Die Arbeitslosenquote in den USA ist auf 8,6% gefallen. Dies ist der niedrigste Wert seit über zweieinhalb Jahren.Präsident Obama kann sich endlich über bessere Arbeitsmarktdaten freuen.

3. Dezember 2011, Neue Zürcher Zeitung
Erholung in den USA festigt sich
Die Arbeitslosenquote sinkt im November auf 8,6 Prozent
Die Arbeitslosenquote in den USA ist auf 8,6% gefallen. Dies ist der niedrigste Wert seit über zweieinhalb Jahren. Damit hat die US-Notenbank wenig Anlass, die Geldpolitik an ihrer nächsten Sitzung weiter zu lockern.

Christoph Eisenring, Washington

Die guten Meldungen von der amerikanischen Wirtschaft halten an. So ist die Arbeitslosenquote in den USA im November von 9% im Vormonat auf 8,6% zurückgegangen. Dies ist der niedrigste Wert seit März 2009. Zwar lassen sich auch Schwachpunkte ausmachen, aber alles in allem deuten die jüngsten Daten aus Amerika auf eine Festigung der Erholung hin. Da sich die Wirtschaft in die richtige Richtung bewegt, gibt es für die amerikanische Notenbank kaum Anlass, die Geldpolitik an ihrer nächsten Sitzung in zehn Tagen weiter zu lockern und erneut in grossem Stil Staatsanleihen zu kaufen. Vielmehr dürfte sie zunächst einmal abwarten, ob sich die guten Zahlen in den kommenden Wochen bestätigen.
Haushaltsbefragung im Fokus

Üblicherweise findet die Zahl der geschaffenen Stellen in den USA mehr Aufmerksamkeit als die Arbeitslosenquote. Dies hat damit zu tun, dass die Umfrage unter den Firmen präzisere Schätzungen zulässt als diejenige unter den Haushalten. So reicht bereits eine Veränderung um 100 000 Stellen, um von statistischer Signifikanz zu sprechen. Im November wurden bei den privaten Firmen 140 000 Stellen geschaffen. Da die öffentliche Hand Jobs abbaute, resultierte per saldo ein Plus von 120 000. Dies ist kein Grund zur Euphorie, da es gerade etwa dieses Wachstum braucht, um die monatlich neu auf den Markt kommenden Arbeitskräfte zu absorbieren. Optimistisch stimmt zugleich, dass das Arbeitsministerium die Zahlen der beiden Vormonate zusammen um 72 000 Stellen nach oben revidiert hat. Insgesamt haben die Firmen in den letzten 21 Monaten 2,9 Mio. Stellen geschaffen. In der Rezession gingen allerdings rund 8,5 Mio. Jobs verloren – es bleibt also noch ein langer Weg.
600 000 Arbeitslose weniger

Eine positive Überraschung brachte die Umfrage unter den Haushalten, aus der die Arbeitslosenquote berechnet wird. Niemand hatte damit gerechnet, dass diese um 0,4 Prozentpunkte zurückgehen würde. Die Zahlen dieser Umfrage zeichneten indessen bereits seit mehreren Monaten ein positives Bild. So nahm die Beschäftigung in den letzten vier Monaten im Schnitt um 321 000 zu. Dieser Trend hat sich nun auch in einer abnehmenden Quote niedergeschlagen. Der Unterschied zur Umfrage unter den Firmen ist zum Beispiel, dass auch Selbständigerwerbende und Farmer berücksichtigt werden. Längerfristig laufen die Resultate beider Enquêten jedoch parallel.

Es wäre jedoch Wunschdenken, zu erwarten, mit der Verbesserung ginge es in diesem Stile weiter. Hinter dem Rückgang der Arbeitslosenquote stecken nämlich eine gute und eine schlechte Nachricht: So ist diese zu gleichen Teilen auf eine steigende Beschäftigung und auf einen Rückzug von Personen aus dem Arbeitsmarkt zurückzuführen. Insgesamt ging die Zahl der Arbeitslosen im November um 600 000 auf 13,3 Mio. zurück. In einer gesunden, stark wachsenden Wirtschaft würde man erwarten, dass sich mehr Personen auf den Arbeitsmarkt wagen. Derzeit machen 64% der arbeitsfähigen Bevölkerung am Arbeitsmarkt mit – hier zeigt sich kein Aufwärtstrend. Vor der Rezession hatte die Quote bei 66% gelegen.

Auch ist die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit mit 41 Wochen sogar leicht gestiegen. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie in der letzten grossen Rezession in den achtziger Jahren. Dies spiegelt die Tiefe der jüngsten Krise. So liegt etwa der Bausektor immer noch darnieder, während er in früheren Aufschwungphasen eine wichtige Stütze war. Ein weiterer Grund für die lange Dauer der Arbeitslosigkeit dürfte darin bestehen, dass die Bezugszeit von Arbeitslosengeld mehrfach auf maximal 99 Wochen erhöht wurde, während es in «normalen» Zeiten 26 Wochen sind. Wird länger Arbeitslosengeld bezahlt, verringert dies tendenziell die Motivation, den erstbesten Job anzunehmen. Die Verlängerung läuft Ende Dezember aus. Präsident Obama will sie beibehalten. Im Kongress ist jedoch die Gegenfinanzierung umstritten. So wollen die Demokraten dafür die Reichen stärker belasten, während die Republikaner die Mehrausgaben andernorts im Staatshaushalt einsparen wollen.

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