Zwickauer Neonazi-Zelle: Beate Zschäpe wird womöglich für immer schweigen

Zwickauer Neonazi-ZelleBeate Zschäpe wird womöglich für immer schweigen

Samstag, 03.12.2011, 09:43

BKA fahndet nach Rechtsterroristen

dapd Fahndungsbild der mutmaßlichen Terorristin Beate Zschäpe
Die mutmaßliche Terroristin Beate Zschäpe könnte viele Rätsel um die Zwickauer Zelle mit ihrer Aussage lösen. Doch ein Geständnis wird es nach FOCUS-Informationen so schnell nicht geben.
Die Verteidiger der mutmaßlichen Terroristin Beate Zschäpe zerstören nach FOCUS-Informationen Hoffungen auf eine baldige Aussage ihrer Mandantin. Rechtsanwalt Wolfgang Stahl sagte: „Es steht noch nicht fest, ob Frau Zschäpe zu irgendeinem Zeitpunkt überhaupt Angaben zur Sache machen wird.“ Dies hänge auch damit zusammen, dass nur unzureichend Akteneinsicht gewährt worden sei. „Wir haben bislang nur 120 Seiten erhalten, das ist so gut wie nichts“, sagte Stahl FOCUS.

Sein Mitverteidiger Wolfgang Heer erklärte, aus den Akten lasse sich nicht hinreichend erschließen, worauf die Ermittlungsbehörden den dringenden Tatverdacht hinsichtlich der Bildung einer terroristischen Vereinigung gegen Zschäpe stützen. Solange ihnen die Grundlagen der Vorwürfe nicht bekannt seien, könnten sie ihre Mandantin nicht dazu befragen. Mit Unverständnis reagierten die Verteidiger in FOCUS auf die Bekanntgabe von Ermittlungsdetails durch die Bundesanwaltschaft, die der Verteidigung bislang nicht zugänglich seien. „Das widerspricht aus unserer Sicht dem Grundsatz des fairen Verfahrens“, sagte Heer. Sollte Zschäpe je aussagen, drohen ihr trotz Kronzeugenregelung mindestens zehn Jahre Haft.

1999 sollten die Neonazis aus dem Untergrund

Der Thüringer Verfassungsschutz wollte die Rechtsradikalen Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ein Jahr nach ihrer Flucht mit einem „Ausstiegsangebot“ aus dem Untergrund holen. Das sagte der damalige Verteidiger Böhnhardts, Gerd Thaut, FOCUS. Der Deal sei jedoch am Veto des damaligen Oberstaatsanwalts von Gera, Arndt Peter Koeppen, gescheitert.

Thaut zufolge kam im März 1999 ein Mitarbeiter des Thüringer Verfassungsschutzes in seine Kanzlei, angeblich im Auftrag seines Chefs Helmut Roewer. Der Mann habe erklärt, er wolle den 1998 untergetauchten Bombenbauern helfen, in die Legalität zurückzukehren. Würden sich die drei freiwillig stellen, könnten sie mit einer milderen Strafe rechnen. So würde man sie nicht wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung belangen, sondern nur wegen Sprengstoffbesitzes, schilderte Thaut das Gespräch. Er übermittelte das Angebot der Mutter Böhnhardts, die einverstanden gewesen sei. „Sie wollte nicht, dass ihr Sohn weiter in der rechtsradikalen Szene aktiv ist.“

Oberstaatsanwalt hat kein Interesse an Deal

Als er bei der Staatsanwaltschaft in Gera Einzelheiten der Strafmilderung besprechen wollte, habe der Behördenchef geblockt, sagte Thaut FOCUS. Oberstaatsanwalt Koeppen habe erklärt, die untergetauchten Extremisten würden bald gefasst. An einer organisierten Rückkehr durch einen Strafmilderungsdeal habe seine Behörde kein Interesse.

Der mutmaßliche Terrorhelfer Holger G. aus Niedersachsen ließ sich unterdessen FOCUS zufolge umfänglich zu den Vorwürfen gegen ihn ein. Er soll dem Trio seine Papiere überlassen haben. Ein Ermittler sagte FOCUS, die Angaben seien „äußerst hilfreich“. Der 37-Jährige soll Unterstützer der Zelle belastet haben, darunter offenbar auch den mittlerweile inhaftierten Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben.

Zwickauer Neonazi-Zelle: Beate Zschäpe wird womöglich für immer schweigen – weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/politik/deutschland/nazi-terror/zwickauer-neonazi-zelle-beate-zschaepe-wird-womoeglich-fuer-immer-schweigen_aid_690302.html

 

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