Ein Baustein für eine gleichberechigte Welt? Lateinamerikanische und karibische Länder gründen die CELAC – Partner, Gegengewicht oder Ersatz für die von den USA dominierte OAS?

Gründungsgipfel der CELAC in Caracas

Amerika-Allianz ohne die USA und Kanada

Die Länder Lateinamerikas und der Karibik üben den Schulterschluss – ohne die USA und Kanada. Bei einem historischen Gipfel in Venezuela wurde der Staatenbund CELAC gegründet – eine Art Gegenmodell zur Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), in der die USA großen Einfluss haben.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Venezuelas Präsident Hugo Chavez genoss seinen Auftritt zum Beginn des Gipfels sichtlich. Jeden einzelnen Staats- und Regierungschef auf dem Podium in Caracas begrüßte er. Und fast alle sind gekommen aus den 33 Ländern mit gut 500 Millionen Einwohnern. Das Bündnis CELAC soll der Weltregion Lateinamerika und Karibik mehr Gewicht verleihen.

Die Erwartungen sind bei manchen groß, etwa bei Kubas sozialistischem Staatschef Raul Castro: „Zum ersten Mal in der Geschichte werden wir eine Organisation unseres Amerikas haben. Wenn sie erfolgreich ist, kann man dies als das größte Ereignis der letzten 200 Jahre betrachten.“

Die 33 Staats- und Regierungschefs beim CELAC-Gründungsgipfel in Venezuela (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes Die 33 Staats- und Regierungschefs beim CELAC-Gründungsgipfel in Venezuela

Die CELAC – eine Art Gegenmodell zur seit langem bestehenden Organisation Amerikanischer Staaten OAS. Dort haben die USA großen Einfluss und 1962 den Ausschluss Kubas aus der Organisation durchgesetzt. Nun sind die Vereinigten Staaten außen vor beim Bündnis CELAC, ebenso wie Kanada.

Audio: Gründungsgipfel der CELAC in Caracas

AudioMartin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko City03.12.2011 06:50 | 3’07

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Chavez: CELAC gegen OAS

Und wenn es nach Venezuelas Präsident Chavez geht, soll die neue Organisation die OAS absehbar ersetzen. Der linksgerichtete Politiker propagiert seit langem die Einheit Lateinamerikas und versucht die Region gegen die USA in Stellung zu bringen. Chavez sieht die CELAC nun als ersten Schritt: „Wir legen hier den Grundstein der Einheit. Lasst uns voranschreiten für die Entwicklung Lateinamerikas. Nur die Einheit macht uns frei und unabhängig.“

Unklar ist allerdings, wie weit die neue Einigkeit reicht. Chavez weiß verbündete Länder wie Nicaragua, Bolivien oder Kuba zwar hinter sich. Die rechtsgerichteten Präsidenten Mexikos, Chiles oder Kolumbiens stehen dem Comandante aus Caracas aber äußert distanziert gegenüber, auch wenn sie ebenfalls eine verstärkte Zusammenarbeit in der Region anstreben. Und der Wirtschaftsriese Brasilien beansprucht seit langem eine Führungsrolle für sich, schon wegen der schieren Größe des Landes.

Lateinamerika voller verschiedener Interessen

Hugo Chavez und Cristina Fernandez (Foto: dapd) Großansicht des Bildes Argentiniens Präsidentin Ferneandes und Venezuelas Präsident Chavez Der politische Analyst Carlos Alberto Montaner hat daher Zweifel, dass die CELAC tatsächlich sehr viel Gewicht haben kann: „Ich glaube, die OAS wird noch lange bestehen, die CELAC kann nicht an ihre Stelle treten. In Lateinamerika gibt es Blöcke. Mexiko oder Kolumbien haben ganz andere Positionen als etwa Venezuela und Kuba. Es gibt keine gemeinsame Vision. Und nur wenige Länder sind bereit, Venezuela und Hugo Chavez eine Führungsrolle zuzusprechen.“

Diplomatisch reagierte der Chef der OAS, Jose Miguel Insulza. Er begrüßte die Gründung des neuen Bündnisses. Die CELAC werde den Dialog in der Region bereichern.

Eigentlich hätte der Gründungsgipfel bereits im Juli stattfinden sollen. Damals wurde er aber abgesagt, weil Venezuelas Staatschef Chavez kurz zuvor an Krebs erkrankt war. Nun sieht sich der Comandante wieder gestärkt – sowohl gesundheitlich als auch politisch.

 

http://www.tagesschau.de/ausland/celac102.html

 

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