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Menschenrecht auf Bildung

Students begin wave of occupations to back public sector strikes

David Willetts abandons Cambridge University speech as protesters take over lecture hall to oppose £9,000 tuition fee

Police at the student protest over university tuition fees in London on 9 November

Police at the student protest over university tuition fees and public sector cuts in London on 9 November, when the Met warned baton rounds could be used. Photograph: Tony Kyriacou/Rex Features

Students are planning a wave of campus occupations and protests in the run-up to nationwide strikes next week, the Guardian has learned.

Occupations called by the student group National Campaign Against Fees and Cuts (NCAFC) ahead of the trade union day of action on 30 November have already happened at Birmingham and Cambridge universities.

Higher education minister David Willetts had to abandon a speech on the Idea of University on Tuesday night after students heckled him from the stage and began occupying Cambridge’s largest lecture hall.

The occupations, in opposition to the government’s white paper on education reform, which would formalise the £9,000 rise in tuition fees, are expected to break out across the country.

NCAFC said that occupied lecture halls and buildings would act as bases for students to plan further action backing strikes by about 3 million public sector workers – expected to be the biggest day of industrial action since the winter of discontent in 1979.

The group’s co-founder, Michael Chessum, said: „It’s all terribly unpredictable. We may well see actions and occupations popping up all other the country today and in the coming week.“

In front of an audience of more than a hundred, Willetts was forced to sit in a corner of the stage of Lady Mitchell Hall, as students read out a prepared statement.

Student James Jackson said activists from Cambridge Defend Education read out a prepared statement which was repeated sentence by sentence by other demonstrators in the audience – a technique used by Occupy activists.

Making reference to recent student protests in which the Metropolitan police said baton rounds could be used to prevent disorder, the statement said: „You can threaten to shoot us with rubber bullets; you can arrest us; you can imprison us; you can criminalise our dissent; you can blight a hundred thousand lives … but you cannot break us because we are more resolute, more numerous, and more determined than you … Go home, David.“

After sitting on the stage, they eventually forced the minister’s departure.

„At first Willetts seemed to want to carry on,“ Jackson said. „After the second minute he sat in a corner then [the organisers] closed the blinds on him, still waiting for us to stop and leave. When we didn’t, I think he decided it was time for him to go and so he just left.“

Jackson, 21, who is reading art history, said that after Willetts‘ departure the group occupied the hall and were now receiving support from academics who were bringing them food and supplies.

Silkie Carlo, 22, studying psychology, who was also part of the action said : „Cambridge is serious about defending education. Particularly from an institution that is seen as upper middle class, the most privileged students, it’s important that we understand that the rise in fees affect us and the progress of the university. We don’t want to study in that kind of place.“

In the early hours of Wedenesday, Birmingham students occupied an abandoned gatehouse on the northern edge of their campus, where they plan to hold a series of lectures.

Bildungsproteste in Chile flammen wieder auf

Studierende und Bildungsarbeiter halten Aktionen seit über einem halben Jahr aufrecht. Verhandlungen mit Regierung

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Von Redaktion

amerika21.de

20.11.2011 08:17

Santiago de Chile. In Chile sind die Proteste von Studierenden und Angestellten des Bildungssektors wieder aufgeflammt. Die Aktionen begannen am Donnerstag in Valparaíso. Während die Regierung die Verantwortung für die Bildung den Kommunen übertragen will, fordern die Gegner die generelle Verantwortung des Staates für das Bildungswesen ein, heißt es in einem Bericht des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur.

Protestteilnehmer äußerten indes die Befürchtung, dass die Pläne der Regierung auf weitere Privatisierungen hinauslaufen. „Die Protestbewegung fordert daher die Abkehr von der Verantwortung der Kommunen für die Bildung und von weiteren Privatisierungen des Bildungswesens“, berichtet die Telesur-Korrespondentin Beatriz Michell. Nach mehr als sechs Monaten ständiger Proteste habe die Regierung für die kommenden Wochen eine Gesetzesinitiative angekündigt, um die Schulen neu zu strukturieren. „Die Protestteilnehmer fürchten, dass auch dabei die Privatisierungen vorangetrieben werden“, so Michell.

„Es ist notwendig, die Verantwortung der Kommunen für die Bildung zu beenden“, sagte ein führender Studierendenvertreter gegenüber dem Sender. Dies müsse aber „so geschehen, wie es die Bewegung fordert: ohne Privatisierungen!“

Mit den Demonstrationen Ende der Woche kritisierten die Teilnehmer auch die Haftentlassung des Militärpolizisten Miguel Millacura, der für die Ermordung des 16-jährigen Miguel Gutiérrez verantwortlich ist. Der Jugendliche war während der Proteste Ende August erschossen worden. Ein Militärgericht hatte entschieden, dass Millacura im laufenden Prozess aus der Untersuchungshaft entlassen werden kann. „Wir sind weiterhin uneingeschränkt solidarisch mit der Familie und werden diesen Fall weiter beobachten“, versicherte ein Vertreter der Studierendenorganisationen.

Nach Angaben des Senders fordern die Studierenden zudem eine Beteiligung an den Entscheidungen über die Bildungsgesetzgebung. „Die Menschen wollen selbst entscheiden, was mit der Bildung geschieht und wie die Proteste weitergehen“, so Alfredo Vielma, ein Sprecher der Oberstufenschüler.

Am Ende der Demonstration am Freitag und unmittelbar vor der Abschlusskundgebung in der Hauptstadt Santiago kam es zu gewaltsamen Zwischenfällen. So wurde der Protest wegen Konflikten zwischen Studenten und der Polizei vorzeitig beendet.

Noch am Morgen hatten sich Studierendenvertreter mit dem Regierungsminister Andrés Chadwick getroffen. Die Aktivisten forderten ein Memorandum über das Bildungsgesetz. Der Minister sagte zu, den Protestvertretern einen Entwurf des neuen Gesetzes zukommen zu lassen. In der kommenden Woche sollen die Gespräche dann fortgesetzt werden.

„Wir sprechen derzeit darüber, die Verantwortung für die regionalen Schulen an das Bildungsministerium zurückzugeben“, sagte Jaime Gajardo, der Vorsitzende des Lehrerverbandes: „Das könnte der Beginn einer neuen öffentlichen Bildung sein – im Gegensatz zu einem Bildungswesen, das lediglich von Marktinteressen geleitet ist.“

Am 24. November sollen zeitgleich zu Aktionen in Kolumbien weitere Proteste in Chile stattfinden. Auch Studierende in anderen Staaten wie Peru oder Argentinien kündigten ebenfalls Proteste an.

Erneut 10.000 Teilnehmer bei Studentenprotesten
18. November 2011 20:50

Demonstration gegen Bildungspolitik verläuft weitgehend friedlich

Santiago de Chile – In Santiago de Chile haben sich am Freitag erneut rund 10.000 Studenten an Protesten gegen die Bildungspolitik der Regierung beteiligt. Die Kundgebung verlief im wesentlichen friedlich, allerdings gab es am Rande der Proteste Auseinandersetzungen mit der Polizei. Diese setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen vermummte Demonstranten ein, die Steine und andere Gegenstände warfen. Ein Verdächtiger, der ein Luftdruckgewehr bei sich trug, wurde festgenommen. Am Vortag hatte es bereits ähnliche Kundgebungen in Valparaiso, dem Sitz des Parlaments, gegeben.

Die Studenten in Chile fordern seit Monaten eine Bildungsreform und mehr Geld für Schulen und Universitäten im kommenden Haushalt. Im Oktober hatten sie ihre Proteste gegen ungleiche Bildungschancen wieder aufgenommen, nachdem Gespräche mit der Regierung gescheitert waren. Die sozialistische Opposition bescheinigte der Regierung inzwischen den Willen zu Gesprächen, beklagte aber zugleich einen Mangel an Investitionsbereitschaft. Die Probleme im chilenischen Bildungswesen gehen zum Teil auf die Diktatur in den 1980er Jahren zurück, als der Staat im öffentlichen Bildungswesen sparte. (APA)

Wir sind keine Träumer und Utopisten

Occupy University

Wir sind keine Träumer und keine Utopisten.
Wir sind hellwach und finden uns in einem Albtraum wieder.

Unser Albtraum sind Hörsäle, in denen wir keinen Platz haben, Studienplätze, die uns fehlen und Masterplätze, die wir nicht bekommen.

Unser Albtraum sind Matratzenlager in Turnhallen, in denen wir nicht schlafen und auch nicht lernen können.

Unser Albtraum sind Studiengebühren, die uns zu austauschbaren Kunden auf einem Bildungsmarkt reduzieren.

Unser Albtraum sind Lehrinhalte, Personal und Studienordnungen, über die private Banken und Lobbygruppen bestimmen.

Unser Albtraum ist die unternehmerische Hochschule, die uns entmündigt und uns unserer demokratischen Rechte beraubt.

Wir sind keine Träumer und keine Utopisten.
Wir wissen genau, dass die Politiker*innen der HypoRealEstate und anderen Banken mehr als 38 Milliarden Euro unserer Steuergelder geschenkt haben.

Wir wissen genau, dass die Banken jetzt genau wie vor der Krise weiter spekulieren und immer neue Krisen entstehen werden.

Wir wissen genau, dass im Moment überall die Sozialsysteme kaputt gekürzt werden, immer mehr Menschen verarmen und immer weniger Geld in Bildungseinrichtungen fließt.

Wir wissen genau, dass elf Millionen Millionäre inzwischen genau soviel Reichtum besitzen wie alle restlichen 6,989 Milliarden Menschen zusammen auf der Welt in neun Monaten produzieren.

Wir akzeptieren keine Kürzungen mehr, nicht im Bildungs- und nicht im sozialen Bereich. Wir sind keine Träumer und keine Utopisten. Wir sehen die Welt realistisch und fordern deshalb das Ende eines Systems, dem die Renditen von Banken und Konzernen wichtiger sind als die Bedürfnisse der Menschen.

Wir sind keine Träumer und keine Utopisten.
Wir sind hellwach und finden uns in einem globalen Albtraum wieder. Wir strömen auf den Tahir Square und campen vor der Europäischen Zentralbank. Wir besetzen das Bildungsministerium in Chile und streiken auf dem Syntagma-Platz. Wir diskutieren auf der Wallstreet und sitzen vor dem Reichstag. Wir erobern die Bannmeile. Wir stehen an der Seite aller #Occupy Besetzungen weltweit.

Wir sind keine Träumer und keine Utopisten.
Ein einzelner besetzter Hörsaal wird unsere Probleme nicht lösen. Nur zusammen mit vielen Menschen kommen wir aus unserem Alptraum heraus. Wir brauchen kritische Lehrende, die neue Fragen in den Seminaren stellen. Wir brauchen mutige Schüler*innen, die ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen. Wir brauchen selbstbewusste Gewerkschafter*innen, die sich Armutslöhne und Ausbeutung nicht länger bieten lassen. Wir brauchen eine große Bewegung. Wir brauchen dich. Wir brauchen die 99%.

Das derzeitige System ist nicht nachhaltig, nicht demokratisch und nicht gerecht. Wir brauchen Alternativen und entwickeln sie selbst. Wir sind offen und fordern alle auf, aktiv zu werden und sich uns anzuschließen. Wir nehmen uns einen Raum an den Hochschulen und laden euch alle ein, mit dabei zu sein. Wir beginnen zu handeln. Jetzt. Denn wir sind keine Träumer und keine Utopisten.

Wir sind #Occupy University!

http://www.occupy-university.de/wp/wordpress/?page_id=195

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=k3VUajN4vdk

Chilenische Studenten demonstrieren für bessere Bildung

Mit einem Protestmarsch in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso haben am Mittwoch tausende Studenten eine bessere Finanzierung der öffentlichen Bildung gefordert. Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Ein Demonstrant in der chilenischen Stadt Valparaiso geht mit einem Barrikadenteil auf die Wasserwerfer zu.

Santiago. – Einige der Demonstranten bewarfen Beamte mit Steinen. Die Polizisten reagierten mit Wasserwerfern. In Chile kommt es seit einigen Monaten immer wieder zu Studentenprotesten. An der Protestaktion am Mittwoch nahmen laut Polizei 5000 Menschen teil. Demonstranten sprachen hingegen von 15’000 Teilnehmern. (sda)

Weiterer Schlag gegen Medien in Sri Lanka
Die Regierung blockiert mehrere News-Websites wegen angeblicher Diffamierung
Nur wenige Bürger lesen in Sri Lanka Zeitung oder nutzen andere Medien zur politischen Information. (Bild: Keystone / AP)
Sri Lanka hat mehrere News-Websites blockiert, die regierungskritisch waren. Die meisten Zeitungen üben sich aus Angst vor Übergriffen bereits seit längerem in Selbstzensur.

Andrea Spalinger, Delhi

Das Ende des Bürgerkrieges hat im Bereich der Pressefreiheit für die Sri Lanker wenig Verbesserungen gebracht. Regierungskritische Medienhäuser werden weiterhin gegängelt, mutige Journalisten riskieren ihr Leben. Am Wochenende hat die Regierung einmal mehr an der Zensur-Schraube gedreht und den Zugang zu mindestens sechs bekannten News-Websites blockiert, weil diese angeblich den Präsidenten und andere hohe Politiker des Landes verunglimpft hatten.
Klima der Angst

Die meisten singhalesischen Radiostationen, Fernsehsender und Tageszeitungen sind sowieso längst ein Sprachrohr der Regierung, und auch die englischsprachigen Medien verbreiten mit wenigen Ausnahmen aggressive Regierungspropaganda. Online-Nachrichten-Sites boten bisher als Einzige noch die Möglichkeit, ungefilterte Informationen zu bekommen. Das Informationsministerium nannte in seiner Ankündigung am Montag keine genaueren Details darüber, wieso die Websites blockiert wurden. Sie waren aber allesamt regierungskritisch und hatten über Korruption und gesetzeswidriges Verhalten hoher Politiker berichtet.

Anstatt in Friedenszeiten die Demokratie zu stärken, versuche die Regierung weiterhin, den Zugang zu unabhängiger Information zu verhindern, kritisierte der Vorsitzende des sri-lankischen Journalistenverbandes. Die mit Abstand kritischste der Websites war lankaenews.com. Die Firma war in den letzten Jahren wiederholt bedroht und angegriffen worden. Einer ihrer Kolumnisten wurde vor über einem Jahr entführt und ist noch immer verschwunden. Anfang 2011 wurde das Büro von «lankaenews» in Brand gesteckt und vollkommen zerstört. Der Chefredaktor war damals überzeugt, dass die Regierung die Finger im Spiel hatte, war «lankaenews» doch mehrmals von höchster Stelle Gewalt angedroht worden.

Reporter ohne Grenzen hat die zwei grossen Internet-Anbieter des Landes kritisiert, weil diese Zensur zuliessen. Auf dem Index der Organisation rangiert Sri Lanka als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten. In jüngster Zeit seien vermehrt Online-Medien zum Ziel von Angriffen geworden und die Täter würden kaum bestraft, heisst es in einem Bericht der Organisation.

Mit der Ermordung von Lasantha Wickrematunge, dem Chefredaktor der angesehenen englischsprachigen Wochenzeitung «Sunday Leader», im Januar 2009 hatte die Einschüchterung von Journalisten einen absoluten Höhepunkt erreicht. Wickrematunge wurde auf dem Weg zur Arbeit von mehreren bewaffneten Angreifern niedergestreckt. Er war ein vehementer Kritiker von Präsident Mahinda Rajapakse und dessen Bruder Gotabaya, dem starken Mann im Verteidigungsministerium, gewesen. Der charismatische Journalist war von der mächtigsten Familie im Land wiederholt mit dem Tod bedroht worden und machte in einem postum publizierten Artikel die Regierung für seinen Tod verantwortlich.

Nach der Ermordung einer so bekannten Figur wie Wickrematunge habe sich niemand mehr sicher fühlen können, sagt Bhavani Fonseka vom Center for Policy Alternatives (CPA), einem unabhängigen Think-Tank in Colombo. Kaum mehr jemand wage es heute, Kritik an der Regierung zu üben. Jehan Perera vom National Peace Council, einem anderen Think-Tank, sagt, viele kritische Journalisten hätten in den letzten Jahren das Land verlassen. Jene, die geblieben seien, seien entweder auf die Regierungslinie eingeschwenkt oder übten sich in strikter Selbstzensur.
Kritik unerwünscht

Der «Sunday Leader» ist zwar noch immer relativ kritisch, viele altgediente Kämpen haben die Zeitung aber verlassen. Die Berichterstattung hat dadurch an Qualität eingebüsst, und die Auflage ist regelrecht implodiert. Frederica Jansz, die Nachfolgerin des ermordeten Chefredaktors, sagt, man versuche weiterhin, ausgewogen zu berichten. Kritik an gewissen Personen sei heute aber schlicht nicht mehr möglich. Der Mord an Wickrematunge ist bis heute nicht aufgeklärt und dürfte es wohl auch nie werden. Gotabaya Rajapakse hat hingegen Klage wegen Verleumdung erhoben, und der Zeitung droht die Zahlung einer Wiedergutmachung in Millionenhöhe und damit der Bankrott. Man habe keine Chance auf eine faire Verhandlung, sagt Jansz. Die Gerichte des Landes seien leider alles andere als unabhängig.
Politisches Desinteresse

Ein singhalesischer Journalist, der für ausländische Medien arbeitet, sagt, Kritik an der Regierung sei bis zu einem gewissen Grad erlaubt. Doch wer die Rajapakse-Brüder persönlich angreife, der sei seines Lebens nicht mehr sicher. Die meisten Journalisten wagten deshalb nicht einmal mehr bei lokalen Themen, Kritik zu üben, wenn die Familie involviert sei, und das sei mittlerweile fast immer der Fall. 80 Prozent des Budgets des Landes würden heute von einem der vier Brüder Rajapakse verwaltet, erklärt der Reporter, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Die meisten Singhalesen kümmere nicht, was im Land politisch passiere, sagt Jansz. Sie liebten den Präsidenten dafür, dass er den Krieg gegen die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gewonnen habe. Dass das Land von einer politischen Lösung des ethnischen Konflikts weit entfernt sei, kümmere sie nicht. Auch nicht, dass die Regierung ihre Freiheiten immer mehr einschränke. Eine Umfrage des CPA ergab, dass nur 16 Prozent der Sri Lanker Zeitungen lesen, um sich politisch zu informieren. Ein Drittel hört dazu regelmässig Radio, zwei Drittel schauen fern.
Geringe Internetnutzung

Nur etwa 5 Prozent der Befragten haben Zugang zum Internet, wo auch kritische Berichte zu finden sind. «Sri Lanka ist keine Demokratie», sagt ein tamilischer Student. «Wenn man sich in diesem Land über politische Ereignisse informieren will, muss man ausländische Medien konsultieren. Die einheimischen verbreiten fast nur Propaganda.»

8. November 2011, 07:09, NZZ Online
Hochschulabschluss im Flüchtlingslager
Längerfristige Hilfe für junge Menschen in Ostafrika
Flüchtlinge im Lager Kakuma, die im Zentrum des JRS studieren. (Bild: Angelika Mendes / JRS)
Flüchtlingshilfe bedeutet nicht nur Nahrung und Sicherheit, sondern mittelfristig auch neue Perspektiven. Eine Hilfsorganisation am Horn von Afrika ermöglicht jungen Flüchtlingen einen Studienabschluss. Ein Gespräch mit dem Ostafrika-Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Nairobi, Pater Frido Pflüger, der jetzt in Zürich zu Gast war.

Interview: Stefan Reis Schweizer

NZZ Online: Sie sind Jesuitenpater und ausgebildeter Lehrer, zuletzt waren Sie Schulleiter im Osten Deutschlands – wie kamen Sie dazu, sich in der Flüchtlingsarbeit am Horn von Afrika zu engagieren?

Pater Frido Pflüger: Ich wollte einfach etwas tun für die Leute am anderen Ende der Skala. Ich habe mich dann beim Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) beworben und konnte 2003 im Norden Ugandas anfangen, 2008 wurde ich dann JRS-Regionaldirektor für Ostafrika in Nairobi.

Gibt es überhaupt Gemeinsamkeiten zu dem, was Sie vorher in Deutschland gemacht haben?

Auch in meiner jetzigen Arbeit geht es viel um Bildung.

«Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf längerfristiger Hilfe.»

Aber in der Flüchtlingsarbeit geht es doch zunächst einmal um Nahrung und um ein Dach über dem Kopf?

Darum kümmern wir uns nicht so sehr, denn das können die grossen Hilfswerke in der Regel besser. Der Schwerpunkt beim JRS liegt eindeutig auf längerfristiger Hilfe.

Bei Flüchtlingslagern denken viele zunächst an Provisorien. Warum setzen Sie denn auf solche nachhaltigen Angebote?

Nach Uno-Statistiken ist die mittlere Lebensdauer eines Lagers etwa 20 Jahre. So alt ist mittlerweile auch das Lager Kakuma im Nordwesten Kenyas, in dem wir unter etwa 80’000 Flüchtlingen unsere Arbeit tun. Dort gibt es mittlerweile Läden, einen Markt, sogar ein äthiopisches Restaurant. Unser neuestes Projekt in Kakuma ist eine Universität für Flüchtlinge.

Wie funktioniert das genau?

Wir arbeiten mit amerikanischen Jesuiten-Universitäten zusammen, die Flüchtlinge aus dem Lager als Studenten aufnehmen. Die Betreuung erfolgt ausschliesslich online. Die erforderlichen Computer stehen in unserem Zentrum im Lager.

Dort werden die Studenten durch Mentoren betreut, eingeschrieben sind sie aber zum Beispiel an der Regis University in Denver im amerikanischen Staat Colorado. Die Chance auf einen Hochschulabschluss treibt die Flüchtlingsstudenten sehr an. Jedes Jahr können auf diese Art rund 150 Leute studieren.

«Sie sitzen einfach in ihren Zelten, drumherum ist nur Sand und Felsen.»

Wie Sie es beschreiben, ist Kakuma in Kenya ein Lager mit gewachsenen Strukturen. Wie sieht die Lage in neueren Lagern aus?

Der JRS beginnt gerade in Dollo Ado im Süden Athiopiens mit der Arbeit, wo zur Zeit mehrere neue Lager mit etwa 130’000 somalischen Flüchtlingen entstehen. Während in Kakuma eine durchmischte Altersstruktur herrscht, ist das in Dollo Ado anders, 80 Prozent der Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche. Die sitzen einfach in ihren Zelten, drumherum ist nur Sand und Felsen, sonst nichts. Das ist wirklich ein Drama.

Pater Frido Pflüger mit somalischen Flüchtlingen im Übergangslager in Dollo Ado im Süden Äthiopiens. (Bild: PD)

Diese Kinder haben ein Recht auf Ausbildung, auf ein sinnvolles Leben. Darum wollen wir in Melkadida, einem der Lager dort mit etwa 40’000 Flüchtlingen, ein Begegnungszentrum errichten, in dem Sport, Musik- und Theaterkurse oder auch traditionelle Tänze angeboten werden.

Ausserdem wird eine Bibliothek gebaut für die, die lesen können. Wir werden dort auch Berater ausbilden, die im Lager Lebensberatung anbieten und Konflikte schlichten helfen. Schon heute betreiben wir Zentren mit ähnlichen Aufgaben für Flüchtlinge in den Millionenstädten Nairobi und Addis Abeba.

Was motiviert und was beeindruckt an ihrer Arbeit in Ostafrika?

Zunächst einmal fällt es auf, dass wir es bei den Flüchtlingen praktisch nur mit religiösen Menschen zu tun haben. Das erleichtert uns als einer christlichen Organisation den Zugang zu den Leuten. Denn wir wollen ja nicht missionieren, sondern in dieser schlimmen Sitution einfach helfen. Wir brauchen aber dieses für sie wichtige Thema nicht auszusparen – das verbindet und motiviert.

Und gerade aus ihrem Glauben heraus schöpfen die Menschen auch die Kraft zum Überleben. Mich beeindrucken zum Beispiel in Dollo Ado besonders die Kinder, ihre Widerstandskraft gegen das ganze Elend und ihre Lebensfreude. Das ist sehr ansteckend.
Zur Person

Pater Frido Pflüger ist Regionaldirektor des Flüchtlingsdienstes der Jesuiten (JRS) im östlichen Afrika mit Sitz in der kenyanischen Hauptstadt Nairobi. Der 64-jährige Deutsche stammt aus dem Ort Albbruck im Landkreis Waldshut direkt an der Grenze zur Schweiz. Ausser Philosophie und Theologie hat der Ordensmann Mathematik und Physik studiert und war vor seinem Einsatz in Afrika 20 Jahre lang im Schuldienst tätig. Zuletzt leitete er das St.-Benno-Gynasium in Dresden. Der JRS Ostafrika ist für die Länder Uganda, Kenya, Äthiopien, Sudan und Süd-Sudan zuständig.

 

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/ostafrika_fluechtlinge_1.13248343.html