Schon 16 Journalisten ermordet: Reporter ohne Grenzen: Jetzt neue Morddrohungen gegen militärkritische Journalisten. die über illegale Waffengeschäfte von Soldaten berichteten; die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) bereits Schutzmaßnahmen für die beiden Journalisten an

21. Nov 2011 | Honduras | Medien

Erneut Drohungen gegen Journalisten in Honduras

Morddrohungen gegen Mitarbeiter von Radio Uno und Radio Globo. Reporter ohne Grenzen kritisieren honduranische Regierung

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Von Johannes Schwäbl

amerika21.de

21.11.2011 06:58

Tegucigalpa. Laut Reporter ohne Grenzen ist es Anfang November wieder zu massiven Morddrohungen und Aggressionen gegen kritische Journalisten in Honduras gekommen. In San Pedro Sula erhielt der Reporter und Direktor des Senders Radio Uno, Arnulfo Aguilar, erneute Morddrohungen. Sie richten sich gegen ihn und seine Familie. In der Hauptstadt Tegucigalpa wurde der Radioreporter Luis Galdamez von Radio Globo während der Ausstrahlung seines Live-Programmes von einem anonymen Anrufer bedroht. Am 9. November verübten Unbekannte einen Mordversuch auf den Sohn des Journalisten Renato Álvarez. Vor kurzem erst forderte Álvarez Konsequenzen für durch die honduranische Polizei begangene Menschenrechtsverletzungen, unter anderem die Bestrafung von acht Polizisten, die für die Ermordung zweier Studenten verantwortlich gemacht werden.

Galdamez und Aguilar sind für ihre Kritik an den staatlichen Sicherheitskräften und ihrer oppositionellen Haltung gegen den im Juni 2009 verübten zivil-militärischen Putsch gegen den damaligen Präsidenten Manuel Zelaya bekannt. Aufgrund von vergangenen Aggressionen ordnete die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) bereits Schutzmaßnahmen für die beiden Journalisten an. Im April entkam Aguilar nur knapp einem Mordversuch, als zehn bewaffnete und vermummte Personen ihn vor seinem Haus in Chamelecón in der Nähe der Stadt San Pedro Sula abfingen. Laut Amnesty International wurde Aguilar zur Zielscheibe, da er öffentlich das Militär kritisierte. Ebenfalls im April hatte der Reporter über ein von Wikileaks veröffentlichtes Dokument berichtet, welches das honduranische Militär mit dem illegalen Waffenhandel in Verbindung brachte.

Aufgrund seiner kritischen Berichterstattung sind Radio Uno und seine Mitarbeiter seit dem Putsch konstanten Drohungen und Übergriffen ausgesetzt, oftmals auch durch staatliche Sicherheitskräfte. Am 15. September 2010 stürmten Polizeieinheiten unter massiven Einsatz von Tränengas das Radio und verletzten mehrere Mitarbeiter. Vor zwei Monaten wurde der Journalist Medardo Flores, welcher ebenfalls für Radio Uno arbeitete, von Unbekannten erschossen.

Seit Anfang 2010 wurden in Honduras bereits 16 Journalisten ermordet. Aufgrund der erneuten Drohungen kritisierten Reporter ohne Grenzen abermals die mangelnde Bereitschaft der honduranischen Regierung bei der Durchführung von Schutzmaßnahmen für gefährdete Journalisten. Zudem fordert die Organisation eine Aufklärung der seit dem Putsch durch Polizei und Militäreinheiten begangenen Menschenrechtsverletzungen und eine Bestrafung der Verantwortlichen.

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