Österreich nimmt die Töchter in die Nationalhymne auf, trotz Widerstand von Freiheitlichen und BZÖ. Bisher wurden nur die größen Söhne Österreichs besungen. Sollte jetzt auch die deutschen Natioalhymne geändert werden: „geschwisterlich“ statt „brüderlich“?

Österreich ist jetzt „Heimat großer Töchter“

Seit Mittwoch ist es fix: Jetzt werden auch die Töchter besungen

Regierung beschloss mit den Stimmen der Grünen neuen Text – „Jubelchöre“ ersetzen „Bruderchöre“

Wien – Die „großen Söhne“ müssen sich ihren Ruhm ab Jänner mit den „großen Töchtern“ teilen. Der Nationalrat hat mit den Stimmen von Koalition und Grünen der „Vertöchterung“ der Bundeshymne zugestimmt. Widerstand kam von Freiheitlichen und BZÖ. Die FPÖ wollte zur Textänderung eine Volksabstimmung abhalten, die freiheitliche Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner nannte die Umtextung „kulturlos“. Eine Hymne sei „kein Sprachbasteltext“. Seitens des BZÖ erklärte der Abgeordnete Stefan Petzner die Änderung für unnötig und erwartet, dass der alte Text weitergesungen wird: „Wir singen, was wir wollen.“ Klüger wäre für ihn – wenn schon – gleich eine ganz neue Hymne gewesen. Sein Ausgangspunkt: Rainhard Fendrichs „I am from Austria“.

Ganz anders die Stimmen aus der Koalition: VP-Frauensprecherin Dorothea Schittenhelm, die vor dem Sommer in einer Art Guerilla-Aktion am eigenen Klub vorbei mit Ex-Frauenministerin Maria Rauch-Kallat und den SPÖ- und Grünen Frauen die Änderung initiiert hatte, meinte, wenn eine Hymne Jubel- und Preisgesang sei, dann solle das nicht nur für die Männer, sondern auch für die Frauen gelten. Dass man große Töchter in Österreich habe, sei ja wohl unbestritten.

Weniger Testosteron für bessere Zusammenarbeit

Im schwarzen Klub, der ja dem Ansinnen der eigenen Frauensprecherin anfangs nicht nur Gutes abgewinnen konnte, gab es letztlich keine Gegenstimme. Zu jenen, die die Abstimmung ausließen, gehörten BZÖ-Obmann Josef Bucher und Ex-Sozialministerin Ursula Haubner, die sich in ihrem Redebeitrag entgegen der offiziellen Bündnislinie zumindest nicht explizit negativ zur Umtextung geäußert hatte.

Eindeutig war die Stimmung bei Rot und Grün. SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm nannte die Verankerung der Töchter „richtig und wichtig“. Es sei gut, dass es heute gelinge, auch die „zweite Hälfte der Menschheit“ in die Hymne zu integrieren. Grünen-Frauensprecherin Judith Schwentner verstand die Aufregung nicht nur wegen des einen Wortes „Töchter“. Offenbar hätten die Freiheitlichen und das BZÖ Angst. Dabei glaube sie, dass weniger Testosteron im Hohen Haus zu einer konstruktiveren Zusammenarbeit führen würde.

Zwei Änderungen

Geändert wird der Text der Bundeshymne an zwei Stellen. Statt „Heimat bist du großer Söhne“ wird künftig in Strophe eins „Heimat großer Töchter und Söhne“ gesungen. In der dritten Stufe wiederum werden die „Bruderchöre“ durch „Jubelchöre“ ersetzt. Text und Melodie der Bundeshymne werden damit erstmals auch gesetzlich verankert.

Gelten wird die neue Hymne ab 1.1.2012. Damit haben wohl die österreichischen Skispringer und Skifahrer als erste Gelegenheit, vom Siegerpodest aus den geänderten Text bekannt zu machen. Einen Vorgeschmack gab es schon am Mittwochabend im Nationalrat. Der Piaristenchor intonierte in der Säulenhalle des Parlaments nach dem Beschluss die neue Version, belauscht unter anderem von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Rauch-Kallat.

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