Noch nie wurde ein marokkanischer Monarch so offen kritisiert. Die Demokratiebewegung macht Front gegen korrupte Lokal- und Parteifürsten, nennt sie beim Namen und bringt sie ganz direkt mit dem Königshaus in Zusammenhang. Das Wahlprojekt des Königs hat die Unruhe eher verstärkt! Geringe Wahbeteiligung

Kommentar von Reiner Wandler
Wahlen in Marokko: Die Unruhe bleibt
Noch nie wurde ein marokkanischer Monarch so offen kritisiert

Der große Verlierer der marokkanischen Parlamentswahlen heißt König Mohamed VI. Die um ein Jahr vorgezogene Wahl sollte den vom Monarchen als Antwort auf den arabischen Frühling erlassenen Reformprozess stärken. Das Gegenteil ist der Fall

Das Reformprojekt begeistert nicht. Obwohl die neue Verfassung den König verpflichtet, den Regierungschef aus den Reihen der stärksten Partei zu bestimmen, und der Regierung mehr Kompetenzen zugesteht, gingen die Marokkaner nur zögerlich an die Urnen. Die Wahlbeteiligung lag bei 45 Prozent. Das Parteienbündnis um den amtierenden Wirtschafts- und Finanzminister konnte die islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung nicht stoppen.

Die niedrige Wahlbeteiligung ist ein Erfolg für die außerparlamentarischen Kräfte, die Demokratiebewegung 20.Februar und die verbotene islamistische Justiz und Geistlichkeit, die zum Wahlboykott aufriefen und eine Demokratisierung fordern. Auch das mäßige Ergebnis der Palastparteien ist auf die Demonstrationen zurückzuführen.

Die Demokratiebewegung macht Front gegen korrupte Lokal- und Parteifürsten, nennt sie beim Namen und bringt sie ganz direkt mit dem Königshaus in Zusammenhang. Noch nie wurde ein marokkanischer Monarch so offen kritisiert. Die Bilanz ist klar: König Mohamed VI. hat die erste Welle des arabischen Frühlings ausgestanden, aber er ist weit davon entfernt, sein Land zu beruhigen. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.11.2011)

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