Peter Maffay über rechte Gewalt: Er tritt heute mit Udo Lindenberg auf bei Rock gegen Rechts in Jena!

Peter Maffay über rechte Gewalt

„Dass man sich schützen muss, ist beängstigend“

Peter Maffay: Engagement gegen rechte Gewalt

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DPA

Peter Maffay engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus – mit Udo Lindenberg und anderen Künstlern gibt er in Jena ein Konzert „Für die bunte Republik Deutschland“. Im Interview spricht Maffay über Drohungen, sein Engagement gegen rechts und sein Verhältnis zu Bushido.

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Jena spielt in den Ermittlungen gegen die rechtsextreme Terrorzelle eine zentrale Rolle. Das Trio Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos stammt aus der Stadt und war dort aktiv, bevor es 1998 untertauchte. Am Freitag will die Stadt ein Signal gegen rechte Gewalt setzen – mit dem Benefizkonzert „Rock ’n‘ Roll-Arena Jena – Für die bunte Republik Deutschland“. Zu dem Konzert werden 60.000 Zuschauer erwartet. Für die Sicherheit sollen mehrere hundert Polizisten sorgen. Zudem sind 400 Personen von privaten Sicherheitsdiensten im Einsatz.

 

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Der Titel der Veranstaltung ist eine Anspielung auf Udo Lindenbergs 1989 veröffentlichtes Album „Bunte Republik Deutschland“. Es enthielt das Lied „Rock ’n‘ Roll-Arena in Jena“. Damit wollte der Musiker die DDR-Führung überzeugen, ihn durch den Osten touren zu lassen. Auf der Bühne stehen neben Lindenberg unter anderem Julia Neigel, Clueso und Peter Maffay.SPIEGEL ONLINE sprach vor der Veranstaltung mit Maffay über seinen Auftritt und die Gründe für das Ende der Zusammenarbeit mit Rapper Bushido.

SPIEGEL ONLINE: Herr Maffay, im Vorfeld des Konzerts in Jena gab es Drohungen von Rechtsextremen. Haben Sie Sicherheitsbedenken?

Maffay: Man muss mit Konfrontationen von Rechtsextremen rechnen. Allein die Tatsache, dass man sich schützen muss, dass ich vielleicht unter Polizeischutz auf der Bühne stehe, ist beängstigend. So etwas in einer Demokratie zu erleben, ist extrem bedenklich.

SPIEGEL ONLINE: Gehen Sie mit einem mulmigen Gefühl auf die Bühne?

Maffay: Diese Frage stellte sich bei ähnlichen Konzerten schon vor zehn Jahren. Der Unterschied ist, dass die Rechtsextremen heute organisierter sind als damals. Ich mache mir schon meine Gedanken, aber das hindert mich nicht daran, auf die Bühne zu gehen. Die anderen Künstler wird es auch nicht hindern. Man darf nicht vor diesem Druck kapitulieren.

SPIEGEL ONLINE: Jena war in den vergangenen Wochen vor allem im Zusammenhang mit der Neonazi-Terrorzelle in den Schlagzeilen. Ist das Konzert auch eine PR-Maßnahme?

Maffay: Das Konzert ist wichtig, weil Jena ein Brennpunkt rechtsextremer Aktivitäten ist. Aber es zeigt auch, dass die Stadt eine andere Seite hat. Die Mehrheit der Menschen hier will eine Botschaft gegen Rechtsextremismus senden, und viele, die nicht kommen können, werden diese Botschaft hören.

SPIEGEL ONLINE: Das Konzert wurde sehr kurzfristig geplant,…

Maffay: …und das ist auch gut. Man muss klarmachen, dass rechtsextreme Gedanken in unserer Gesellschaft keinen Platz haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehr haben Sie diese Entwicklungen getroffen?

Maffay: Leider gab es schon vor Jahren Anlass zu solchen Konzerten. Rock gegen Rechts ist ja leider keine neue Erfindung. Es ist bedauerlich, dass wir dieses Problem immer noch so massiv im Land haben und dass die Verankerung viel weiter geht, als wir bisher wahrgenommen haben.

SPIEGEL ONLINE: Eine neue Qualität rechtsextremer Gewalt?

Maffay: Absolut. Ich frage mich: Wer hat wie viel Deckung gegeben? Die Sicherheitssysteme unseres Staates funktionieren an anderer Stelle, wieso haben sie es dieses Mal nicht getan? Das ist das Gefährliche an der Sache. Das muss aufgeklärt werden, und diejenigen an offizieller Stelle, die sich nicht bewegt haben, müssen zur Verantwortung gezogen werden.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren in den vergangenen Tagen auch wegen eines anderen Themas in den Schlagzeilen: Ihrer aufgekündigten Zusammenarbeit mit dem Rapper Bushido.

Maffay: Das mit Bushido ist keine Bagatelle, weil es um die Frage geht, welche Ursachen zu einer Sprache und Haltung führen, wie er sie in seiner Musik benutzt. Aber bei dem Konzert geht es um Dinge mit einer ganz anderen Brisanz: Tote, Mord, organisiertes Verbrechen. Ich habe mich gefragt, ob die Zusammenarbeit mit Bushido sich mit Rock gegen Rechts und meiner Stiftungsarbeit vereinbaren lässt. Da bin ich zum Schluss gekommen, dass das nicht geht.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Bushido einen Brief geschrieben.

Maffay: Ich habe ihm mitgeteilt, dass sich seine und meine Position nicht mehr vereinen lassen. Wenn er diskriminierendes und gewaltverherrlichendes Material vom Markt nimmt und sagt, in Zukunft werde ich so etwas nicht mehr machen, würde ich weiter mit ihm arbeiten. Wenn er das nicht tut, würde ich gegen meine Gesinnung handeln und dann aussteigen.

SPIEGEL ONLINE: Hat er reagiert?

Maffay: Er hat mich wissen lassen, dass er den Brief erhalten hat. Das war alles. Und deswegen bin ich jetzt zwangsläufig aus dieser Nummer ausgestiegen. Wenn er irgendwann mal auf mich zukommt und mir das erklären will, werde ich ihn nicht wegschicken.

SPIEGEL ONLINE: Die klaren Worte, die Sie sich gewünscht hätten, gab es von Bushido schon bei der „Bambi“-Verleihung nicht, als er in der Kategorie Integration geehrt wurde und Sie die Laudatio hielten.

 

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Maffay: Beim Bambi waren seine Ausführungen nicht eindeutig. Ich habe das darauf zurückgeführt, dass er sehr emotionsgeladen war, was ich angesichts einiger Reaktionen im Publikum verstehen kann. Bei Markus Lanz in der Sendung [einige Tage nach dem „Bambi“ ausgestrahlt, d. Red.]hätte er auf den Punkt kommen können, zum Beispiel zu seinem neuen Video mit Sido sagen können: Das war ein Fehler. Da hat er eine große Chance vergeben.SPIEGEL ONLINE: Bereuen Sie Ihren Einsatz für ihn?

Maffay: Den Ansatz, ihm mit dem Bambi in die Pflicht zu nehmen, fand ich richtig. Diesen Kredit zu geben, ihn abzuholen, ist gut. Aber da muss die andere Seite auch etwas liefern. Und das ist nicht passiert. Er hat gesagt: Was ich früher gemacht habe, war ein Fehler. Mir fehlte der andere Satz: Ich werde das in Zukunft unterlassen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Lehren ziehen Sie aus der Geschichte?

Maffay: Das Werben für eine Überzeugung ist ein langwieriger Prozess, der sehr viel Ausdauer erfordert. Dass es in diesem Fall nicht geklappt hat, schreckt mich aber nicht ab, es wieder zu versuchen: Wenn man andere isoliert, radikalisiert man sie.

Interview: Benjamin Schulz

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