José Graziano da Silva, einer der brasilianischen Architekten des erfolgreichen Programms „Null-Hunger“ wird der neue Direktor der Welt-Ernährungsorganisation (FAO): „Während der grossen Krisen mangelte es nie an Nahrungsmitteln, doch konnten sich viele diese nicht kaufen. Immer bedeutender werden Geldtransfer-Programme, die armen Familien ermöglichen, lokal Nahrungsmittel zu kaufen. Der Nährwert der meisten Fertigprodukte steht oftmals in keinem Verhältnis zum Energieverbrauch für deren Herstellung. So ist es auch beim Fleisch, dessen Produktion Unmengen von Getreide und Wasser benötigt. Die Zukunft liegt im Konsum von frischen und lokal produzierten Lebensmitteln und in einer ausgewogenen Ernährung.“

«Brasilien hat nichts Neues erfunden»
Der angehende FAO-Direktor José Graziano da Silva über die Bekämpfung des Hungers
José Graziano da Silva gilt als einer der Architekten des Programms Fome Zero. Ab Januar wird der Brasilianer die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Uno leiten.

José Graziano da Silva, die Erdbevölkerung hat die Grenze von 7 Milliarden überschritten. Pessimisten befürchten einen Nahrungsmittel-Kollaps.
Die Kapazitäten reichen für 7 Milliarden Menschen aus. Die Frage ist, wie wir die Nahrungsmittelproduktion erhöhen, ohne dabei die Umwelt zu zerstören. Immer wichtiger werden in dieser Frage die Erfahrungen der Schwellenländer. In Argentinien zum Beispiel werden heute bereits 90 Prozent allen Getreides mit einer Technik angebaut, die auf das Pflügen verzichtet. Beispiele wie dieses stimmen mich zuversichtlich, dass mit neuen Technologien die Verlängerung der «grünen Revolution» in der Landwirtschaft möglich ist.
Ernährt ist die Welt damit noch nicht.
Das grosse Problem liegt im Zugang. Während der grossen Krisen mangelte es nie an Nahrungsmitteln, doch konnten sich viele diese nicht kaufen. Glücklicherweise ist sich die Welt zusehends einig darin, dass jedem Menschen ein Minimum an Nahrungsmitteln garantiert sein sollte. Immer bedeutender werden Geldtransfer-Programme, die armen Familien ermöglichen, lokal Nahrungsmittel zu kaufen.
Welches Herausforderung birgt der Vormarsch der grossen Schwellenländer?
Die Schwellenländer dürfen hinsichtlich ihres Konsums nicht dem Beispiel der Industrieländer folgen. Der Nährwert der meisten Fertigprodukte steht oftmals in keinem Verhältnis zum Energieverbrauch für deren Herstellung. So ist es auch beim Fleisch, dessen Produktion Unmengen von Getreide und Wasser benötigt. Die Zukunft liegt im Konsum von frischen und lokal produzierten Lebensmitteln und in einer ausgewogenen Ernährung.
Haben die internationalen Organisationen beim Erreichen des Milleniumsziels, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, versagt?
Den grössten Fehler sehe ich darin, dass sich die internationale Gemeinschaft nicht verbindlicher zur Umsetzung der Ziele verpflichtet hat. Von den reichen Ländern müsste mehr Engagement kommen, stattdessen geht die internationale Hilfe zurück. Andererseits sollten sich die internationalen Organisationen stärker auf die Entwicklungsziele fokussieren.
Lässt sich das Modell Fome Zero globalisieren?
Nach seiner Wahl 2002 setzte sich Präsident Lula da Silva nicht die Halbierung, sondern die Ausrottung des Hungers in Brasilien zum Ziel. Die Verpflichtung der Regierung war damit viel grösser. Dieser politische Wille kann globalisiert werden. Was die spezifischen Programme zur Hunger- und Armutsbekämpfung angeht, so hat Brasilien im Grunde nichts Neues erfunden, sondern lediglich die bestehenden Programme und Erfahrungen auf lokaler Ebene geschickt zu einem nationalen Plan zusammengefügt. Fome Zero kann nicht auf andere Länder übertragen werden, das Vorgehen Brasiliens jedoch schon.
Und als Direktor der FAO werden Sie wohl genau das tun?
Das ist die grosse Herausforderung. Der FAO mangelt es nicht an Kompetenz. Wir sind heute in 140 Ländern vertreten und erreichen 95 Prozent der an Hunger und Armut leidenden Menschen. Wenn es der FAO gelingt, die Erfahrungen aller Länder mit dem politischen Willen der Regierungen und den internationalen und lokalen Ressourcen zu vereinen, werden wir die Entwicklungsziele bis 2015 nicht nur erreichen, sondern übertreffen.

Grenzen der Weltbevölkerung

zz. ⋅ Kürzlich hat die Uno erklärt, dass die Weltbevölkerung die Schwelle von 7 Milliarden Menschen überschritten hat. Demografen erwarten eine Stabilisierung erst um die Mitte des laufenden Jahrhunderts bei über 9 Milliarden. Wird die Erde dieses Wachstum verkraften können? Einzelne Staaten und Gesellschaften stellen sich ganz unterschiedlich auf die Zunahme – oder das Schrumpfen – der Bevölkerung ein. In lockerer Folge berichten unsere Korrespondenten über Probleme und Chancen des Bevölkerungswachstums.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/brasilien_hat_nichts_neues_erfunden_1.13497936.html

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