Archiv

Kirchen

Occupy London: archbishop of Canterbury backs new tax on banking

Rowan Williams says the protest at St Paul’s shows ‚widespread and deep exasperation with the financial establishment‘

The archbishop of Canterbury has outlined a package of political and financial measures needed to take forward the „moral agenda“ of Occupy London campaigners encamped outside St Paul’s Cathedral.
Backing a new tax on banking, Rowan Williams said the protest against financial inequality and banking excesses had been seen „by an unexpectedly large number of people as the expression of a widespread and deep exasperation with the financial establishment that shows no sign of diminishing“.
Endorsing the idea of a „Robin Hood“ tax on financial transactions, he said: „There is still a powerful sense around – fair or not – of a whole society paying for the errors and irresponsibility of bankers; of impatience with a return to ‚business as usual‘ – represented by still-soaring bonuses and little visible change in banking practices.“
The archbishop’s sympathy for the protesters, in an article in Wednesday’s Financial Times, came after a day in which the cathedral announced it would not be taking legal action to evict them from its land and the Corporation of London said it was „pausing“ its bid to clear the encampment. Its officials are expected to make a further announcement on Wednesday.
Williams stepped into the debate as another senior figure in the Church of England, the bishop of London, Richard Chartres, told the Guardian that the protesters‘ voices chimed in with „alarm bells ringing around the world about the connection between finance and ethics and human flourishing“.
The archbishop was careful to include other religious leaders in a debate over finance and ethics, saying the demands of the protesters had been „vague“. Williams continued: „Many people are frustrated beyond measure at what they see as the disastrous effects of global capitalism; but it isn’t easy to say what we should do differently. It is time we tried to be more specific.“
He joined the Vatican in calling for routine banking business to be clearly separated from speculative transactions and said governments should recapitalise banks with public money, obliging them in return to help reinvigorate the „real economy“.
A third suggestion was probably the most far-reaching, said Williams, endorsing a financial transaction tax known as a Tobin or Robin Hood tax. „This means a comparatively small rate of tax (0.05%) being levied on share, bond, and currency transactions and their derivatives, with the resulting funds being designated for investment in the „real“ economy, domestically and internationally.
Seeking the best outcome from „the unhappy controversies at St Paul’s“, Williams concluded: „If religious leaders and commentators in the UK and elsewhere could agree on these three proposals, as a common ground on which to start serious discussion, questionings alike of protesters and clergy will not have been wasted.“

http://www.guardian.co.uk/uk/2011/nov/02/occupy-london-archbishop-canterbury-tax

Advertisements

von Michael Bünker. „Rosen statt Getreide“ – vom Hunger in der Welt

„Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet“, stellt der Schweizer Soziologe Jean Ziegler fest. Während mehr als fünf Millionen Menschen in Äthiopien hungern, züchtet eine indische Firma dort auf riesigen Plantagen Rosen für Europa.

Das ist kein Einzelfall: Agrarunternehmen aus Industrie- und Schwellenländern weichen wegen der hohen Bodenpreise in ihrer Heimat zunehmend in Entwicklungsländer aus, auch ans Horn von Afrika. Derweil leidet die Bevölkerung dort unter einer Hungersnot epochalen Ausmaßes. Diese Ernährungskrise geht auf Dürre und Krieg zurück. Hunger gehört am Horn von Afrika zum Alltag, während er in Europa seine Schrecken verloren hat.

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker spricht anlässlich des evangelischen Reformationstages über den Hunger in der Welt als Herausforderung und Anfrage an all jene, die von diesen ungerechten Strukturen profitieren.
Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer.

Reformationstag. Als Martin Luther vor dem Kaiser gefragt wurde, ob er widerruft, sagt er nein, sein Gewissen sei im Wort Gottes gefangen. Stark und mutig, sich so allein hinzustellen und aller Welt standzuhalten. Eine Haltung, die auch heute dringend gebraucht würde. An die Nachrichten, dass am Horn von Afrika mehr als 11 Millionen Menschen akut unter Hunger leiden und unzählige Kinder sterben, hat man sich fast schon gewöhnt. Das Gewissen ist ruhig. Nur langsam sind die internationalen Hilfsaktionen angelaufen, obwohl diese Katastrophe bereits seit Langem vorausgesehen wurde. Die notwendigen Maßnahmen, von allen Fachleuten seit Jahren gefordert, sind über zwanzig Jahre nur halbherzig angegangen worden. Dazu gehört die nachhaltige Stärkung der lokalen kleinbäuerlichen Strukturen, verbessertes einheimisches Saatgut, Bodenschutz durch Aufforstung, Regenwassersammelbecken und vieles mehr. Die Dürrekatastrophe mag ein Schicksal sein – der Hunger ist es nicht.

Jean Ziegler fordert einen „Aufstand des Gewissens“. Er berichtet immer wieder von einem Erlebnis, das ihn in den frühen 1960er Jahren auf einen neuen Weg geführt hat. Er war als Mitglied einer internationalen Delegation im Kongo. Am Abend gab es in einem der wenigen noblen Hotels einen Empfang. Man stand beisammen und hatte gut zu Essen und zu Trinken. Jean Ziegler berichtet, dass er ans Fenster trat um in den Abend hinauszusehen und da die Gestalten sah, die von allen Seiten auf das Hotel zukamen. Es waren die Hungerleider der Stadt, die an die Abfälle wollten. Darunter viele Kinder. Trotz aller verzweifelten Anstrengung gelang es ihnen nicht, die Barrieren, die das Hotel abschirmten, zu überwinden. „Da beschloss ich“ – so Jean Ziegler – „nie wieder auf der Seite der Henker zu stehen“. Die Verantwortung lässt sich nicht abschieben. Es kommt auf jeden und jede an, da ist niemand, der nicht einen entscheidenden Beitrag leisten könnte.

Die Saint Paul’s Cathedral in London. Nach wie vor ist die Kathedrale geschlossen, und zwar wegen der Finanzmarktgegner, die hier ihr Protestcamp aufgebaut haben. Zum Wochenende will die Kirchenverwaltung das Gotteshaus nun aber wieder öffnen, und da stören die Zelte. Aus Angst, das Lager könne gewaltsam geräumt werden, trat jetzt der Kanoniker der Kirche, Giles Fraser, zurück. Er hatte die Demonstranten von Anfang an unterstützt und sagte:

“Ich fürchte, ich bin nicht in der Lage, die Anwendung von Gewalt im Namen der Kirche zuzulassen, damit die Demonstranten hier wegkommen. Da ist für mich Schluss.”

Eigentlich wollten die Demonstranten ihr Camp im Finanzviertel Londons aufbauen, sie wurden aber unter anderem von der Polizei daran gehindert. Daraufhin zogen sie vor die Kathedrale, die seither über tägliche Einnahmeausfälle von mehr als 20.000 Pfund klagt, da keine Touristen kommen können. Kirche wie Stadt kündigten auch juristische Schritte gegen die Protestcamper an, von denen laut Presseberichten und zum Ärger mancher Beobachter rund ein Viertel nachts nach Hause fährt.

http://de.euronews.net/2011/10/27/londoner-kathedrale-will-protestcamper-loswerden/