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Religion

Alarmierende Zahlen aus den USA
Anti-muslimische Gewalt nimmt zu

In den USA werden immer mehr Gewalttaten gegen Muslime registriert. Innerhalb eines Jahres steigt die Quote um rund 50 Prozent an.

Vor dem Obersten Gericht in Washington.Vor dem Obersten Gericht in Washington.
(Foto: dpa)

Anti-muslimische Straftaten in den USA sind im vergangenen Jahr um knapp 50 Prozent gestiegen. Wie die US-Bundespolizei FBI bekanntgab, stieg die Zahl der Straftaten gegen Muslime von 107 im Jahr 2009 auf 160 im Jahr 2010. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl von Gewalttaten gegen Katholiken um 13 Prozent zu, während die gegen Juden um vier Prozent sank. Insgesamt stieg die Zahl der Hass-Delikte leicht auf 6628 Fälle, wobei 47 Prozent rassistische und 20 Prozent religiöse Motive zugrunde lagen.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights First nannte den Anstieg beunruhigend. „Human Rights First hat seit langem betont, dass Gewalttaten gegen Muslime ebenso wie alle anderen Hass-Delikte als eine schwere Verletzung der Menschenrechte behandelt werden müssen“, sagte einer der Vertreter der Organisation, Paul Legendre. Die Regierung könne und müsse mehr gegen derartige Verstöße tun, forderte er.

Katholik wegen „Gotteslästerung“ verhaftet

11. November 2011 11:31

Freilassung des philippinischen Fremdarbeiters gefordert

Riad/Manila – In Saudi-Arabien ist ein katholischer philippinischer Fremdarbeiter wegen angeblicher „Gotteslästerung“ verhaftet worden. Das berichtet die Wiener ökumenische Stiftung Pro Oriente unter Berufung auf eine philippinische Organisation, die sich um Arbeitsmigranten auf der arabischen Halbinsel kümmert. Der aus Laguna bei Manila stammende 32-Jährige war in den letzten Oktobertagen von der saudiarabischen Religionspolizei verhaftet worden, weil er eine beleidigende Zeichnung über den Propheten Mohammed angefertigt habe. Der Filipino war von seinem Vorgesetzten angezeigt worden.

Hunderttausenden christlichen Gastarbeitern ist in dem Königreich jedwede religiöse Betätigung strengstens untersagt. Nach der wahhabitischen Staatsdoktrin ist auf der arabischen Halbinsel wegen der dortigen islamischen Heiligtümer jede andere Religion verboten. Der Vorsitzende der Migranten-Kommission der philippinischen Bischofskonferenz, Precioso D. Cantillas, verlangte laut Kathpress die Freilassung des Landsmanns. Die Fakten müssten festgestellt werden. Ein Missverständnis könne den Fall ausgelöst haben. Zugleich gehe es auch um die Religionsfreiheit und um den „fundamentalen Respekt vor jedem Menschen“, so Cantillas.

Die Gründung eines Zentrums für interreligiösen Dialog („King Abdullah Bin Abdulaziz International Center for Interreligious and Intercultural Dialogue“) in Wien unter Beteiligung Saudi-Arabiens hat zuletzt in Österreich für Kontroversen gesorgt. Im Gründungsvertrag des Dialogforums ist nicht von einem Bekenntnis zur Religionsfreiheit die Rede, sondern lediglich vom „Respekt zwischen den Religionen“. Der Großmufti von Saudi-Arabien, Abdulaziz al-Sheikh, hatte die pro-demokratischen Volkserhebungen in arabischen Ländern als von „Feinden des Islam gesteuerte chaotische Aktionen“ verurteilt, deren Ziel es sei, „die muslimische Welt zu spalten“. Die „Feinde des Islam und ihre Knechte“ stifteten zur Revolte an, um „die muslimische Nation im Herz zu treffen und sie zu spalten“, war der höchste geistliche Würdenträger des Königreichs nach den erfolgreichen Aufständen in Tunesien und Ägypten zitiert worden. (APA)

Das islamische Opferfest: Eine tierische Angelegenheit
Blog | Reiner Wandler, 03. November 2011 13:11

Hammel, überall blöken die Hammel. Die Autobahnen und Landstraßen sind voller Pick Up Trucks auf deren Ladenflächen sich Dutzende Tiere quetschen. Auf den Plätzen vor den Städten sind sie zu Hunderten zu sehen. Männer laufen herum und suchen sich ein Tier aus. Bündel von Geldscheinen wechseln den Besitzer. Der Grund: Das Islamische Opferfest steht bevor. Am 7. November feiern die Muslime überall auf der Welt Aid al Adha oder Aid el Kebir, wie der Tag im Maghreb genannt wird. Jedes Familienoberhaupt ist angehalten ein Tier zu schlachten. In den meisten Länder sind es Hammel.
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Das Tier wird einige Tage zuvor gekauf, denn Last-Minute ist teuerer. Stellt sich vor allem in der Stadt die Frage: Wohin mit dem Vieh? In Algerien erlebte ich das Opferfest vor einigen Jahren mit und konnte mir vom Einfallsreichtum der Städter selbst ein Bild machen. Wer zu den wenigen gehört, die in einem Ein- oder Zweifamilienhaus leben, hält das Tier in der Garage oder im Innenhof. Wer unweit eines Parks lebt, markiert seinen Hammel und lagert ihn dort zwischen. Die Tiere fressen die Parkvegetation, während ein Wächter aufpasst, dass sie nicht gestohlen werden. Schwieriger wird es da schon in den monotonen Wohnblocks der Vororte mit ihren viel zu engen Wohnungen. Hier bevölkern die Hammel die Balkone und selbst die Absätze im Treppenhaus. Es riecht entsprechend.

Am Opferfest dann, werden die Tiere auf die Straße geführt, um ihnen – den Blick gen Mekka gerichtet – mit einem Messer die Gurgel durchzuschneiden. Überall in der Stadt fließt das Blut. Nicht jeder Mann in der Familie ist geeignet das Opfer darzubringen. Er muss ein guter Muslim sein. Viele meiner Freunde haben deshalb noch nie das Messer geführt und wollen das auch nicht. „Ich trinke doch Bier“, heißt die Entschuldigung, um sich vor dieser Aufgabe zu drücken.

Es ist kein billiges Fest. Dieses Jahr kosten die Tiere in Algerien um die 450 Euro. Das ist das dreifache des Mindestlohnes. Viele Tiere müssen importiert werden, da Algeriens Viehwirtschaft nicht ausreicht, das gesamte Land zu versorgen. Wer sich einen Hammel leisten kann, und einem Armen Nachbarn hat, ist angehalten, ein Stück Fleisch abzugeben.

Das Opferfest geht übrigens auf das Alte Testament zurück. Der Koran hat die Geschichte des Propheten Ibrahim (Abraham) übernommen. Das Hammelopfer gedenkt der Bereitschaft Ibrahims seinen Sohn Ismael (Isaak) aus Furcht vor Gott, soll heißen Allah, zu opfern. Als Allah – Gott – seine Bereitschaft und sein Gottvertrauen sah, gebot er ihm Einhalt und Ibrahim und Ismail opferten daraufhin voller Dankbarkeit im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder. Die Geschichte wird im Koran in Sure 37,99-113 erzählt. Ihr biblisches Pendant ist die Erzählung von der Opferung Isaaks (Gen 22,1-19 EU).

Am Festtag selbst, werden die Innereien zubereitet. Sie verderben am schnellsten und das Hammelfleisch an sich muss einige Zeit abhängen, um genießbar zu sein. Wer an so einem Opfertag eingeladen wird, bekommt das beste Stück aufgetischt. In meinem Falle waren es die Hoden. Unter dem aufmerksamen Blicken meiner Gastfamilie verzehrte ich den Leckerbissen und spülte mit Coca Cola nach. Probe bestanden! (Reiner Wanlder, derStandard.at, 3.11.2011)

Kongress in Wien

Europäische Muslime fordern Richtlinien gegen Islamophobie

28. Oktober 2011 17:43

Redefreiheit in Europa bringe Verantwortung mit sich

Wien – Die Initiative Europäischer Muslime für Sozialen Zusammenhalt fordert Richtlinien gegen Islamophobie im öffentlichen Diskurs. Die Redefreiheit in Europa bringe Verantwortung mit sich, was von politischen Führern und Journalisten oft vergessen werde, sagte Koordinator Bashy Quraishy bei einem Kongress der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Freitag in Wien.

Islamophobie habe sich im öffentlichen Diskurs der westlichen Gesellschaft etabliert, beklagten Teilnehmer des Kongresses gegen Diskriminierung und Intoleranz gegenüber Muslimen. „Wir sind von Vorurteilen zu einem institutionellen Rassismus gelangt, in dem jedes sichtbare Zeichen islamischen Glaubens als Bedrohung empfunden wird“, sagte Emine Bozkurt, sozialistische Abgeordnete im Europäischen Parlament.

Muslime wollen keine Sonderbehandlung, sondern denselben Schutz, den es gegen Homophobie und Antisemitismus längst gebe, so Quraishy.

Früher in diesem Jahr hat sich die OSZE auf zwei Kongressen bereits mit Antisemitismus und mit Verbrechen gegenüber Christen auseinandergesetzt. (jaae, DER STANDARD, Printausgabe, 29.10.2011)

 

http://derstandard.at/1319181531167/Kongress-in-Wien-Europaeische-Muslime-fordern-Richtlinien-gegen-Islamophobie

 

Die Saint Paul’s Cathedral in London. Nach wie vor ist die Kathedrale geschlossen, und zwar wegen der Finanzmarktgegner, die hier ihr Protestcamp aufgebaut haben. Zum Wochenende will die Kirchenverwaltung das Gotteshaus nun aber wieder öffnen, und da stören die Zelte. Aus Angst, das Lager könne gewaltsam geräumt werden, trat jetzt der Kanoniker der Kirche, Giles Fraser, zurück. Er hatte die Demonstranten von Anfang an unterstützt und sagte:

“Ich fürchte, ich bin nicht in der Lage, die Anwendung von Gewalt im Namen der Kirche zuzulassen, damit die Demonstranten hier wegkommen. Da ist für mich Schluss.”

Eigentlich wollten die Demonstranten ihr Camp im Finanzviertel Londons aufbauen, sie wurden aber unter anderem von der Polizei daran gehindert. Daraufhin zogen sie vor die Kathedrale, die seither über tägliche Einnahmeausfälle von mehr als 20.000 Pfund klagt, da keine Touristen kommen können. Kirche wie Stadt kündigten auch juristische Schritte gegen die Protestcamper an, von denen laut Presseberichten und zum Ärger mancher Beobachter rund ein Viertel nachts nach Hause fährt.

http://de.euronews.net/2011/10/27/londoner-kathedrale-will-protestcamper-loswerden/

Papast Benedict: Als Christ möchte ich an dieser Stelle sagen: Ja, auch im Namen des christlichen Glaubens ist in der Geschichte Gewalt ausgeübt worden. Wir bekennen es voller Scham. Aber es ist vollkommen klar, dass dies ein Missbrauch des christlichen Glaubens war, der seinem wahren Wesen offenkundig entgegensteht.


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Religionen rufen in Assisi zu religiöser Toleranz auf



RealAudioMP3 Der erste Weg des Pilgerreise für den Frieden führte die Delegationen in die Kirche Santa Maria degli Angeli in der Unterstadt von Assisi, dort, wo vor 800 Jahren der Franziskanerorden um eine kleine Kirche herum entstand.

„Wir wollen Zeugnis ablegen für die Kraft der Religionen, ihren Beitrag für den Frieden zu leisten.“ So begannKardinal Peter Kodwo Appiah Turkson den Reigen der Wortmeldungen. Und er gab den Ton vor, dem die übrigen Sprecher folgten. Der Präsident des Päpstlichen Rates „Iustitia et Pax“ würdigte die Fortschritte im interreligiösen Dialog seit dem ersten Weltfriedenstreffen. In dieser Zeit sei das Gefühl der Brüderlichkeit und Solidarität zwischen den Religionen gestärkt worden, sagte Turkson.

Bartholomaios I., ökumenischer Patriarch von Konstantinopel, sprach vom Keim der Verwandlung, den jede Religion in sich trage. Die Rolle von Religion in der Welt sei aber unsicher, gerade auch mit Blick auf den „arabischen Frühling“; ein weiteres an den Rand gedrängt werden zum Beispiel im Nahen Osten sei eine Gefahr, die Religionen träfen sich in Assisi in einer Position der Schwäche, nicht der Stärke.

Der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, betonte, dass man nicht hergekommen sei, um den kleinsten gemeinsamen Nenner festzustellen. Man wolle in aller Verschiedenheit aus der Tiefe des eigenen Glaubens sprechen; die Welt solle erkennen, wie viel Weisheit die Religionen im Angesicht der Unkenntnis und des Misstrauens der Welt zu bieten hätten.

Olav Fykse Tveit – Generalsekretär des Weltkirchenrates – richtete seinen Blick auf die nachfolgenden Generationen: Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit seinen Gefahren für den Frieden, man dürfe mit der Zukunft der Jugend nicht spielen.

Der Vertreter des israelischen Großrabbinats, David Rosen, betonte, Frieden stelle mehr als nur eine pragmatische Notwendigkeit dar. Glaubende strebten nach einem höheren, göttlichen Frieden. Rosen dankte Benedikt XVI. für seine Initiative zu einem weiteren Weltfriedenstreffen 25 Jahre nach der ersten Zusammenkunft, zu der Johannes Paul II. im Jahr 1986 eingeladen hatte.

Den besonderen Beitrag der Ur-Religionen betonte Wande Abimbola Awise Agbaye, Sprecher der afrikanischen Religionen der Ifu und der Yoruba. Gemäß seiner religiösen Tradition sang er Teile seines Beitrages. Zusammenarbeit und das Erkunden der eigenen Wurzeln müsse zusammen geschehen, so Abimbola, ebenso der Respekt sowohl für den Menschen als auch für die Natur, unsere Mutter.

Der Vertreter der Hindu, Scharia Shri Shrisvatsa Goswami, betonte den inneren Weg des Pilgerns. Rein äußerlich ließen sich die obersten Werte der Menschen nicht erreichen. Friede sei dieser Weg. Die vergangenen 25 Jahre seit dem ersten Treffen hätten aber gezeigt, dass auf diesem inneren Weg noch viel zu tun sei.

Dem fügte der Vertreter des Buddhismus Ja-Seung hinzu, dass das nur gemeinsam zu schaffen sei. Menschen seien nicht getrennte Individuen, sie seien in ihrem Menschsein miteinander verbunden, es brauche „Bruderschaften des Lebens“, „Bruderschaften für Frieden“, „Bruderschaften des Teilens“. Bei allen kulturellen Unterschieden sei Wahrheit nur gemeinsam zu finden.

Dass Menschen des Glaubens oft Teil der Problems und nicht Teil der Lösung sind betonte der Vertreter des Islam, Kyai Haji Hasym Muzadi, wohl auch im Blick auf den Terrorismus. Umso wichtiger sei es, den jeweils eigenen Glauben richtig verstehen zu wollen. Jede Religion besitze ihre eigene Identität, zwischen den Religionen gebe es Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten, das alles gelte es als Reichtum zu erkennen und nicht als Gefahr.

Das Friedenstreffen von Assisi ist nicht einfach nur eine Weiterführung einer Idee, es ist eine Weiterentwicklung. Durch die Einladung an Nichtglaubende hat Benedikt XVI. dem Treffen eine eigene Prägung hinzugefügt. So interpretierte die Philosophin Julia Kristeva die Worte Johannes Pauls II. „Habt keine Angst“ als nicht nur an Gläubige gerichtet, weil sie dazu aufforderten, dem Totalitarismus zu widerstehen. Zum ersten Mal sei die Menschheit in der Lage, sich selbst zu zerstören. Aber dieses Treffen in Assisi sei Zeugnis dafür, dass die Annahme der Zerstörung nicht die einzig mögliche Annahme sei. „Wir müssen auf die Fähigkeit von Männern und Frauen setzen, gemeinsam zu glauben und zu erkennen“. So würde der Humanismus auch in Zukunft seine kreativen Fähigkeiten erhalten, so Kristeva.

http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=532738

Weltfriedenstreffen in Assisi
Religiöse Führer aus aller Welt rufen zum Frieden auf

25 Jahre nach dem ersten Weltfriedenstreffen von Assisi kommen Religionen und Kirchen erneut dort zusammen. Religiöse Führer aus aller Welt sprachen gemeinsam mit Papst Benedikt XVI. einen Friedensappell aus. Glaube dürfe niemals als Vorwand für Krieg missbraucht werden, erklärten sie.

http://www.tagesschau.de/ausland/papst1318.html