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Armut und Reichtum

Lebenserwartung von Geringverdienern sinktLeben in ständiger Sorge

12.12.2011, 18:58

Von Lena Jakat

Wer im Niedriglohnsektor gearbeitet hat, stirbt früher als ein Besserverdiener. Und noch schlimmer: Die Lebenserwartung von Geringverdienern nimmt ab. Experten sehen die Ursache in Reformen auf dem Arbeitsmarkt und im Gesundheitssektor und fordern eine „offensive Armutspolitik“.

Die Arbeitsmarktreformen des vergangenen Jahrzehnts haben die Lage auf dem Niedriglohnsektor verschärft: Die Zahl der Geringverdiener ist gewachsen, viele reguläre Jobs wurden in Mini-Jobs aufgespalten. Die Gesundheitsreformen führten dazu, dass medizinische Versorgung stärker als bisher vom Einkommen abhängt –  die Praxisgebühr zum Beispiel hält viele Geringverdiener von einem Arztbesuch ab. Das bleibt nicht ohne Wirkung: Zwar steigt die Lebenserwartung konstant an. Geringverdiener in Deutschland leben jedoch heute im Durchschnitt deutlich kürzer als noch vor zehn Jahren. Darauf zumindest verweisen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung.

Die AOK will nun auch Zusatzversicherungen anbieten.Bild vergrößernFür Menschen mit niedrigem Einkommen können schon die zehn Euro Praxisgebühr ein Hindernis sein, das zwischen ihnen und einem Arztbesuch steht. (© ddp)

Langjährig rentenversicherte Männer – also jene, die mindestens 35 Versicherungsjahre vorweisen – und weniger als 75 Prozent des Durchschnittslohns verdienten, wurden 2001 durchschnittlich noch 77,5 Jahre alt. Zehn Jahre später liegt ihre Lebenserwartung fast zwei Jahre darunter. Besonders deutlich ist der Rückgang in den neuen Bundesländern. Männer, die während ihrer Berufstätigkeit weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens erhielten, sterben dort heute 2,6 Jahre früher als noch 2001. Verdienten sie zwischen 50 und 75 Prozent dieser Bezugsgröße, sind es sogar fast vier Jahre.

Diese Zahlen der Deutschen Rentenversicherung stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der Linksfraktion im Deutschen Bundestag. Zwar fielen bundeweit 2010 nur knapp 20.000 Männer in diese Kategorie, der Deutschen Rentenversicherung zufolge eine zu kleine Gruppe, um daraus einen Trend abzuleiten. Doch die Zahlen stützen die Thesen von Experten.

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„Wer arm ist, stirbt früher – daran hat sich im Grunde bis heute nichts geändert“, sagt der Kölner Armutsforscher Christoph Butterwegge. Wer weniger verdient, kann sich private Zuzahlungen zur gesetzlichen medizinischen Versorgung nicht leisten. Wer weniger verdient, kann nicht immer eine schimmelfreie Wohnung mit gesundem Raumklima bezahlen – und er hat häufig weder die Mittel noch das Wissen, sich gesund zu ernähren. Zudem fallen in diese Gruppe Menschen, die jahrzehntelang schwere körperliche Arbeit geleistet und so erhebliche Gesundheitsrisiken angesammelt haben.

Doch woher kommt der Rückgang der Lebenserwartung? Zum einen ist der Niedriglohnsektor seit Ende der neunziger Jahre gewachsen, heute fällt nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mehr als jede fünfte Stelle in diesen Bereich. „Das Normalarbeitsverhältnis ist zunehmend prekären Beschäftigungsverhältnissen gewichen“, sagt der Sozialwissenschaftler Butterwegge. „Durch häufig wechselnde Arbeitgeber und die Zunahme von Leiharbeit steigt der Druck auf die Beschäftigten. Sie leben in ständiger Sorge, morgen schon auf der Straße zu stehen.“

Eine Folge des gestiegenen psychosozialen Stresses sei die Zunahme von chronischen Krankheiten. Außerdem ließen sich Angestellte in prekären Arbeitsverhältnissen seltener behandeln. Das wiederum kann zu Langzeitschäden führen – und die Lebensdauer verkürzen. „Die extreme Spreizung zwischen Arm und Reich hat eine völlig dramatische Zuspitzung erfahren“, kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands.

Außerdem haben die Gesundheitsreformen der letzten Jahre die medizinische Versorgung stärker an das Einkommen der Patienten gekoppelt. Ehemals gesetzliche Leistungen werden nur noch durch private Zusatzversicherungen abgedeckt, die Zuzahlung zu Medikamenten steigt, die Praxisgebühr wirkt als Abschreckung. „Ein Geringverdiener überlegt fünfmal, ob er zum Arzt geht“, sagt Butterwegge. Arbeitsmarkt- und Gesundheitsreformen hätten zu einer gefährlichen Spirale geführt, sagt Schneider, „die drastische Ergebnisse wie die gesunkene Lebenserwartung zeitigt“. Einen „sozialpolitischen GAU“ nennt das Mathias Birkwald, rentenpolitischer Sprecher der Linksfraktion.

Diese Entwicklung habe die Politik „mindestens in Kauf genommen“, sagt Schneider. Auch die Umwandlung von 400-Euro-Jobs zu 450-Euro-Jobs sehen Kritiker wie er als Rückschritt an: Diese Änderung trage eher dazu bei, dass noch mehr normale Jobs in schlechtbezahlte Mini-Jobs umgewandelt werden, die nicht existenzsichernd seien.

Schneider fordert – wie der Armutsexperte Butterwegge – einen gesetzlichen Mindestlohn als Säule einer „offensiven Armutspolitik“. Dazu zählt er neben der materiellen Grundversorgung und einer gerechten Gesundheitspolitik auch eine Arbeitsmarktpolitik, die Perspektiven eröffnet. „Den Menschen muss zumindest die tägliche Existenzangst genommen werden“, sagt Schneider. Denn ohne derartige Sorgen lebt es sich nicht nur leichter, sondern auch länger.

 

http://www.sueddeutsche.de/leben/lebenserwartung-von-geringverdienern-sinkt-dramatische-zuspitzung-der-einkommenskluft-1.1232605

 

Zahlen zur LebenserwartungGeringverdiener leben immer kürzer

12.12.2011, 09:54

Die Deutschen werden immer älter – wenn sie ausreichend Geld zur Verfügung haben. Die Lebenserwartung von Geringverdienern ist nach Angaben der Bundesregierung im vergangenen Jahrzehnt um zwei Jahre gesunken.

Die Lebenserwartung von Geringverdienern ist entgegen dem allgemeinen Trend offenbar gesunken. Wie die Saarbrücker Zeitung berichtet, lag die Lebenserwartung von Arbeitnehmern mit geringem Einkommen 2001 noch bei 77,5 Jahren, im Jahr 2010 aber nur noch bei 75,5 Jahren. Dies gehe aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Große Anfrage der Linksfraktion hervor.

In den neuen Ländern sei der Verlust an Lebensalter bei den Geringverdienern noch drastischer, von 77,9 auf 74,1 Jahre. Der Trend zur Verlängerung der Rentenbezugsdauer gelte demnach nur für Personen mit durchschnittlichem oder überdurchschnittlichem Einkommen.

Zudem ergaben die Auswertungen dem Bericht zufolge, dass der Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten 60- bis 64-Jährigen im vergangenen Jahr nur gering gestiegen sei. Waren im März 2010 etwa 24,9 Prozent dieser Altersgruppe in Beschäftigung, so lag die Quote im März 2011 bei 26,4 Prozent. Vollzeit arbeiteten davon nur 18,7 Prozent, ein Plus von 1,1 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr.

Die Rente erst ab 67 sei nach wie vor nichts anderes als „ein gigantisches Rentenkürzungsprogramm“, sagte der Rentenexperte der Linksfraktion, Matthias Birkwald, dem Blatt. Er kündigte für den kommenden Donnerstag einen Antrag seiner Fraktion im Bundestag an, den für 2012 geplanten Start auszusetzen.

Auch die SPD hatte auf ihrem jüngsten Parteitag beschlossen, dass mit der Anhebung des Renteneintrittsalters nicht begonnen werden dürfe, solange nicht 50 Prozent der Älteren in Beschäftigung seien.

http://www.sueddeutsche.de/leben/zahlen-zur-lebenserwartung-geringverdiener-leben-immer-kuerzer-1.1232208

Land of the free, home of the hungry

Nowhere is the chasm between America’s political class and its working poor more vast than in the demand to cut food stamps

 

US food stamps

US food stamps: Republican lawmakers want to cut the Department of Agriculture’s budget for food stamps by 20%

On Monday afternoon this week, Rachelle Grimmer went into a Department of Health and Human Services in Texas with her two children, Timothy, aged 10, and Ramie, aged 12, and asked for a new case worker who could assist her application for food stamps. She had first applied in July but had been told she hadn’t provided enough information and, by most accounts, had been struggling to get by and get help since she moved from Ohio.

She was taken to a small room, where she pulled a gun, sparking a seven-hour standoff with police. Shortly before midnight, three shots were heard. Rachelle had shot both herself and her kids. Police rushed in to find the mother dead and Ramie and Timothy in critical condition. Earlier that morning, Ramie had posted a Facebook message, saying: „may die 2day“. She actually hung on until Wednesday. Timothy’s condition remains critical.

The tragic unravelling of this particular episode is hardly typical. But the desperation that underpins it is. For, in this period between Thanksgiving and Christmas (when many Americans are worrying about what overindulging will do to their waistline), a significant number is wracked with an entirely different concern: not having enough to eat.

This is no marginal group, no handful of unfortunates and ne’er-do-wells in a time of crisis. Indeed, in one of the wealthiest countries in the world,food insecurity is a common, growing and enduring problem. According to Gallup polling, one in five Americans reported not having enough money to buy food in the past 12 months – the highest level since the month Barack Obama was elected. Around the country, food banks are feeling the pinch of market forces: as poverty climbs, demand is rising and supply is falling as people who would have donated have less left to spare.

An analysis by the New York Times revealed a 17% increase in the number of school students receiving free and reduced lunches across the country between 2006/07 and now. In Rockdale County, east of Atlanta, 63% of students now have subsidised food – up from 46% four years ago.

Between 2008 and 2011, the number of those living on food stamps, assistance to those who lack sufficient money to feed themselves and their families, soared by 50%, putting one American in seven in the programmeCatholic Charities recently revealed that requests for the working poor were up 80% over the second quarter, and up 59% for the middle class.

Similarly, Operation Homefront, a national organisation that feeds the families of military personnel, has seen demand for help double over the last two years. The Washington Post reported that in Fort Hood, Texas, military families stayed up after midnight to register for a free turkey online for Thanksgiving. The 450 birds were gone within an hour. Even as soldiers fight for empire abroad, their families struggle for food at home.

You would think this would be a national disgrace. The land of the free – and the home of the hungry. The sheer scale and intensity of the problem refutes any suggestions of the undeserving poor.

But want has become a term of political abuse, with Newt Gingrich launching his campaign earlier this year by branding Obama „the food stamp president“ and continues to berate him as such. Indeed, behind the partisan posturing over deficit reduction, it is rarely noted that rather than impose taxes on millionaires, Republicans are eager to balance the budget on the stomachs of the hungry.

As editor of the Left Business Observer, Doug Henwood, points out in a recent blog posting, these benefits are not particularly generous. „The average [food stamp] recipient gets $134 a month in assistance, which works out to $4.40 a day. That’s 10% less than the US Department of Agriculture’s „thrifty“ meal budget, and about half its „moderate“ budget. For your average well-fed American, living on a daily ration of less than $5 for food prepared at home would be hard to imagine. But without SNAP benefits, 46 million people would be in a state of anguish rather than just scraping by.“

Yet, this is one area the Republicans are keen to target for cuts. They want to reduce spending on food stamps by around 20%, and in June,voted to slash a different health and nutrition scheme (WIC) for poor pregnant women and children by 10%, which would have denied assistance to around a quarter of a million people.

This will be the primary terrain on which the forthcoming elections will be fought: the needs and aspirations of the working poor. Not so much the destitute – America is always forgetting about them – but the working poor and those who fear descending among them. But for the Democrats to capitalise on these anxieties, they will have to shift the country’s sense of what it takes to be poor and convince them that government has a role in alleviating that condition before desperation kicks in.

You’d think that would be straightforward. But illusions of meritocracy, equal opportunity, class fluidity and social mobility die hard. This a country where, according to a Pew survey in 2008, 91% believe they are either middle-class, upper middle-class or lower middle-class, and a Gallup poll in 2005 showed that while only 2% of Americans described themselves as „rich“, 31% thought it very likely or somewhat likely they would „ever be rich“. Sooner or later, though, reality tends to intrude.

As thousands of people gathered at New Orleans convention centre following Hurricane Katrina, Michael Brown, the hapless head of the disaster relief agency, Fema, was asked why he was not tending to them with shelter and water.

„We’re seeing people that we didn’t know exist,“ he said. This has been the official policy of America’s political class for some time. „This is a special interest group that not many people talk about because they don’t have the wealth to lift a candidate to be president of the United States,“ explained D Jermaine Husser, the former executive director of South Carolina’s Low Country Food Bank.

But there is only so long you can pretend that such a large group of people doesn’t exist, and as the poverty rates grow, more and more people who are likely to vote become ensnared in it. Gallup’s Basic Access Index, which tracks access to basic needs like food, shelter and healthcare or medicines, is at the lowest it’s been since its inception in January 2008. A new measurement of poverty by the Census Bureau, which takes regional cost of living, medical payments and other expenses that do not intrude on the official poverty count, found a third of Americans are either in poverty or desperately close to it.

„These numbers are higher than we anticipated,“ Trudi Renwick, the bureau’s head poverty statistician, told the New York Times recently. „There are more people struggling than the official numbers show.“

Poverty may be relative but hunger is absolute. The third world is alive and struggling in the heart of the first. No one can deny it exists. And those who claim they can’t see it, either refuse to see it for what it is or simply do not want to look.

Archbishop of Canterbury says riots will return unless we reach out to young

UK must rescue those who think they have nothing to lose or face further civil unrest, says Rowan Williams

The archbishop of Canterbury has warned that England risks a repeat of the riots that spread across England this summer unless the government and civil society do more to „rescue those who think they have nothing to lose“.

Warning of „more outbreaks of futile anarchy“, Rowan Williams, called for a renewed effort to reach out to alienated young people during what he described as the „unavoidable austerity ahead“.

In an article for the Guardian, Williams links the disorder spread cross England to the „massive economic hopelessness“ and the prospect of record levels of youth unemployment.

Responding to the findings of the Guardian and London School of Economics research study, based on interviews with 270 rioters, Williams argues: „It isn’t surprising if we see volatile, chaotic and rootless young people letting off their frustration in the kind of destructive frenzy we witnessed in August.“

An overwhelming majority of people interviewed about their involvement in this summer’s riots believe they will be repeated and one in three said they would take part in any future disorder.

Of those rioters questioned for the Reading the Riots study, 81% said they believed the disturbances that spread across England in August would happen again. Two-thirds predicted there would be more riots before the end of 2014.

The research project, which is the only study to involve interviews with hundreds of people who rioted across England, found they were predominantly from the country’s most deprived areas.

The downturn in the economy featured heavily in interviews, with many complaining of falling living standards and worsening employment prospects.

Williams said reading the accounts of rioters in towns and cities across England had given him „enormous sadness“.

Williams writes: „Too many of these young people assume they are not going to have any ordinary, human, respectful relationships with adults – especially those in authority, the police above all. Too many of them inhabit a world in which the obsession with ‚good‘ clothes and accessories – against a backdrop of economic insecurity or simple privation – creates a feverish atmosphere where status falls and rises as suddenly and destructively as a currency market.“

Williams adds: „The big question that Reading the Riots leaves us with is whether, in our current fretful state, with unavoidable austerity ahead, we have the energy to invest what’s needed in family and neighbourhood and school to rescue those who think they have nothing to lose.

„We have to persuade them, simply, that we as government and civil society alike will be putting some intelligence and skill into giving them the stake they do not have. Without this, we shall face more outbreaks of futile anarchy, in which we shall all, young and old, be the losers.“

The archbishop’s intervention comes just a week after George Osborne lowered economic growth forecasts, increased government borrowing and said austerity measures would be extended to 2017.

The Organisation for Economic Co-operation and Development said on Monday that income inequality among working-age people has risen faster in Britain than in any other rich nation since the mid-1970s.

The Office for Budget Responsibility is predicting 710,000 public sector job losses in the next six years. Last month, official figures revealed the number of unemployed 16- to 24-year-olds had risen to more than 1 million.

Of the rioters interviewed in Guardian/LSE study who were of working age and not in education, 59% were unemployed.

Those questioned were pessimistic about the future, with 29% disagreeing with the statement „life is full of opportunities“ – compared with 13% among the population at large. Eighty-five percent said poverty was an „important“ or „very important“ factor in causing the riots. The general population largely agreed, with 68% saying poverty was a significant cause of the summer unrest. In the aftermath of the August riots, the prime minister, David Cameron, was quick to dismiss the idea that poverty was a factor in the disorder. „These riots were not about poverty,“ he said. „That insults the millions of people who, whatever the hardship, would never dream of making others suffer like this.“

However, the independent panel Cameron set up to take evidence from victims of the riots concluded last week that poverty was an important factor.

It found that more than half of those who had appeared in court proceedings relating to the riots had come from the most deprived 20% of areas in Britain.

The report added to a growing body of evidence about the poverty and alienation that characterised those who took part in the England riots.

Only 51% of rioters interviewed by the Guardian/LSE said they felt „part of British society“ – compared with 92% of the wider population.

Williams also called for a restorative rather than a punitive approach toward those responsible for the looting and rioting four months ago. „Demonising volatile and destructive young people doesn’t help; criminalising them wholesale reinforces the problem.

„Of course crime needs punishment and the limits of acceptable behaviour have to be set. The youth justice system has a good record in restorative justice methods that bring people up sharp against the human consequences of what they have done. We have the tools for something other than vindictive or exemplary penalties.“

He added: “ We may well wince when some describe how the riots brought them a feeling of intense joy, liberation, power. But we have to go on to ask what kind of life it is in which your emotional highs come from watching a shop being torched or a policeman being hit by a brick.“

On the BBC’s Newsnight last night the police minister, Nick Herbert, said he did not accept that the police behaved in the way mentioned by some of the young rioters who told Guardian/LSE researchers about negative experiences at the hands of officers on a regular basis.

„I think there were particular issues about where this kicked off, in Tottenham, that are being investigated at the moment,“ he said. „But I think elsewhere this was much more of copycat action. I think it was about looting.“In relation to the cause of the riots, Herbert said that while the public at large had tended to cite issues such as social breakdown and family breakdown „The rioters themselves were of course much more reluctant to accept responsibility and what they wanted to do was blame others.“

Herbert emphasised that two-thirds of those interviewed said they had been cautioned by police or convicted of an offence in the past.

Asked if he accepted what the interviews suggested about how the police were seen by many of those who took part, he said: „I accept that by the testimony of the peiople who were involved there, they were saying that they dislike the police. I make the point again. These were people who have been in trouble with the police. It is not surprising.“

(Berlin/Paris – 5. Dezember 2011) In Deutschland ist die Einkommensungleichheit seit 1990 erheblich stärker gewachsen als in den meisten anderen OECD-Ländern. In den 80er und 90er Jahren gehörte das Land zu den eher ausgeglichenen Gesellschaften, inzwischen liegt es nur noch im OECD-Mittelfeld. Das geht aus der Studie „Divided we stand – Why inequality keeps rising“ hervor, die heute von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung veröffentlicht wurde. Mit durchschnittlich 57.300 Euro verdienten die obersten zehn Prozent der deutschen Einkommensbezieher im Jahr 2008 etwa achtmal so viel wie die untersten zehn Prozent (7400 Euro). In den 90ern lag das Verhältnis noch bei 6 zu 1, der aktuelle OECD-Durchschnitt ist 9 zu 1.„Divided we stand“ geht den Ursachen steigender Ungleichheit auf den Grund. Die Studie widerlegt die Annahme, dass Wirtschaftswachstum automatisch allen Bevölkerungsgruppen zugutekommt und, dass Ungleichheit soziale Mobilität fördert. „Zunehmende Ungleichheit schwächt die Wirtschaftskraft eines Landes, sie gefährdet den sozialen Zusammenhalt und schafft politische Instabilität – aber sie ist nicht unausweichlich“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. „Wir brauchen eine umfassende Strategie für sozialverträgliches Wachstum, um diesem Trend Einhalt zu gebieten.“

Im OECD-Schnitt stiegen die verfügbaren Haushaltseinkommen in den beiden Jahrzehnten vor der Finanz- und Wirtschaftskrise um 1,7 Prozent jährlich. Die größten Gewinne machten dabei zumeist Gutverdienerhaushalte. In Deutschland ist diese Entwicklung besonders ausgeprägt: Insgesamt wuchsen die realen Haushaltseinkommen hier um 0,9 Prozent pro Jahr – in der untersten Einkommensklasse kam davon allerdings lediglich eine Steigerung von 0,1 Prozent an, während die zehn Prozent der am besten verdienenden Haushalte ihr Einkommen um 1,6 Prozent steigern konnten.

Die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich geht vor allem auf die Entwicklung der Löhne und Gehälter zurück. Diese machen etwa 75 Prozent des Haushaltseinkommens aus. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Lohnschere zwischen den obersten und untersten zehn Prozent der Vollzeitarbeitenden um ein Fünftel erweitert. Aber auch zunehmende Teilzeitbeschäftigung ist ein Faktor, der zur Einkommensungleichheit beiträgt: Seit 1984 ist der Anteil der Teilzeitarbeiter in Deutschland von 11 auf 22 Prozent gestiegen, das heißt von knapp drei auf mehr als acht Millionen Menschen. Häufig handelt es sich hierbei um Frauen, die noch immer weniger Lohn erhalten als ihre männlichen Kollegen. Hinzu kommt eine Veränderung von Arbeitszeiten: Kamen deutsche Geringverdiener vor 20 Jahren im Durchschnitt noch auf 1000 Arbeitsstunden pro Jahr, so hat sich ihre Arbeitszeit jetzt auf 900 Stunden reduziert. Menschen aus den oberen Einkommensklassen hingegen arbeiten weiterhin rund 2250 Stunden pro Jahr.

Auch sozialer Wandel verstärkt die Einkommensunterschiede. So gibt es zum Beispiel immer mehr Alleinerzieher- und Single-Haushalt mit entsprechend niedrigem Einkommen. Auf der anderen Seite finden immer mehr Paare in der gleichen Einkommensgruppe zusammen, so dass sich gute Verdienste potenzieren: Das traditionelle Modell „Chefarzt heiratet Krankenschwester“ ist auf dem Rückzug.

In der OECD nutzen viele Regierungen Steuern und Sozialtransfers, um die Einkommensungleichheit abzuschwächen. Die umverteilende Wirkung solcher Systeme ist in Deutschland relativ groß: Im Jahr 2008 verminderten Steuern und Transfers die Ungleichheit hierzulande um knapp 29 Prozent, verglichen mit 25 Prozent im OECD-Mittel.

Komplett verhindern konnte das deutsche Steuer- und Transfersystem das Auseinanderdriften von Arm und Reich allerdings nicht. Erstens verringerte sich der Umverteilungseffekt von Steuern und Sozialleistungen seit dem Jahr 2000 um vier Prozentpunkte, und zweitens gingen Unterstützungsleistungen, wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, merklich zurück (wenngleich das Niveau im internationalen Vergleich weiterhin relativ hoch ist).

Die Autoren von „Divided we stand“ erläutern verschiedene Wege, die den Trend zu größerer Ungleichheit stoppen und sogar umkehren können. Mehr Menschen in Lohn und Brot zu bringen und hochwertige Arbeitsplätze mit echten Karriereaussichten zu schaffen, verspricht dabei die größten Erfolge. Eine Voraussetzung dafür sind Investitionen in das Potenzial der Arbeitskräfte. Mehr und bessere (Aus)Bildung wäre laut Studie das einzige Mittel, die Lohnungleichheit zu begrenzen und gleichzeitig die Beschäftigungsraten zu erhöhen. Bildungsoffensiven müssen in der frühen Kindheit beginnen und während der gesamten Schulpflicht aufrechterhalten werden. Auch nach dem Einstieg ins Berufsleben sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber angehalten werden, in Weiterbildung zu investieren.

Direkten, wenn auch nur mittelfristigen, Einfluss auf die Umverteilung können Regierungen über Steuer- und Sozialreformen nehmen. Eine Option wäre, die Einkommenssteuer progressiver zu gestalten. Auch Maßnahmen zur Eindämmung der Steuerflucht, die Abschaffung von Steuererleichterungen für Besserverdienende oder der Ausbau von Steuern auf Vermögen und Grundbesitz können zu einer besseren Umverteilung von Einkommen beitragen. Gleichzeitig sind staatliche Transferzahlungen wichtiger als je zuvor, um die anhaltenden – und durch die Rezession oft verschärften – Verluste für Menschen mit niedrigem Einkommen auszugleichen.

http://www.oecd.org/document/62/0,3746,de_34968570_34968855_49119358_1_1_1_1,00.html

Immer stärkere Spaltung der Gesellschaften in Arm und Reich: Schon 2008 standen wir nur wenige Tage vor dem Zusammenbruch des Finanzsystems. Das Massenabheben der Bankguthaben hatte schon begonnen. Dann retteten die Staaten die kollabierende Privatwirtschaft mit Billionenkonjungturpaketen: Die Wirtschaft sprang wieder an, aber die Staaten waren nun über die Maßen verschuldet. Jetzt folgen die Spar-/Kürzungspakete, die wahrscheinlich  in die große Wirtschaftskrise führen werden, weil sie die Kaufkraft und darüber die Wirtschaftskraft zu zerstören drohen!

http://www.youtube.com/watch?v=OYA59QTiVCs

Income inequality growing faster in UK than any other rich country, says OECD

Top 10% have incomes 12 times greater than bottom 10%, up from eight times greater in 1985, thinktank’s study reveals

Protesters against income inequality in London. The OECD said the share of the top 1% had increased from 7.1% in 1970 to 14.3% in 2005.

Income inequality among working-age people has risen faster in Britain than in any other rich nation since the mid-1970s owing to the rise of a financial services elite who through education and marriage have concentrated wealth into the hands of a tiny minority, according to a new report by the OECD.

Economists from the thinktank, which is funded by developed world taxpayers, say the annual average income in the UK of the top 10% in 2008 was just under £55,000, about 12 times higher than that of the bottom 10%, who had an average income of £4,700.

This is up from a ratio of eight to one in 1985 and significantly higher than the average income gap in developed nations of nine to one.

However, the report makes clear that even in countries viewed as „fairer“ – such as Germany, Denmark and Sweden – this pay gap between rich and poor is expanding: from five to one in the 1980s to six to one today. In the rising powers of Brazil, Russia, India and China the ratio is an alarming 50 to one.

The OECD warned about the rise of the top 1% in rich societies and the falling share of income going to poorer people.

This trend is especially pronounced in Britain, where the dramatic rise in inequality has been fuelled by the creation of a super-rich class. The share of the top 1% of income earners increased from 7.1% in 1970 to 14.3% in 2005.

Just prior to the global recession, the OECD says the very top of British society – the 0.1% of highest earners – accounted for a remarkable 5% of total pre-tax income, a level of wealth hoarding not seen since the second world war.

At the same time as accumulating great wealth, the rich have seen tax rates fall. The top marginal income tax rate saw a marked decline: dropping from 60% in the 1980s to 40% in the 2000s, before its recent increase to 50%.

The buildup of riches was partly economic: the higher-paid worked longer. Since the mid-1980s, annual hours of low-wage workers remained stable at around 1,050, while those of high-wage workers rose almost 10% to 2,450 hours.

But the concentration of resources in the highest rungs of Britain’s society was also a social phenomenon. Unlike in many other nations, the earnings gap between the wives of rich and poor husbands in Britain has grown from £3,900 in 1987 to £10,200 in 2004.

Although the OECD figures stop just before the recession, experts say the trend continued into the downturn. Paul Johnson of the Institute for Fiscal Studies said that in the UK „2009/10 incomes went up incredibly fast (at the top end) possibly because the new top rate of tax was coming in“.

Johnson pointed out that the growth in the City and bankers‘ bonuses had played a large part in creating this divide. „If you look at who is racing away then half the top 1% of high earners work in financial services.“

He said that Mark Stewart, a professor of economics at Warwick University, had published work showing that in the past 12 years „almost all the increase in inequality has come from financial services“.

Such disparities, the thinktank said, could not be blamed on globalisation but a trend in labour and social policies in rich nations that had helped the wealthy.

Although spending on public services in Britain had gone up in the past decade, at the same time benefits to the poor were worth less and taxes were less redistributive.

The effect has been a dramatic weakening in the state’s ability to spread wealth throughout society. From the mid-70s to mid-80s the tax-benefit system offset more than 50% of the rise in income inequality. It now manages just 20%.

It was a paradox, said the OECD, that such moves had not been grounded in popular support. Michael Förster, author of the OECD’s Divided We Stand report, said: „In almost all countries apart from the US and Japan more than 50% of people say that inequality is too high. In the UK it is 65% so I think everyone agrees it is a problem.“

To rebalance society „for the 99%“ the authors call for a series of measures focusing on „job creation“, „increased redistributive effects“ and „freely accessible and high-quality public services in education, health and family care“.

When it was pointed out that British government plans would instead lead to public sector job cuts of 710,000, more child poverty and a hike in university fees, the OECD’s authors said debt was an issue for governments but urged them „not to cut social investments“.

Monika Queisser, the head of OECD’s social policy division, said: „The OECD agreed that fiscal consolidation was important. We want to governments to see social expenditures as investment so we would want to see, say, early years [funding] rising.“

http://www.guardian.co.uk/society/2011/dec/05/income-inequality-growing-faster-uk

«Brasilien hat nichts Neues erfunden»
Der angehende FAO-Direktor José Graziano da Silva über die Bekämpfung des Hungers
José Graziano da Silva gilt als einer der Architekten des Programms Fome Zero. Ab Januar wird der Brasilianer die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Uno leiten.

José Graziano da Silva, die Erdbevölkerung hat die Grenze von 7 Milliarden überschritten. Pessimisten befürchten einen Nahrungsmittel-Kollaps.
Die Kapazitäten reichen für 7 Milliarden Menschen aus. Die Frage ist, wie wir die Nahrungsmittelproduktion erhöhen, ohne dabei die Umwelt zu zerstören. Immer wichtiger werden in dieser Frage die Erfahrungen der Schwellenländer. In Argentinien zum Beispiel werden heute bereits 90 Prozent allen Getreides mit einer Technik angebaut, die auf das Pflügen verzichtet. Beispiele wie dieses stimmen mich zuversichtlich, dass mit neuen Technologien die Verlängerung der «grünen Revolution» in der Landwirtschaft möglich ist.
Ernährt ist die Welt damit noch nicht.
Das grosse Problem liegt im Zugang. Während der grossen Krisen mangelte es nie an Nahrungsmitteln, doch konnten sich viele diese nicht kaufen. Glücklicherweise ist sich die Welt zusehends einig darin, dass jedem Menschen ein Minimum an Nahrungsmitteln garantiert sein sollte. Immer bedeutender werden Geldtransfer-Programme, die armen Familien ermöglichen, lokal Nahrungsmittel zu kaufen.
Welches Herausforderung birgt der Vormarsch der grossen Schwellenländer?
Die Schwellenländer dürfen hinsichtlich ihres Konsums nicht dem Beispiel der Industrieländer folgen. Der Nährwert der meisten Fertigprodukte steht oftmals in keinem Verhältnis zum Energieverbrauch für deren Herstellung. So ist es auch beim Fleisch, dessen Produktion Unmengen von Getreide und Wasser benötigt. Die Zukunft liegt im Konsum von frischen und lokal produzierten Lebensmitteln und in einer ausgewogenen Ernährung.
Haben die internationalen Organisationen beim Erreichen des Milleniumsziels, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, versagt?
Den grössten Fehler sehe ich darin, dass sich die internationale Gemeinschaft nicht verbindlicher zur Umsetzung der Ziele verpflichtet hat. Von den reichen Ländern müsste mehr Engagement kommen, stattdessen geht die internationale Hilfe zurück. Andererseits sollten sich die internationalen Organisationen stärker auf die Entwicklungsziele fokussieren.
Lässt sich das Modell Fome Zero globalisieren?
Nach seiner Wahl 2002 setzte sich Präsident Lula da Silva nicht die Halbierung, sondern die Ausrottung des Hungers in Brasilien zum Ziel. Die Verpflichtung der Regierung war damit viel grösser. Dieser politische Wille kann globalisiert werden. Was die spezifischen Programme zur Hunger- und Armutsbekämpfung angeht, so hat Brasilien im Grunde nichts Neues erfunden, sondern lediglich die bestehenden Programme und Erfahrungen auf lokaler Ebene geschickt zu einem nationalen Plan zusammengefügt. Fome Zero kann nicht auf andere Länder übertragen werden, das Vorgehen Brasiliens jedoch schon.
Und als Direktor der FAO werden Sie wohl genau das tun?
Das ist die grosse Herausforderung. Der FAO mangelt es nicht an Kompetenz. Wir sind heute in 140 Ländern vertreten und erreichen 95 Prozent der an Hunger und Armut leidenden Menschen. Wenn es der FAO gelingt, die Erfahrungen aller Länder mit dem politischen Willen der Regierungen und den internationalen und lokalen Ressourcen zu vereinen, werden wir die Entwicklungsziele bis 2015 nicht nur erreichen, sondern übertreffen.

Grenzen der Weltbevölkerung

zz. ⋅ Kürzlich hat die Uno erklärt, dass die Weltbevölkerung die Schwelle von 7 Milliarden Menschen überschritten hat. Demografen erwarten eine Stabilisierung erst um die Mitte des laufenden Jahrhunderts bei über 9 Milliarden. Wird die Erde dieses Wachstum verkraften können? Einzelne Staaten und Gesellschaften stellen sich ganz unterschiedlich auf die Zunahme – oder das Schrumpfen – der Bevölkerung ein. In lockerer Folge berichten unsere Korrespondenten über Probleme und Chancen des Bevölkerungswachstums.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/brasilien_hat_nichts_neues_erfunden_1.13497936.html