Der Bundesnachrichtendienst hat 2007 zahlreiche Dokumente vernichtet, die nach Einschätzung von Experten von großer historischer Bedeutung waren. Insgesamt 250 Personalakten mit Bezug zur NS-Zeit seien dem Reißwolf übergeben worden

BND vernichtet Unterlagen

250 Akten mit NS-Bezug sind weg

Der Bundesnachrichtendienst hat 2007 zahlreiche Dokumente vernichtet, die nach Einschätzung von Experten von großer historischer Bedeutung waren. Insgesamt 250 Personalakten mit Bezug zur NS-Zeit seien dem Reißwolf übergeben worden, kritisieren Historiker der unabhängigen Kommission zur Erforschung der Geschichte des Dienstes und zu den mutmaßlichen Verwicklungen seiner Mitarbeiter in NS-Verbrechen.

„Schlimmer Fall von Geschichtsvergessenheit“

Eingang zum BND-Standort in Pullach (Foto: AP)Großansicht des BildesDer Bundesnachrichtendienst gerät immer wieder in die Negativschlagzeilen.Der BND selbst bestätigte den Vorfall. Es sei „bedauerlich und ärgerlich“, auch wenn die zerstörten Akten nur etwa zwei Prozent des für das Geschichtsprojekt relevanten Bestandes ausmachten. Anders sieht das Thomas Oppermann, Vorsitzender des für die Kontrolle des Geheimdienstes zuständigen Bundestagsgremiums: Hier scheine „ein schlimmer Fall von Geschichtsvergessenheit“ vorzuliegen, so der SPD-Politiker. Dafür habe er kein Verständnis. Der Vorfall müsse jetzt schnell aufgeklärt werden.

Zwar hatte der BND selbst die Akten als „nicht archivwürdig“ eingestuft – das aber könnte nach Einschätzung der Kommission ein fataler Fehler gewesen sein: Denn unter den Dokumenten befanden sich auch Unterlagen von Personen, die in der NS-Zeit „signifikante geheimdienstliche Positionen“ innehatten, darunter in der SS, dem Sicherheitsdienst SD oder der Gestapo. „Darunter befinden sich auch BND-Mitarbeiter, gegen die der BND in den sechziger Jahren selbst Ermittlungen wegen schwerer NS-Belastung durchgeführt hatte“, sagte Kommissionssprecher Klaus-Dietmar Henke. Allerdings sei es nicht der Fall, „dass der BND etwa gezielt alle Akten von NS-Belasteten vernichtet hätte“, so Henke weiter. Die Kommission erwarte, künftig informiert zu werden, bevor potenziell bedeutende Dokumente dem Reißwolf übergeben werden.

Netzwerk der „alten Kameraden“

Die Historiker untersuchen vor allem den Zeitraum zwischen 1945 und 1968 und den damaligen BND-Vorläufer „Organisation Gehlen“. Gehlen selbst gilt als „Gründervater“ des BND. Er war Weltkriegsgeneral, der für Adolf Hitler mit der Wehrmachtsabteilung „Fremde Heere Ost“ Informationen über die sowjetische Armee sammelte. Nach Kriegsende hatte Gehlen „alte Kameraden“ in der „Organisation Gehlen“ – bis 1956 Vorläufer des BND – um sich gesammelt. Viele von ihnen waren vorher in der SS oder bei dem berüchtigten Reichssicherheitshauptamt, der Zentrale des organisierten Völkermordes an den Juden Europas, im Einsatz.

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