Südafrika appelliert bei der Weltklimakonferenz an die Welt: «Für viele Menschen in den Entwicklungsländern und in Afrika ist der Klimawandel eine Frage von Leben und Tod. Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur ein Umweltthema, sondern birgt enorme Risiken für die gesamte Menschheit, insbesondere aber für die Entwicklungsländer: Lebensmittelproduktion droht in vielen afrikanischen Ländern durch den Klimawandel um die Häfte zu sinken, in Südafrika immer verheerde Niederschläge und Überschwemmungen in einigen Regionen!

28. November 2011, 16:27, NZZ Online
Düsteres Klima in Durban
Vertreter aus 194 Ländern verhandeln an der Weltklimakonferenz über Klimaziele
Greenpeace-Aktivisten errichten ein Windrad am Strand von Durban in Südafrika. Die Umweltorganisation will auf den Nutzen erneuerbarer Energien aufmerksam machen. (Bild: Keystone / epa)
Ziel an der Weltklimakonferenz ist es, über die nächsten Schritte im Kampf gegen die Erderwärmung zu entscheiden. Weil die Interessen der teilnehmenden Staaten weit auseinander gehen, wird nicht mit einem Durchbruch gerechnet. NZZ Online hat nützliche Websites zum Thema Klimawandel zusammengestellt.

koa./(sda/dpa/afp) Im südafrikanischen Durban hat die 17. Weltklimakonferenz begonnen. Bis zum 9. Dezember wollen Vertreter aus 194 Staaten dort über die nächsten Schritte im Kampf gegen den Klimawandel beraten. Etwa 20’000 Delegierte, Experten, Politiker, Funktionäre und Journalisten werden an der Konferenz teilnehmen.

Südafrikas Präsident Jacob Zuma appellierte an einen konkreten Klimaschutz. «Für viele Menschen in den Entwicklungsländern und in Afrika ist der Klimawandel eine Frage von Leben und Tod», sagte Zuma zur Eröffnung der Konferenz.

Die Teilnehmer müssten anerkennen, dass die Lösung des Problems des Klimawandels nicht vom Kampf gegen die Armut getrennt werden könne. «Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur ein Umweltthema, sondern birgt enorme Risiken für die gesamte Menschheit, insbesondere aber für die Entwicklungsländer».
Agrarproduktion droht zu sinken

Als Folge der globalen Erwärmung drohe die Agrarproduktion in vielen afrikanischen Ländern bis 2050 um die Hälfte zu sinken, warnte Zuma. Auch Südafrika leide vermehrt unter extremen Wetterphänomenen, beispielsweise unter enormen Niederschlägen in einigen Regionen mit verheerenden Überschwemmungen als Folge.

Notwendig sei nun, dass die Konferenz eine Fortschreibung der Vereinbarungen im Kyoto-Protokoll sowie die Finanzierung und Ausgestaltung des bereits grundsätzlich vereinbarten Klimafonds erreiche, sagte Zuma. Dieser Fonds soll ärmeren Staaten die Anpassung an den Klimawandel und klimafreundliche Entwicklungsprojekte erleichtern.

Die Leiterin des UNO-Klimasekretariats, Christiana Figueres, betonte ihrerseits, die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sei niemals höher, die Auswirkung des Klimawandels niemals deutlicher und die Notwendigkeit zum Handeln niemals dringender gewesen als heute. Insbesondere den Verletzlichsten müsse signalisiert werden, dass etwas für sie getan werde.
Alle Länder in die Pflicht nehmen

Mit einem Durchbruch in Durban rechnet aber niemand. Erwartet wird vielmehr, dass vor allem die Beschlüsse aus dem vergangenen Jahr zum Klimafonds und zum Waldschutz präzisiert werden. Die Entwicklungsländer fordern von den Kyoto-Staaten eine Fortsetzung des Protokolls. Diese sind dazu allerdings nur dann bereit, wenn andere relevante Verschmutzer ähnliche Zugeständnisse machen. Dazu gehören vor allem die USA, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben, sowie China und Indien.
Weltklimakonferenz, Erderwärmung und ökologischer Fussabdruck

koa. Was macht eigentlich die UNFCCC? Was ist ein ökologischer Fussabdruck? Ist das Waldsterben wirklich so weit fortgeschritten? NZZ Online hat einige nützliche Websites zum Thema Klimawandel zusammengestellt.

– Die United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) ist ein internationales Umweltabkommen mit dem Ziel, die globale Erderwärmung zu verlangsamen und ihre Folgen zu mindern. Die Konvention trifft sich jährlich zum Weltklimagipfel (vom 28. November bis zum 9. Dezember 2011 in Durban, Südafrika).

– Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), der Weltklimarat, wurde im November 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) ins Leben gerufen. Der Rat ist der UNFCCC beigeordnet und hat zum Ziel, Risiken der globalen Erwärmung zu beurteilen sowie Vermeidungs- und Anpassungsstrategien zusammenzutragen. Der Sitz der IPPC befindet sich in Genf.

– Interdisziplinäre Forschungseinrichtungen der ETH Zürich beschäftigen sich mit den verschiedenen Facetten des Themas Klimawandel: der Gebrauch natürlicher Ressourcen, Klimamodelle, Energiewirtschaft und Technologien, die die Energieeffizienz erhöhen werden erforscht. Die ETH Zürich ist Teil des internationalen Netzwerkes «Climate Knowledge and Innovation Community» (Climate-KIC).

– Der ETH-Klimablog bietet eine Informationsplattform zur Klimaproblematik. 20 Professorinnen und Professoren schreiben zu verschiedenen Wissensgebieten und thematisieren wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte. Professor Thomas Bernauer sieht das grösste Problem in der Klimathematik darin, dass alle Staaten der Welt zusammen ein globales Problem lösen müssen. «Die klimapolitischen Interessen in der Staatenwelt sind jedoch extrem heterogen», so Bernauer.

– Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) untersucht wissenschaftlich und gesellschaftlich bedeutsame Fragestellungen in den Bereichen globaler Wandel, globale Erwärmung und nachhaltige Entwicklung. Natur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschafter forschen auf Gebieten wie Energiewirtschaft, Ressourcen und Risiken für die Tier- und Pflanzenwelt.

– Zahlreiche Umweltorganisationen wie der World Wide Fund For Nature (WWF), Greenpeace und Pro Natura setzen sich seit Jahren für den Klimaschutz ein. Der WWF fordert in Durban den Stopp der weltweiten Entwaldung. Werde diese nicht gebremst, gingen in den nächsten knapp 20 Jahren 1,25 Millionen Quadratkilometer Wald verloren. Dies hätte schlimme Konsequenzen für das Klima. Die Abholzung mache weltweit nahezu ein Fünftel der weltweiten Treibhausgasemissionen aus, so der WWF.

– Wie viele Planeten wären nötig, um den eigenen Lebensstil möglich zu machen? Der WWF zeigt auf, wie jeder Einzelne im Alltag seinen ökologischen Fussabdruck verkleinern kann. Mit dem ökologischen Fussabdruck wird die Fläche auf der Erde bezeichnet, die benötigt wird, um den Lebensstandard eines Menschen zu ermöglichen.

– Die Hilfsorganisation Oxfam warnte im Vorfeld des Klimagipfels in Durban, die jüngsten Unwetter und Dürreperioden in verschiedenen Weltgegenden seien nur ein «bitterer Vorgeschmack» auf weitere Folgen des Klimawandels. Wie die Organisation am Montag erklärte, hat es in den vergangenen 18 Monaten bereits drastische Preisschübe bei Grundnahrungsmitteln gegeben. Diese würden für Millionen Menschen ein Abgleiten in die Armut bedeuten.

– Klimaskeptiker bezweifeln den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel und behaupten, das Klima wandle sich stetig und habe nichts mit dem erhöhten CO2-Ausstoss auf dem Planeten zu tun. Die Thesen der Skeptiker sind nicht wissenschaftlich fundiert. Meist glauben die Verfasser fragwürdiger Blogs wie Klimaskeptiker.info  oder «Der Klimaschwindel» an eine Verschwörungstheorie.

– NZZ-Redaktor Markus Hofmann schreibt in seinem Umwelt- und Klimablog über aktuelle Klimathemen.

Schwellenländer wie China und Indien, die beim Klimaschutz in Zukunft genauso in die Pflicht genommen werden sollen wie die Industrieländer, schreiben ihrer wirtschaftlichen Entwicklung immer noch höchste Priorität zu. Sie fordern, dass als erstes die Industriestaaten mit den höchsten CO2-Ausstössen handeln müssten.

Die Industrieländer können aber nicht die gesamten Lasten alleine tragen, vor allem wegen der schlechten Wirtschaftslage. Ziel ist es in Durban, alle Länder in die Pflicht zu nehmen und ein effektives und umfassendes Klimaregime auf die Beine zu stellen.
Bilderstrecke: Klima im Wandel

Das globale Klima weist laut dem Bundesamt für Umwelt natürliche Schwankungen über Zeiträume von Jahren bis Jahrmillionen auf. Seit rund 250 Jahren verändert der Mensch durch die Emission von Treibhausgasen zunehmend die Zusammensetzung der Atmosphäre. Dies verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt und führt zu spürbaren Veränderungen des Klimas mit zum Teil ungewissen Folgen.
Druck auf Teilnehmer wächst

Der Druck auf die Teilnehmer der diesjährigen Konferenz ist gross: Die fehlgeschlagenen Konferenzen der letzten Jahre und die weltweit weiter steigenden CO2-Emissionen – im letzten Jahr erreichten sie mit 33,5 Milliarden Tonnen einen neuen Höchststand – erhöhen die Erwartungen an den Klimagipfel in Durban.

Auf dem Gipfel der Kyoto-Länder im mexikanischen Cancún im Jahr 2010 konnten sich die teilnehmenden Staaten nicht auf ein neues Abkommen einigen. Die Industrieländer erkannten lediglich an, dass die Kohlendioxidemissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent reduziert werden müssten. Die Kyoto-Länder legten ausserdem fest, dass die Erderwärmung höchstens 2 Grad gegenüber der Zeit vor 1990 erreichen darf.

Von der Erreichung des 2-Grad-Ziels ist man im Moment aber weit entfernt. Ohne Intervention würden unter Einrechnung der Treibhausgase Methan und Lachgas die C02-äquivalenten Emissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber heute zunehmen. Um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, müssten diese aber um 10 Prozent sinken.

Video: Weltklimakonferenz in Durban

(Reuters)

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