„Oberstaatsanwalt verhinderte 1999, dass das Mördertrio auftauchen konnte: Sie werden bald eh gefasst!“ Der mutmaßliche Terrorhelfer Holger G. aus Niedersachsen machte „hilfreiche“ Angaben!

Deutsches Neonazi-Trio sollte aus Untergrund geholt werden
03. Dezember 2011 12:28
Mutmaßlicher Helfer Holger G. sagt aus

Berlin – Der Thüringer Verfassungsschutz wollte das Neonazi-Trio Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos offenbar mit einem Ausstiegsangebot aus dem Untergrund holen. Diesen Plan habe es 1999, also ein Jahr nach dem Untertauchen des Trios gegeben, sagte der damalige Verteidiger Böhnhardts, Gerd Thaut, dem deutschen Nachrichtenmagazin „Focus“ laut Vorausbericht vom Samstag. Das Vorhaben sei aber am Veto der Staatsanwaltschaft gescheitert. Der Zwickauer Neonazi-Zelle werden zehn Morde zur Last gelegt.

Dem Bericht zufolge kontaktierte ein Mitarbeiter des Thüringer Verfassungsschutzes im März 1999 Thauts Kanzlei und erklärte, er wolle den 1998 untergetauchten Bombenbauern helfen, in die Legalität zurückzukehren. Würden sich die drei freiwillig stellen, könnten sie mit einer milderen Strafe rechnen. So würde man sie nicht wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung belangen, sondern nur wegen Sprengstoffbesitzes.

Als die Einzelheiten des Deals mit der Staatsanwaltschaft in Gera aber besprochen werden sollten, habe der damalige Oberstaatsanwalt Arndt Peter Koeppen abgeblockt, sagte Thaut dem Magazin. Der Behördenchef habe erklärt, die untergetauchten Extremisten würden bald gefasst. An einer organisierten Rückkehr durch einen Strafmilderungsdeal habe seine Behörde kein Interesse.

Der mutmaßliche Terrorhelfer Holger G. aus Niedersachsen ließ sich dem Bericht zufolge unterdessen umfänglich zu den Vorwürfen gegen ihn ein. Er soll dem Neonazi-Trio seine Papiere überlassen haben. Ein Ermittler sagte dem „Focus“, die Angaben seien „äußerst hilfreich“. Der 37-Jährige soll andere Unterstützer der Zelle belastet haben, darunter offenbar auch den mittlerweile inhaftierten Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben.

Wohlleben soll die Neonazis unterstützt und ihnen eine Waffe und Munition beschafft haben. Weitere Verbindungen zwischen der Zwickauer Zelle und der NPD könnten ein neues NPD-Verbotsverfahren erleichtern. Ein derartiges Verfahren war 2003 gescheitert, weil nach Ansicht des deutschen Verfassungsgerichts zu viele V-Leute in der Partei tätig waren. (APA)

http://derstandard.at/1322872824881/Focus-berichtet-Deutsches-Neonazi-Trio-sollte-aus-Untergrund-geholt-werden

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