Archiv

Somalia

Hunderte Verdächtige nach Granatenanschlägen in Kenia festgenommen

Tödliche Attacke auf Zivilisten an der Grenze zu Somalia

Addis Abeba/Nairobi – Kenianische Behörden haben Hunderte Verdächtige festgenommen, die an einer tödlichen Attacke auf Zivilisten an der Grenze zu Somalia beteiligt gewesen sein sollen. Dies berichtete der örtliche Fernsehsender KTN am Freitag. Bei zwei Granatenangriffen auf ein Hotel und in einem beliebten Einkaufsviertel waren am Donnerstag in der Stadt Garissa im Osten Kenias drei Menschen getötet und 27 verletzt worden. Es wird angenommen, dass der Anschlag von Anhängern der somalischen Al-Shabaab-Miliz ausgeführt wurden.

  • MEHR ZUM THEMA
  • Leben:Bank Austria, immer für Sie da
  • Werbung

Bei den Festgenommenen handelt es sich den Angaben zufolge größtenteils um Somalier, die in der Gegend leben. Im vergangenen Monat waren mehrere Europäer auf kenianischem Territorium vermutlich von der islamistischen Al Shabaab ins Nachbarland verschleppt worden. Nairobi hatte daraufhin Truppen nach Somalia entsandt, wahrscheinlich um eine Pufferzone im Grenzgebiet zu schaffen. (APA)

Unicef schlägt Alarm

Hunderttausende Kinder in Afrika vom Tod bedroht

Die Hungersnot in Ostafrika ist offenbar weiter dramatisch. In Kenia, Somalia, Äthiopien und Dschibuti sind nach Unicef-Angaben immer noch schätzungsweise 320.000 Kinder so stark ausgezehrt, dass sie die kommenden Monate ohne internationale Hilfe nicht überstehen können.

Die Katastrophe sei nicht vorbei, sagte der Leiter der Unicef-Nothilfe in Ostafrika, Elhadj As Sy, in Berlin. Das UN-Kinderhilfswerk warb für seine Weihnachtsaktion unter dem Motto „Zeit zu teilen“ und um Spenden.

Schlimmste Lage seit 20 Jahren

Nothilfe-Leiter As Sy erklärte, die Situation in Somalia sei seit 1991/1992 nicht mehr so dramatisch gewesen wie jetzt. Die Aussichten für die kommende Ernte seien nicht gut. Anfang der 1990er-Jahre waren bei einer Hungerkatastrophe hunderttausende Menschen gestorben.

Im kenianischen Flüchtlingslager Dadaab leben 460.000 Menschen – das Lager sei zur drittgrößten Stadt des Landes geworden, berichtete As Sy. Ein Auslöser der Katastrophe war der fehlende Regen. Im von Krieg und Gewalt zerrütteten Somalia wird die Hilfe zudem durch die unruhige politische Lage erschwert.

„Die Hilfe kommt an“

In Deutschland sammelte Unicef bislang 16,1 Millionen Euro Spenden, was die Organisation als „sehr großzügig“ wertet. „Bitte lassen Sie nicht nach in Ihrer Hilfsbereitschaft“, sagte As Sy. Mehr als 100.000 akut bedrohte Jungen und Mädchen wurden laut Unicef bereits wieder aufgepäppelt. Die Hilfe komme an, versicherte die Organisation.

Bis Ende des Jahres würden für die Nothilfe zusätzlich rund 30 Millionen Euro gebraucht, darunter zur Behandlung von lebensgefährlichem Durchfall und Cholera, für Hygieneartikel, Ernährungsprogramme und Essensgutscheine.

http://www.tagesschau.de/ausland/hungersnotostafrika100.html

http://www.democracynow.org/2011/11/1/headlines

The Kenyan military is being accused of bombing a camp in Somalia that provides shelter to 1,500 internally displaced households. According to the group Doctors Without Borders, the air raid killed at least five people and wounded 45 others, including 31 children. Kenya confirmed it bombed the camp, but claimed the only casualties were members of the militant group al-Shabab. Kenyan troops invaded Somalia two weeks ago to hunt down al-Shabab fighters.

Ruf nach Militärhilfe gegen Shabaab-Miliz

01. November 2011 12:56
  • Artikelbild: Kenianische Soldaten auf Patrouillenfahrt. - Foto: AP Photo, File)

    Kenianische Soldaten auf Patrouillenfahrt.

Ministerpräsidenten Kenias und Somalias rufen nach internationaler Unterstützung

Addis Abeba/Nairobi – Kenia und Somalia bitten im Kampf gegen die radikalislamische Shabaab-Miliz um internationale Hilfe. Die Ministerpräsidenten beider Länder teilten nach einem Treffen am Montag mit, es sei internationale Unterstützung nötig, um die Rebellen zu besiegen. Nach dem Gespräch zwischen dem kenianischen Regierungschef Raila Odinga und seinem somalischen Amtskollegen Abdiweli Mohamed Ali waren am Dienstag weitere Treffen von Regierungsmitarbeitern beider Länder mit internationalen Diplomaten in Nairobi geplant, berichtete die kenianische Zeitung „The Standard“.

Die somalische Übergangsregierung will unter anderem den internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag bitten, gegen die Miliz zu ermitteln. Einzelne Mitglieder der Gruppe müssten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt werden. Zudem müsse die somalische Hafenstadt Kismayuo, die als Hochburg der Shabaab gilt, mit internationaler Unterstützung besser überwacht werden.

http://derstandard.at/1319181714491/Ruf-nach-Militaerhilfe-gegen-Shabaab-Miliz

Angesichts der Esklation in Somalia noch einmal diese Information über die Verwicklung Deutschland in den Krieg in Ostafrika

Zuletzt aktualisiert: 22.07.2010 um 11:16 UhrKommentare

Deutsche bilden womöglich Kindersoldaten aus

Die deutsche Bundesregierung kann nach einem Pressebericht nicht ausschließen, dass Deutschland in Afrika auch Minderjährige zu Soldaten für Somalia ausbildet. Eigentliches Ziel der Soldatenausbildung: Stabilität in Somalia.

In Somalia kämpfen verfeindete Warlords gegeneinanderFoto © APAIn Somalia kämpfen verfeindete Warlords gegeneinander

Dies gehe aus einer Antwort des Auswärtigen Amtes auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, berichtete die „Frankfurter Rundschau“ (Donnerstagausgabe). Darin heiße es, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass unter den Rekrutierten auch Minderjährige seien. Die Auswahl der Soldaten falle in die „Verantwortung der somalischen Übergangsregierung“. Wie es in dem Zeitungsbericht weiter hieß, sind die Truppen der Übergangsregierung laut den Vereinten Nationen dafür bekannt, Kindersoldaten zu rekrutieren.

EU-Trainingsmission

Deutschland beteiligt sich an einer EU-Trainingsmission für Somalia mit bis zu 20 Bundeswehrsoldaten. Sie helfen in Uganda, binnen eines Jahres 2.000 somalische Soldaten auszubilden. Diese sollen dann die somalischen Übergangsregierung stützen. Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) besucht während seiner Afrika-Reise am Donnerstag das Ausbildungslager in Uganda.

Der „Frankfurter Rundschau“ zufolge gibt es auch Zweifel daran, ob die Ausbildung der Soldaten durch die deutsche Bundeswehr wirklich dabei hilft, den seit 1991 währenden Bürgerkrieg in Somalia zu beenden. Die Linksfraktion verweise auf Statistiken, wonach von den 17.000 somalischen Soldaten und Polizisten, die Äthiopien zwischen 2006 und 2008 ausgebildet hatte, bereits Ende 2008 nur noch 3.000 für die somalische Übergangsregierung aktiv waren. Viele der übrigen dürften nach dem Bericht zu oppositionellen Milizen übergelaufen sein.

Islamistische Al-Shabaab-Miliz droht Kenia mit Krieg
27. Oktober 2011 14:44
Reaktion auf Einmarsch kenianischer Truppen in Somalia

Mogadischu – Die islamistische Al-Schabaab-Miliz in Somalia hat dem Nachbarland Kenia mit Krieg und gewaltigen Anschlägen gedroht. Die Islamisten reagierten damit auf den Einmarsch des kenianischen Militärs, das sie seit knapp zwei Wochen auf somalischem Boden verfolgt.

„Die Zeit, Kenia zur Beendigung des Krieges aufzufordern, ist abgelaufen“, rief Scheich Muktar Abu Mansur, ein ranghoher Vertreter der mit Al-Kaida verbündeten Al-Schabaab, auf einer Kundgebung nahe der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Die einzige Option sei der Kampf gegen das Nachbarland. „Kenia, du hast den Krieg begonnen, und nun musst du die die Konsequenzen tragen.“ Mansur forderte die von Al-Kaida in Afghanistan trainierten Kämpfer auf, nicht länger nur Granaten auf Busse zu werfen. „Wir brauchen einen gewaltigen Anschlag auf Kenia. Handgranaten zu werfen kann sie verletzen, aber wir wollen riesige Explosionen.“

Vier Tote bei Anschlag in Kenia

Am Donnerstag wurden bei einem erneuten Anschlag in Kenia nach Behördenangaben mindestens vier Mitarbeiter der Regierung getötet. Unbekannte hätten im Nordosten im Grenzgebiet zu Somalia ein Fahrzeug mit Granaten angegriffen. In den vergangenen Tagen hatte es bereits zwei Anschläge gegeben, bei denen zwanzig Menschen verletzt und einer getötet wurde.

Die Regierung in Nairobi macht Al-Schabaab für die Entführung zahlreicher Ausländer aus Kenia verantwortlich. Die Islamisten bestreiten dies. Das kenianische Militär hatte vor zwölf Tagen eine Offensive gegen die Al-Schabaab-Miliz im Nachbarland Somalia begonnen und ist auch auf somalischen Boden vorgedrungen.

Dazu habe Kenia auch das Recht, sagte Somalias Ministerpräsident Abdiweli Mohamed Ali in einem Reuters-Interview. Allerdings müsse klar sein, dass Somalia die Führungsrolle habe. „Unser Militär hat die Führung bei allen Einsätzen, die in Somalia stattfinden.“ Er unterstütze den Einsatz des kenianischen Militärs gegen die terroristische Al-Schabaab in Somalia, weil die kenianischen Soldaten den somalischen Truppen hülfen und sie trainierten, sagte der Ministerpräsident. „Wir sind Kenia sehr dankbar.“ Seine Regierung unterstütze jede Selbstverteidigung Kenias gegen die Al-Schabaab-Miliz, da deren Anschläge der Wirtschaft schadeten.

Die Anschläge und Entführungen ausländischer Urlauber und Entwicklungshelfer beeinträchtigen den Tourismus – eine wichtige Einnahmequelle Kenias. Außerdem belasten sie Kenias Hilfe für die mehr als 400.000 somalischen Flüchtlinge, die das Land aufgenommen hat. (Reuters)

 

http://derstandard.at/1319181382688/Islamistische-Al-Shabaab-Miliz-droht-Kenia-mit-Krieg

 

Nachdem die Nato das Mandat zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung mißbraucht hat, einen völkerrechtswidrigen Krieg zu führen, um ihren langjährigen Opponenten Gaddafi zu beseitigen und einen Regimewechsel durchzusetzen, töten, schießen und bomben die Natomitglieder USA und Frankreich jetzt bereits im nächsten Land. Wieder ohne Beschluss des Weltsicherheitsrates.Diesmal mißbraucht man nicht mal einen anderen Beschluss.

Ein kenianischer Militärsprecher teilte mit, dass ein französisches Kriegsschiff am Wochenende das städtchen Koday beschossen hat. Außerdem hätten französische Kampflugzeuge Somalia bombardiert. Auch die US-Marine soll an den Angriffen beteiligt sein, so die Andeutungen des kenianischen Militärssprechers. Darüber berichtet die Frankfurter Rundschau (FR). Offiziell habe die USA und Frankreich zwar dementiert, in Kenia arbeitende Diplomaten hätten  die Angriffe aber ebenfalls bestätigt.

Die Truppen derAfrikanischen Union, die Somlia eine Regierung aufzwingen sollen, die keinerlei demokratische Legitimation hat, werden schon seit über einem Jahr von Soldaten aus  USA und Frankreich trainiert.  Deutschland bildet bewaffnete Kräfte für diese von Außen eingesetzte Regierung aus, die nur die Hauptstadt kontrolliert, und auch das nur durch den Einsatz nichtsomalischer Soldaten.

Auch an den direkten Kämpfen, mit denen die Soldaten der Afrikanischen Union, vor allem aus Uganda und Burundi, die somalischen Milizen aus Mogadischu vertrieben haben, waren Soldaten aus den USA und Frankreich beteiligt: Ex-Offiziere, die der privaten Sicherheitsgesellschaft „Bancroft Global Development“ angestellt sind.So die FR am. 25.10.2011.

http://derstandard.at/1319180876189/Terror-in-Somalia-Kenia-wird-das-naechste-Ziel-al-Shabaabs-sein

Terror in Somalia

„Kenia wird das nächste Ziel al-Shabaabs sein“

Interview | Teresa Eder, 24. Oktober 2011 12:33
  • Die radikal-islamistische Miliz al-Shabaab ist in Somalia seit 2006 öffentlich aktiv. Sie kämpft gegen die derzeitige Übergangsregierung, will einen islamischen Staat mit strenger Auslegung der Scharia.

  • Markus V. Höhne (Dr. des.) arbeitet am Max-Planck.Institut für
    ethnologische Forschung in Halle. Er ist der Herausgeber (mit Virginia Luling) des Buches Milk and Peace, Drought and War. Somalai culture, Society and Politics (London, 2010)


  • Vergangene Woche haben Shabaab-Milizen mehr als siebzig Soldaten der Afrikanischen Union getötet (AU). Was bleibt, sind die Waffen.

Ethnologe Markus Höhne über Angriffe der Al-Shabaab-Miliz, die auch auf das Urlaubsland Kenia übergreifen könnten

In den letzten Wochen sorgte der schon lang schwelende Konflikt zwischen der islamistischen Al-Shabaab Miliz und der somalischen Regierung wieder für internationale Schlagzeilen. Nach Entführungen westlicher Touristen und Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen beschloss Kenia außerdem in Somalia einzumarschieren (derStandard.at berichtete). Die USA gaben Anfang der Woche eine Warnung aus, nach Kenia zu reisen. Terroranschläge seien zu befürchten. Wie der somalische Bürgerkrieg auch die umliegenden Länder betrifft und welche Maßnahmen den Konflikt entschärfen könnten, erklärt Ethnologe Markus Höhne im derStandard.at-Interview.

  • MEHR ZUM THEMA
  • Reisen:Jetzt buchen! Flüge ab 44,99€ – flyniki.com
  • Werbung

***

derStandard.at: Die Ereignisse in Somalia überschlagen sich in den letzten Wochen. Zuerst Entführungen von Mitarbeiterinnen von Ärzte ohne Grenzen, dann der Einmarsch Kenias in Somalia. Außerdem vermeldet al-Shabaab 70 Soldaten der Afrikanischen Union getötet zu haben. Steuern wir auf einen neuen Höhepunkt des schon lange schwelenden Konflikts zu?

Höhne: Der Konflikt ist noch lange nicht beendet. Viele haben sich im August 2011 wohl dazu verleiten lassen zu glauben, dass mit dem Rückzug von al-Shabaab aus der somalischen Hauptstadt Mogadischu al-Shabaab besiegt ist und die Übergangsregierung die Macht übernehmen wird. Das war ein Fehlschluss, der nicht fundiert war. Al-Shabaab kontrolliert nach wie vor circa 50 Prozent des Landes. Der Rückzug aus der Hauptstadt war strategischer Natur bzw. Ausdruck einer momentanen Schwächung al-Shabaabs, bedeutete jedoch nicht ein Ende des Kampfes, und das zeigt sich eben gerade jetzt wieder.

derStandard.at: Aus welchen Gründen hat sich al-Shabaab im August denn dafür entschieden, aus Mogadischu abzuziehen?

Höhne: Das hängt unter anderem eng mit der aktuellen Hungersnot zusammen. Die USA haben 2009 die Devise ausgegeben, dass ihre Hilfsgelder nicht in Gebieten verwendet werden dürfen, die von al-Shabaab kontrolliert werden. Al-Shabaab hat schon länger internationale „westliche“ Hilfsorganisationen gegängelt und auch erpresst. Ende 2009 kam es dann zu einem Konflikt zwischen den Islamisten und dem world food programme (WFP), das dann Anfang 2010 die Arbeit in Somalia einstellte. Krieg, die Politisierung humanitärer Hilfe und eine periodische Dürre führten dann im Frühjahr 2011 zu der bekannten Hungerkatastrophe. Diese hat die Kräfte von al-Shabaab unterminiert, denn al-Shabaab rekrutiert, auch mit Zwang, unter der loaklen Bevölkerung, die dann aber vor dem Hunger zu fliehen versuchte. Das war ein Grund für den Rückzug aus Mogadischu. Al-Shabaab war 2008 bis 2010 die domininierende Kraft in Südsomalia.

derStandard.at: Als es 2007 die äthiopische Militärintervention gab und mehr als 10.000 Soldaten  einmarschiert sind, ist die Gewalt in Somalia eskaliert. Stehen wir jetzt nach dem Einmarsch Kenias vor einer ähnlichen Situation?

Höhne: Die Äthiopier haben den Fehler gemacht, dass sie bis nach Mogadischu marschiert sind. Da haben sie ganz viele Somalis gegen sich aufgebracht. Die Hauptstadt wurde besetzt, Frauen vergewaltigt und Zivilisten getötet. Wenn Kenia dasselbe machen würde, würde das auch zu ähnlichen Reaktionen führen.

Allerdings marschieren die Kenianer mit weniger Truppen ein. Sie haben auch ein klareres Ziel. Es ist ein Vergeltungsschlag für die Entführung westlicher Touristen von Kenia nach Somalia. Man kann darüber streiten, ob diese Entführungen direkt von Al-Shabaab durchgeführt oder in Auftrag gegeben wurden, oder ob das Kriminelle waren, die diese Leute an al-Shabaab verkaufen wollten. Das ist alles sehr undurchsichtig. Allerdings hat erst vor wenigen Tagen der Sprecher von al-Shabaab angekündigt, dass man gegen Kenia vorgehen wird.

Und Kenia wird das nächste Ziel al-Shabaabs sein. Es gibt in Mombasa, Nairobi und anderen großen Städten des Landes große somalische Gemeinschaften. Es ist ein offenes Geheimnis, dass al-Shabaab dort präsent ist. Experten sagen, es ist nur eine Frage Zeit, bis dort Anschläge verübt werden. Klarerweise wird dabei auch versucht, die Tourismusindustrie zu treffen.

derStandard.at: Was ist das konkrete Ziel, das Kenia vor Augen hat, wenn es jetzt in Somalia einmarschiert? Wann ist die Mission erfüllt?

Höhne: Es gibt in Südsomalia einen neuen Teilstaat, Azania, der als Pufferstaat entlang der kenianischen und somalischen Grenze fungieren sollte. Er wurde vor einem Jahr auf Drängen Kenias hin gegründet um al-Shabaab zu bekämpfen und aus Kenia herauszuhalten. Doch de facto funktioniert das sehr schlecht. Jetzt müssen die Kenianer die Arbeit selber machen und vor Ort für Ordnung sorgen.

Wenn Azania besser funktionieren würde, könnte man sich militärisch aus der Schusslinie nehmen. Ich bezweifle, dass sich das in naher Zukunft ändert. Solange sich Kenia nur auf die Kontrolle der Grenzregion beschränkt, auch auf der somalischen Seite, ist das in den Augen der meisten Somalis noch legitim und könnte größere militärische Operationen von al-Shabaab in Kenia verhindern. Terroranschläge, z.B. in Nairobi, können so aber sicher nicht verhindert werden.

derStandard.at: Wie lässt es sich erklären, dass die derzeitige Übergangsregierung in Somalia so derartig schwach ist, dass sogar andere Staaten mit deren Einverständnis einmarschieren dürfen?

Höhne: Das ist ein Drama, das sich schon seit 20 Jahren hinzieht. Die somalischen Akteure, die sich selber in die Politik begeben und auch von externen Mächten anerkannt werden, waren immer diejenigen, denen man den Staat am allerwenigsten anvertrauen sollte. Mit wem haben die Amerikaner in den 90er Jahren verhandelt, als es darum ging nach dem Bürgerkrieg einen neuen Staat aufzubauen? Mit Aidid und Ali-Mahdi, den übelsten Warlords ihrer Zeit. Es wurden auch später immer die militärischen Akteure und Kriegstreiber privilegiert. Übrigens, in Nordsomalia, fernab externer Interventionen, gelang es den Menschen den Bürgerkrieg zu beenden und relativ stabile staatliche Strukturen aufzubauen. Die dort in den 90er Jahren gegründeten „Staaten“ Somaliland und Puntland funktionieren bis heute, werden aber international nicht anerkannt.

Eine Lehre, die man daraus ziehen kann, ist: je weniger Intervention, desto besser. Lassen wir die Somalis einfach mal machen. Man müsste auch Äthiopien, Kenia und Dschibuti davon abhalten, diese Stellvertreterkonflikte voranzutreiben.

derStandard.at: Sie glauben also, dass al-Shabaab von selbst friedlich werden würde, wenn sich alle externen Kräfte aus dem Konflikt heraushalten?

Höhne: Das treibt meine Aussage natürlich auf die Spitze. Man hätte 2006 die Union islamischer Gerichte einfach machen lassen sollen, die waren nämlich vor Ort bei den Leuten akzeptiert und noch nicht so gewalttätig. Es hat damals geheißen, sie seien die somalischen Taliban, aber das war vollkommen übertrieben. Die Äthiopier wurden dann von den Amerikanern dabei unterstützt, sie wegzubomben. Jetzt haben wir al-Shabaab, die zehn Mal so schlimm sind

Es ist allerhöchste Zeit einen neuen Stil von Politik in Somalia zu favorisieren. Man kann nicht immer sagen, wir richten Somalia militärisch zurecht. Man kann nicht sagen, wir etablieren irgendwelche nicht-legitimen Führer, und wenn sie sich nicht durchsetzen können, helfen wir ihnen eben militärisch. Es gibt kein Beispiel weltweit, wo so etwas gut gegangen ist. Der erste Schritt kann jetzt aber nicht sein, die Armeen abzuziehen und al-Shabaab an das Ruder zu lassen. Vielmehr müsste ein ernsthafter Dialog mit allen Akteuren vor Ort gestartet werden.

derStandard.at: Ist es nicht naiv zu glauben, dass der Dialog irgendetwas ändern wird? Etwa die islamistische Ideologie von al-Shabaab?

Höhne: Al-Shabaab ist sehr vielschichtig. Es gibt eine kleine Gruppe, die ideologisch sehr extrem ausgerichtet ist und mit denen man nicht reden kann. Aber es gibt eine ganze Menge Kämpfer und lokale Anführer, die keinen globalen Djihad wollen. Sie haben nur eine somalische Agenda. Natürlich sagen sie, dass sie Mudschaheddin sind und für den Islam kämpfen, aber viele machen das auch aus Verzweiflung. Die al-Shabaab Kämpfer werden bezahlt; das hilft ihnen und ihren Familien in einem zerfallenen Staat beim Überleben. Es ist für sie zudem allemal besser, für den Islam zu kämpfen als für einen einen Warlord oder im Auftrag der Amerikaner.

Eine säkulare Regierung wird es nicht geben, die will auch kaum ein Somali haben. Somalis sind Moslems und relativ konservativ. Die externen Interventionen vor allem Äthiopiens haben das noch verstärkt. Als Vertreter des Westens hinzugehen und zu sagen, dass man eine säkulare Regierung braucht, die die Rechte der Frauen stärkt und so weiter, ist zum Scheitern verurteilt. Man muss nach einem Minimalkonsens suchen. Etwa einer Garantie, dass Somalia die Nachbarstaaten nicht angreift. Dass kein globaler islamischer Terrorismus unterstützt wird. Dass die Regierung innerhalb Somalias auf islamischen Prinzipien beruht und auch die Nachbarstaaten davon abgehalten werden, in Somalia einzumarschieren.

Die derzeitige Regierung ist ein nichtsnutziger Verein. Sharif Sheikh Ahmed ist ein korrupter, gekaufter, vor Ort überhaupt nicht legitimierter Präsident. Es steht auch im jüngsten Report der UN-Monitoring Group, dass die derzeitige Führung in einem Maße korrupt ist, das unerträglich ist. Fast 90 Prozent der Gelder, die an diese Regierung gehen, werden missbraucht. Das ist also bekannt, und trotzdem versucht die internationale Gemeinschaft, in diesem Stil weiterzumachen. Wenn man so arbeitet, braucht man sich auch nicht wundern, dass Somalia nach wie vor im Dreck steckt. (Teresa Eder/derStandard.at, 23.10.2011)