Beginn der Weltaidskonferenz: 34 Millionen Infizierte – Sieben Millionen Aids-Kranke haben nach wie vor keinen Zugang zu Therapien – 30 MillionenMenschen sind schon gestorben: Globaler Fonds zur Finanzierung der Medikamente in den armen Ländern droht der Verlust von Geldern aufgrund der Finanzkrise in den Industrieländern – auch in den Industrieländern werden Aidskranke oft noch diskriminiert

4. Dezember 2011, 11:27, NZZ Online

Aids-Konferenz in Addis Abeba hat begonnen

Bangen um finanzielle Mittel zur Aidsbekämpfung

Fast genau 30 Jahre nach der Entdeckung der HI-Viren hat am Sonntag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba die 16. Internationale Konferenz zu Aids und sexuell übertragbaren Infektionen in Afrika (ICASA) begonnen.

Die Veranstaltung steht im Zeichen der europäischen Finanzkrise und der Befürchtung, dass die Geberländer ihre Mittel für die HIV/Aids-Bekämpfung weiter zurückschrauben könnten. Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (GF) hatte kürzlich angekündigt, die nächste Projektfinanzierungsrunde zu streichen.

Nun geht in vielen afrikanischen Ländern die Angst um, dass es künftig nicht mehr genügend Medikamente für HIV-Patienten geben könnte. Der Fonds, der zuletzt 70 Prozent der in Afrika verteilten antiretroviralen Medikamente bezahlt hatte, steckt wegen ausbleibender Mittel der Industriestaaten in grossen finanziellen Schwierigkeiten.

Zu der fünftägigen Konferenz wurden mindestens 5000 Delegierte erwartet. Es ist die grösste internationale Veranstaltung, die das Land am Horn von Afrika je organisiert hat. Insgesamt sind mehr als 1000 verschiedene Sitzungen geplant. Etwa 68 Prozent der weltweit 34 Millionen HIV-Infizierten leben in Subsahara-Afrika.

Bilderstrecke: Welt-Aids-Tag

Knapp 30 Millionen Menschen sind bisher weltweit an den Folgen von Aids gestorben. Die ersten Fälle wurden vor 30 Jahren in den USA identifiziert. Seit dem 1. Dezember 1981 gilt die Immunschwäche offiziell als Krankheit. Aids ist bis heute unheilbar, kann jedoch, im Gegensatz zu früher, mit (teuren) Medikamenten in Schach gehalten werden.

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1. Dezember 2011, 11:50, NZZ Online

Aids ist noch lange nicht besiegt

Am Welt-Aids-Tag wird an die weiter bestehende Pandemie erinnert

Krankenschwestern formieren sich mit roten Bannern zu einer gigantischen Aids-Schleife. Yangzhou, China, 29. November 2011. (Bild: Reuters)ZoomKrankenschwestern formieren sich mit roten Bannern zu einer gigantischen Aids-Schleife. Yangzhou, China, 29. November 2011. (Bild: Reuters)

An Aids erkrankte Menschen haben heute gute Möglichkeiten, ihre Lebenserwartung zu verlängern. Trotzdem stecken sich weltweit noch jedes Jahr 2,7 Millionen Menschen mit der gefährlichen Immunschwächekrankheit an. In der Schweiz hat die Diskrimierung von HIV-Positiven zugenommen.

Von Alexandra Kohler

Die Zahl der Neuinfizierten mit dem HI-Virus ist weltweit zurückgegangen. Das teilt Unaids, eine Unterorganisation der Vereinten Nationen (Uno), mit. Trotzdem haben sich im Jahr 2010 immer noch 2,7 Millionen Menschen neu mit dem Virus angesteckt. 34 Millionen Menschen tragen heute das HI-Virus in ihrem Körper, so eine Schätzung der Uno.

Am 1. Dezember rufen Organisationen auf der ganzen Welt zur Solidarität gegenüber HIV-Infizierten, Aids-Kranken und deren Angehörigen auf. In diesem Jahr wird unter dem Motto «Positiv zusammen leben – Aber sicher!» daran erinnert, dass die Pandemie des gefährlichen Immunschwächevirus weiter besteht.

47 Prozent haben Zugang zur Therapie

Wer am gefährlichen HI-Virus erkrankt ist, ist heute zwar nicht mehr dem Tode geweiht. Von den weltweit 14,2 Millionen Aids-Kranken, die für eine Therapie berechtigt sind, hatten im Jahr 2010 6,6 Millionen Menschen Zugang zur Behandlung, wie Unaids mitteilt. Dies ist laut Unaids ein Anstieg von über einer Millionen Menschen seit 2009. Es sei ein Fortschritt, aber Ziel sei, Prävention und Heilung der Krankheit noch weiter voranzutreiben.

Bilderstrecke: Welt-Aids-Tag

Knapp 30 Millionen Menschen sind bisher weltweit an den Folgen von Aids gestorben. Die ersten Fälle wurden vor 30 Jahren in den USA identifiziert. Seit dem 1. Dezember 1981 gilt die Immunschwäche offiziell als Krankheit. Aids ist bis heute unheilbar, kann jedoch, im Gegensatz zu früher, mit (teuren) Medikamenten in Schach gehalten werden.

Die Zahl der Neuerkrankungen ist seit einem Jahrzehnt rückläufig. Seit dem Jahr 1999, das als Höhepunkt der Pandemie verstanden wird, sind die Neuinfektionen um 19 Prozent gesunken.

Am 1. Dezember 1981 wurde Aids offiziell als Immunschwächekrankheit anerkannt. Die World Health Organization (WHO) führte 1988 am 1. Dezember den Welt-Aids-Tag ein. Seit 1996 wird der Tag von Unaids organisiert.

Südliches Afrika immer noch am meisten betroffen

Zwei Drittel aller HIV-Infizierten oder Aids-Kranken leben im südlichen Afrika. In 22 südafrikanischen Ländern aber ist die Zahl der Neuinfizierten aber um ein Viertel gesunken. Auch in Asien sind die Neuinfektionen zurückgegangen. Dafür steigt die Zahl der Infizierten in einigen osteuropäischen Ländern und in Zentralasien dramatisch an. Vorallem zu Osteuropa gibt die Unaids alarmierende Zahlen bekannt: In Ungarn, Tschechien, Litauen, Solwenien und der Slowakei hat sich die Zahl der Neuinfizierten zwischen 2000 und 2009 verdoppelt.

In Osteuropa und Zentralasien begann sich die Krankheit erst in den 90er Jahren auszubreiten. Ende 2009 lebten 1,4 Millionen Menschen dort mit dem Virus – die Zahl hat sich seit 2000 verdreifacht. Laut Unaids stecken sich immer mehr Menschen über den heterosexuellen Weg an: 42 Prozent waren es im Jahr 2007. In den 90er Jahren hatte die Drogeninjektion als Übertragungsgrund überwogen.

Im südlichen Afrika liegt die Rate der HIV-Infizierten in vielen Ländern bei 15 bis 50 Prozent.  (Bild: Stepmap)Zoom

Im südlichen Afrika liegt die Rate der HIV-Infizierten in vielen Ländern bei 15 bis 50 Prozent.(Bild: Stepmap)

600 bis 700 Neuansteckungen jährlich in der Schweiz

Auch in den westeuropäischen Ländern steigt die Zahl der HIV-Infizierten, dies liege aber vor allem – genau wie in Osteuropa – an lebensverlägernden Effekten der neuen antiretroviralen Therapien, so Unaids. Vermutet wird , dass sich die Menschen wieder weniger vor Aids schützen, weil Aids kein Todesurteil mehr ist, seit es die antiretroviralen Therapien gibt.

In der Schweiz leben heute ungefähr 25’000 Menschen mit HIV oder Aids, wie die Aids Hilfe Schweiz mitteilt. Dank der erhältlichen Medikamente haben die Menschen eine gute Lebenserwartung. Seit 2000 war die Zahl der Neuinfizierten stabil, stieg Anfang der 2000er Jahre an und hat sich seit 2 Jahren auf 600 bis 700 eingependelt.

Nach Angaben von Bettina Maeschli von der Aids-Hilfe Schweiz ist es beunruhigend, dass die Zahl der Neuinfektionen in der Schweiz trotz grosser medizinischer und präventiver Fortschritte nicht sinkt. Seit ein paar Jahren habe der Anteil der derer, die sich auf dem heterosexuellen Weg anstecken, zwar abgenommen. Dafür steige die Zahl der homosexuellen Männer, die sich neu infizieren.

Die Immunschwächekrankheit Aids

koa./(ddp) 1981 sterben in den USA immer mehr Männer an einer mysteriösen Krankheit, die das Immunsystem ausschaltet. 1982 wird die Krankheit Acquired Immunce Deficiency (Aids) genannt. 1983 finden französische Forscher das gefährliche Virus, das später den Namen Human Immundeficiency Virus (HIV) erhält. Auch in Europa treten häufiger Aidsfälle auf. Der erste HIV-Antikörpertest wird 1984 vorgestellt und drei Jahre später erhält das erste Aids-Medikament die Zulassung. Erstmals kann der Verlauf der tödlichen Krankheit verlangsamt werden. 1988 führt die WHO den Welt-Aids-Tag ein. Von 1996 bis 2003 werden immer mehr Aids-Medikamente entwickelt. 2003 kommen sogenannte Fusionshemmer auf den Markt. Heute werden Aids-Kranke mit einer Kombinationstherapie aus verschieden antiretroviralen – Virus hemmenden – Wirkstoffen behandelt. Eine Heilung der Krankheit ist jedoch nicht möglich, da die HI-Viren nie vollständig aus dem Körper entfernt werden können. 2011 ist laut Unaids die Zahl der Neuinfektionen zurückgegangen. Trotzdem leben heute 34 Millionen Menschen mit dem Virus, über sieben Millionen Infizierte haben keinen Zugang zu Therapien.

HIV-Positive werden diskriminiert

Besorgniserregend findet Maeschli vor allem den Anstieg der Diskriminierungen von HIV-Infizierten oder Aids-Kranken in der Schweiz. In den letzten 12 Monaten seien 84 Meldungen über Diskriminierungen bei der Aids-Hilfe eingetroffen. «Das ist nur die Spitze des Eisbergs», sagt Maeschli. Die Diskriminierungen finden vermehrt am Arbeitsplatz statt. HIV-Positive laufen Gefahr, gemobbt zu werden oder sogar ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn ihre Krankheit ans Licht kommt.

Deshalb hat die Aids-Hilfe Schweiz eine Kampagne zum Thema HIV und Arbeitlanciert. Am diesjährigen Welt-Aids-Tag gehe es darum, so Maeschli, auf die Ausgrenzungen von HIV-Positiven am Arbeitsplatz aufmerksam zu machen. Problem sei vor allem, dass der Rechtsschutz in der Schweiz nicht zur Bekämfung des Problems reiche. Die Einführung eines Antidiskriminierungsgesetzes nach Vorbild der EU-Länder würde hier Abhilfe schaffen.

Video zum Weltaidstag

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/aids_ist_noch_lange_nicht_bekaempft_1.13477234.html

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