Rassistische Schoko-Bananen-Drink-Affäre

Rassistische Schoko-Bananen-Drink-Affäre

Bis heute wird die Werbung für den französischen Schoko-Banane-Drink „Banania“ persifliert – im Bild mit Präsident Nicolas Sarkozy.

Wie man in Frankreich und den USA die Lebensmittelwerbung entrümpelte

In der beliebten, unregelmäßigen Reihe von Berichten über Rassismus in der Sprache oder in der Werbung geht es diese Woche um Beispiele aus dem Ausland. Dort macht sich, wie inzwischen auch in Österreich, so manche/r Gedanken über die gesellschaftliche Wirkung, die von Ausdrücken, Logos oder Bildern ausgeht, welche rassistische Klischees von früher wiedergeben.

Zum Beispiel in Frankreich, wo seit 1914 ganze Kinder-Generationen mit dem Schoko-Banane-Drink „Banania“ aufgewachsen sind, auf dessen Verpackung ein lächelnder Schwarzer zu sehen war, mit einem Löffel in der Hand. Von dem Getränk ist er laut Logo ganz offensichtlich angetan, denn es wurde ihm der Satz „Y‘ a bon“ in dem Mund gelegt, der in ganz Frankreich als Werbeslogan wohl bekannt war.

Pidgin-Französisch

„Y’a bon“ heißt „Das ist gut“ – in Pidgin-Französisch, einer Sprache, die Schwarze früher in Regionen (vor allem) Afrikas und Südamerikas, die von Frankreich kolonisiert waren, sprachen. Als Zitat, das weiße Rassisten gern als Beleg für die angeblich größere Dummheit Schwarzer im Vergleich zu ihnen, den Weißen, heranziehen, hat sich dieser Duktus erhalten. Spätestens seit den 1990er-Jahren war der Slogan den vielen schwarzen Franzosen und in Frankreich lebenden schwarzen Nicht-Franzosen ein Dorn im Auge. Er wird bis heute persifliert – wie man an der Illustration links sieht, bis in die Sarkozy-Ära hinein.

2006 traf das „collectif des Antillais, Guyanais et Réunionnais“ (Collectif Dom, das Einwanderer von den Antillen, aus Guyana und Reunion zusammenfasst) mit der „Banania“-Anbieterfirma, Nutrimaine, eine Vereinbarung. Das Unternehmen verpflichtete sich, eine neue, nicht rassistische Marketinglinie zu entwickeln. Das geschah auch – doch so ganz wollte die Firma auf den offenbar immer noch verkaufsfördernden Effekt des eingeführten „Y’a bon“- Logos nicht verzichten. Häferln, Tabletts, ja ein Thermometer mit dem grinsenden, schwarzen Schokoladedrinkgenießer wurden produziert und im Internet vertrieben.

Bis 2011 das „mouvement contre le racisme et pour l’amitié entre des peuples“ (Wrap, Bewegung gegen den Rassismus und für Freundschaft unter den Völkern) vor einem Versailler Gericht einen Verkaufsstopp für diese Produkte erwirkte. Der Rechtsstreit ist derzeit noch am Laufen.

Kein Rechtsstreit um „Unlce Ben“

Ohne gerichtliche Auseinandersetzung wiederum ging in den USA der Rollentausch einer Werbemarken-Ikone im Nahrungsmittelsektor von statten. „Uncle Ben“, jener freundlich-geduldig lächelnde Schwarze in Diener-Outfit, dessen Abbildung seit 1946 Reispackungen der Marke „Uncle Ben’s“ dekorierte, wurde vom Produktvertreiber, der Firma Mars, bewusst verändert: Aus dem Butler-Bild, das an den amerikanischen Süden mit seiner Sklaven-Vergangenheit erinnerte, wurde Ben, der Unternehmensvorsitzende, ein Mascherl-Träger. Auf einer eigenen Homepage wird er in ganzer Gestalt gezeigt, in einem luxuriösen US-Vorstandsvorsitzendenbüro

„Uncle Ben“ sei ein derart starker Markenträger, dass man auf ihn, trotz zunehmender Kritik der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, nicht habe verzichten wollen, erklärte dies Vincent Howell, Präsident der Nahrungsmittelsabteilung des Mars-Konzerns, Masterfood USA. Derlei Änderungsprozesse sind in einem Land, das inzwischen einen schwarzen Präsidenten hat, eben machbar. Während in Österreich, wo es bisher noch kein einziger dunkelhäutiger Mensch in den Nationalrat geschafft hat, der Meinl-Mohr, Logo der gleichnamigen Supermärkte, Meinl-Mohr geblieben ist: in den vergangenen Jahren wurde er lediglich grafisch reduziert, also abstrakter und etwas unkenntlicher gemacht. (Irene Brickner, derStandard.at, 3.12.2011)

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