankreich sein «AAA»-Rating verlieren, wäre auch das «AAA»-Rating des EU-Rettungsschirms EFSF gefährdet, betonte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker. «Ich möchte nicht, dass das passiert», sagte Juncker in Mainz. Zur möglichen Herabstufung Frankreichs ergänzte er: «Ich würde das der tatsächlichen Lage Frankreichs für nicht angemessen halten.»

Keine Überraschung

Für Finanzmarktexperten kommt der Warnschuss von Moody’s aber nicht überraschend. «Dass Frankreich substanziell etwas gegen die Haushaltsprobleme getan hat, ist bisher nicht zu erkennen», kritisierte HSBC-Ökonom Rainer Sartoris.

Die Regierung in Paris will immerhin mit harter Sparpolitik den Verlust seiner Kreditwürdigkeit verhindern. Anfang des Monats kündigte Ministerpräsident François Fillon Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen von 65 Mrd. Euro bis 2016 an.

Höhere Risikozuschläge für Spanien

Die Investoren misstrauen auch Spanien und Italien: Der Sieg der Konservativen bei den Parlamentswahlen in Spanien beeindruckte sie nur wenig. Der Renditeaufschlag, den Investoren für zehnjährige spanische Papiere im Vergleich zu deutschen Bunds einfordern, legte zu Wochenbeginn um 29 auf 473 Basispunkte zu. Die Kurse der Anleihen gaben nach, die Rendite erhöhte sich auf 6,603 (Freitagabend: 6,403) Prozent.

Das von der Agentur Fitch mit «A+» bewertete Italien musste am Montag für seine Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit 6,826 Prozent berappen. Damit näherten sich die Renditen erneut der kritischen Marke von 7 Prozent.

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