Der jahrelange Kampf der indigenen Bevölkerung von Neufundland um Anerkennung und Hilfe zeitigt Erfolg – Der Stamm der Beothuk-Indianer wurde im 19.Jahrhundert durch die Besiedlung vonseiten der Europäer ausgelöscht. So blieb nur noch ein Häufchen Mi’kmaq-Indianer. Doch als Neufundland 1949 als letzte Provinz zu Kanada stieß, taten die Weißen so, als gehörte ihnen die Insel.

Keith Cormier fand im Museum ein Bild seiner Vorfahren: William und Madeleine Prosper vor ihrem Wigwam 1923.

Der jahrelange Kampf der indigenen Bevölkerung von Neufundland um Anerkennung und Hilfe zeitigt Erfolg

Nach Zusagen der kanadischen Regierung entdecken nun immer mehr Menschen ihre indianischen Wurzeln.
Die ostkanadische Insel Neufundland galt bisher außerhalb Irlands als die irischste Insel der Welt. Doch nun entdecken immer mehr Einwohner ihren indigenen Stammbaum. Zehntausende Weiße wollen plötzlich Indianer sein. Hintergrund: Jahrzehntelang hatte die Regierung Indianer in Kanadas jüngster Provinz nicht anerkannt, weil nie ein Vertrag abgeschlossen wurde. Deshalb erhielten diese Eingeborenen auch keine finanzielle Hilfe wie die anderen kanadischen Indianer. Doch jetzt will Ottawa endlich das historische Versäumnis nachholen und spendabel werden.

Im September wurde sogar ein neuer Indianerstamm gegründet: Der Qalipu-Stamm ist das Sammelbecken von Mi’kmaq-Indianern und jetzt auch von Bleichgesichtern, durch deren Adern indianisches Blut fließt, wenn auch nur verdünnt. Der Zulauf ist enorm: Bereits mehr als 29.000 Neufundländer haben sich als Mitglieder beworben. Qalipu-Häuptling Brendan Sheppard ist begeistert: „Die Qalipu könnten der größte Indianerstamm Kanadas sein, wenn die Anmeldefrist im November 2012 ausläuft.“

Der Finanzberater Keith Cormier aus Corner Brook hätte sich nie träumen lassen, dass er eines Tages auf der Bühne ein Weihnachtslied in der Sprache der Mi’kmaq-Indianer singen würde. Aber eines Tages hatte ihn ein Cousin besucht und ihm eröffnet: „Du bist ein Indianer.“ Der 60-jährige Cormier war verblüfft. Neufundland, ungefähr so groß wie Bayern, galt nicht gerade als Indianerland, woran wiederum die Bleichgesichter schuld sind.

Der Stamm der Beothuk-Indianer wurde im 19.Jahrhundert durch die Besiedlung vonseiten der Europäer ausgelöscht. So blieb nur noch ein Häufchen Mi’kmaq-Indianer. Doch als Neufundland 1949 als letzte Provinz zu Kanada stieß, taten die Weißen so, als gehörte ihnen die Insel. Die Mi’kmaq wurden im Abkommen mit der kanadischen Regierung nicht erwähnt. „Sie wurden aus der Geschichtsschreibung getilgt“ , sagt die Anthropologin Angela Robinson aus Corner Brook.

Bildung und Arztkosten

Seither kämpften diese Indianer darum, von der Regierung in Ottawa als Stamm – in Kanada „First Nation“ genannt – anerkannt zu werden und Unterstützung zu erhalten. Kanadischen Indianern bezahlt die Regierung beispielsweise Universitäts- oder Arztkosten.

Vor vier Jahren machte Kanadas Regierungschef Stephen Harper den ersten Schritt Richtung Anerkennung. Damals rechneten die Behörden mit rund 8700 Indianern in Neufundland. Heute sind aber schon mehr als 21.000 Bürger als Mitglieder des neuen Qalipu-Stammes genehmigt. Bedingung: indianische Vorfahren, die nachweislich vor 1949 in Neufundland lebten. Die Regierung in Ottawa rechnet bereits mit Mehrkosten von mindestens 37 Millionen Euro jährlich.

Für Keith Cormier geht es aber gar nicht ums Geld. Er schlägt die Trommel und nimmt an Pow-Wows teil. „Für mich hat sich eine völlig neue Welt aufgetan.“ (Bernadette Calonego aus Vancouver/DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2011)

http://derstandard.at/1322531761540/Das-grosse-Pow-Wow-auf-Neufundland

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