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Zukunftsfähigkeit

Vor UN-Klimagipfel in Durban
Töpfer beklagt Anstieg der C02-Emissionen

Der frühere Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, hat vor der UN-Klimakonferenz in Durban die weitere Zunahme der Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) beklagt. „Man könnte fast resignieren“, sagte Töpfer dem Deutschlandfunk. „Im letzten Jahr haben wir einen Rekordanstieg an CO2 gehabt in der Welt, 5,8 Prozent.“

Laut Kyoto-Protokoll sollte eine deutliche Verringerung der Treibhausgas-Emissionen erreicht werden. Das viele Reden habe „noch nicht zu Taten geführt“, sagte Töpfer.
„Anpassen statt verhindern“

Töpfer fordert, dass mehr über Anpassung an den Klimawandel gesprochen wird.
Inzwischen dürfe aber nicht mehr nur nach der Verringerung der CO2-Emissionen gefragt werden. Vielmehr sei der Klimawandel „nicht mehr vermeidbar“ und es müsse gefragt werden, wie sich die Menschheit dem „anpassen“ könne.

Töpfer ermunterte die deutschen Politiker dazu, dafür zu sorgen, dass das Land „immer wieder an der technologischen Spitze“ stehe. Derzeit würden „70 Prozent der Produkte der Windenergie exportiert“.

Vertreter von mehr als 190 Staaten verhandeln ab morgen im südafrikanischen Durban zwei Wochen lang über Maßnahmen zum Kampf gegen die Erderwärmung. Wichtige Themen der UN-Klimakonferenz sind ein Fahrplan für ein globales Klimaschutzabkommen und die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls, dessen erste Verpflichtungsperiode Ende 2012 ausläuft.

http://www.tagesschau.de/ausland/durban108.html

Erst in den letzten Monaten blickte die deutsche Politik in den Abgrund und erschrak. Seither wird die Kanzlerin nicht müde, drinnen und draußen zu erklären: „Scheitert der Euro, scheitert auch Europa.“ Aber jetzt ist sie Gefangene der eigenen Festlegungen. Eine mittelfristig überzeugende, die Finanzmärkte beruhigende Lösung bleibt vom deutschen Nein blockiert.

Die Renationalisierung in deutschen Köpfen bestätigt sich in den neuen institutionellen Vorschlägen für die Reform der Euro-Gruppe. Die dort geplante Wirtschaftsregierung ist wenig mehr als ein traditionelles Staatenkonzert, in dem jeder nach nationalem Eigennutz handelt und die Großen den Ton angeben. Es mag ja sein, dass für eine Übergangszeit nichts anderes übrig bleibt. Aber die Erwartung, die Krise Europas könne dauerhaft ohne Souveränitätsverzicht aller gemeistert werden, entbehrt der Realität erst recht. Allzu leicht wird die Übergangs- zur Dauerlösung, verfestigt sich die Notkonstruktion zur Gott-gegebenen.

Schon jetzt frohlockt mancher bei uns, endlich hätten nun die Großen in Europa das Sagen, während die Vertreter kleiner Mitgliedsstaaten sich in Bescheidenheit zu üben hätten. Wer meint, Deutschlands Wohlergehen, nicht nur Europas Handlungsfähigkeit, wären bei Missachtung der kleineren Partner zu haben, hat offenbar im Geschichtsunterricht gefehlt.

Noch ist das Undenkbare nur denkbar. Die europäische Integration ist aus den meisten ihrer Krisen gestärkt hervorgegangen, und vielleicht wird es auch diesmal so sein. Vielleicht erzwingt die Schwere dieser noch lange währenden Krise ja einen regelrechten Bewusstseinsschub.

Aber eins ist schon jetzt gewiss: wenn Deutschland seine europäische Führungsverantwortung nicht wahrnimmt, rückt die Desintegration näher. Die Hoffnung auf die strategische Weitsicht und europäische Überzeugungskraft deutscher Spitzenpolitiker wäre größer, hätten sie die europäische Sache nicht so lange schleifen lassen.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-11/Deutschland-EU-Politik/seite-2

Erste Informationen aus dem IPCC-Extremwetterbericht
Größere Hitze und zerstörerische Hurrikans

Der Weltklimarat (IPCC) rechnet mit mehr Hitzewellen in Europa, zunehmender Dürre in Afrika und einem steigenden Meeresspiegel. Dies wurde bereits vorab aus dem Extremwetterbericht bekannt, der am Freitag offiziell im ugandischen Kampala vorgestellt werden soll.

Weltweit geht der IPCC bis zum Jahr 2100 von einem durch den Treibhauseffekt verursachten Temperaturanstieg um ein bis fünf Grad Celsius aus. Insbesondere in den westeuropäischen Mittelmeerstaaten rechnen die Forscher dadurch mit Hitzewellen wie der von 2003. Da sich das Land stärker aufheize als das Meer, könnten es dort dann mehr als sechs Grad sein, machte der Kieler Klimaforscher Mojib Latif deutlich.

Für die USA und die Karibik prognostizieren die Experten noch zerstörerische Hurrikans, die kleinen pazifischen Inseln sind weiter durch einen Anstieg des Meeresspiegels bedroht. In Westafrika rechnet der IPCC vor allem in den Regionen mit noch mehr Dürre, in denen es bereits Hungersnöte gibt. Einige Regionen könnten so praktisch unbewohnbar werden, warnen die Experten.

Ärmere Staaten leiden besonders unter Klimawandel

Wie stark sich Überschwemmungen und Dürre auswirkten, hänge auch von den Maßnahmen ab, die gegen solche extremen Wetterphänomene ergriffen würden, heißt es in dem Bericht. Bei teuren Vorkehrungen wie Frühwarnsystemen oder stabileren Gebäuden seien ärmere Länder aber im Nachteil, weil ihnen dafür schlichtweg die Finanzkraft der wohlhabenden Industriestaaten fehle.

In den Extremwetterbericht flossen Tausende Studien ein. Er soll auch Teil des nächsten großen Klimaberichts sein, der 2014 veröffentlicht wird. Der 1988 gegründete IPCC wurde 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, weil er den Klimawandel in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt hatte.

http://www.tagesschau.de/ausland/ipccextremwetterbericht100.html

World headed for irreversible climate change in five years, IEA warns

If fossil fuel infrastructure is not rapidly changed, the world will ‚lose for ever‘ the chance to avoid dangerous climate change

Pollution due to carbon emissions due to rise says IEA : Coal burning power plant, Kentucky, USA

Any fossil fuel infrastructure built in the next five years will cause irreversible climate change, according to the IEA. Photograph: Rex Features

The world is likely to build so many new fossil-fuelled power stations,energy-guzzling factories and inefficient buildings in the next five years that it will become impossible to hold global warming to safe levels, and the last chance of combating dangerous climate change will be „lost for ever“, according to the most thorough analysis yet of world energy infrastructure.

Anything built from now on that produces carbon will continue to do so for decades to come, and this „lock-in“ effect will be the single factor most likely to produce irreversible climate change, the world’s foremost authority on energy economics has found. If this infrastructure is not rapidly changed within the next five years, the results are likely to be disastrous.

„The door is closing,“ Fatih Birol, chief economist at the International Energy Agency, told the Guardian. „I am very worried – if we don’t change direction now on how we use energy, we will end up beyond what scientists tell us is the minimum [for safety]. The door will be closed forever.“

Every month now counts: if the world is to stay below 2C of warming, which scientists regard as the limit of safety, then emissions must be held to no more than 450ppm of carbon dioxide in the atmosphere; the level is currently around 390ppm. But the world’s existing infrastructure is already producing 80% of that „carbon budget“, according to a new analysis by the IEA, published on Wednesday. This gives an ever-narrowing gap in which to reform the global economy on to a low-carbon footing.

If current trends continue, and we go on building high-carbon energy generation, then by 2015 at least 90% of the available „carbon budget“ will be swallowed up by our energy and industrial infrastructure. By 2017, there will be no room for manoeuvre at all – the whole of the „carbon budget“ will be spoken for, according to the IEA’s calculations.

Birol’s warning comes at a crucial moment in international negotiations on climate change, as governments gear up for the next fortnight of talks in Durban, South Africa, from late November. „If we do not have an international agreement, whose effect is put in place by 2017, then the door to [holding temperatures to 2C of warming] will be closed forever,“ said Birol.

But governments around the world are preparing to postpone yet again a speedy conclusion to the negotiations. Originally, the aim was to agree a successor to the 1997 Kyoto protocol, the only binding international agreement on emissions, after its current provisions expire in 2012. But after years of setbacks, an increasing number of countries – including the UK, Japan and Russia – now favour postponing the talks for several years. Both Russia and Japan have spoken in recent weeks of aiming for an agreement in 2018 or 2020, and the UK has supported this move. Greg Barker, the UK’s climate change minister, told a meeting: „We need China, the US especially, the rest of the Basic countries [Brazil, South Africa, India and China] to agree. If we can get this by 2015 we could have an agreement ready to click in by 2020.“

Birol said this would clearly be too late. „I think it’s very important to have a sense of urgency – our analysis shows [what happens] if you do not change investment patterns, which can only happen as a result of an international agreement.“

Nor is this a problem of the developing world, as some commentators have sought to frame it. In the UK, Europe and the US, there are multiple plans for new fossil-fuelled power stations that would contribute significantly to global emissions over the coming decades.

The Guardian revealed in May an IEA analysis finding emissions had risen by a record amount in 2010 despite the worst recession for 80 years. Last year, a record 30.6 gigatonnes of carbon dioxide poured into the atmosphere from burning fossil fuel, a rise of 1.6Gt on the previous year. At the time, Birol told the Guardian that constraining global warming to moderate levels would be „only a nice Utopia“ unless drastic action was taken.

Today’s research adds to that finding, by showing in detail how current choices on building new energy and industrial infrastructure are likely to commit the world to much higher emissions for the next few decades, blowing apart hopes of containing the problem to manageable levels. The IEA’s data is regarded as the gold standard in emissions and energy, and it is widely regarded as one of the most conservative in outlook – making today’s warning all the more stark.

The central problem is that most of the industrial infrastructure already in existence around the world – the fossil-fuelled power stations, the emissions-spewing factories, the inefficient transport and buildings – are already contributing to the current high level of emissions, and will continue to do so for decades to come. Carbon dioxide, once released into the atmosphere, stays there and continues to have a warming effect for about a century, and industrial infrastructure is built to have a useful life of several decades at least.

Yet, despite intensifying warnings from scientists over the past two decades, the new infrastructure even now being built is constructed along the same lines as the old, which means that there is a „lock-in“ effect – high-carbon infrastructure built today or in the next five years will contribute as much to the stock of emissions in the atmosphere as previous generations.

This „lock-in“ effect is the single most important factor increasing the danger of runaway climate change, according to the IEA in its annual World Energy Outlook, published on Wednesday.

Climate scientists estimate that global warming of 2C above pre-industrial levels marks the limit of safety, beyond which climate change becomes catastrophic and irreversible. Though such estimates are necessarily imprecise – warming of as little as 1.5C could cause dangerous sea level rises and an increased risk of extreme weather – the limit of 2C is now inscribed in international accords, including the partial agreement signed at Copenhagen in 2009, by which the biggest developed and developing countries for the first time agreed to curb their greenhouse gas output.

Another factor likely to increase emissions is the decision by some governments to abandon nuclear energy, following the Fukushima incident in Japan early this year. „The shift away from nuclear worsens the situation,“ said Birol. If countries turn away from nuclear energy, the result could be an increase in emissions equivalent to the current emissions of Germany and France combined. Much more investment in renewable energy will be required to make up the gap, but how that would come about is unclear at present.

Birol also warned that China – the world’s biggest emitter – would have to take on a much greater role in combating climate change. For years, Chinese officials have argued that as the country’s emissions per capita were much lower than those of developed countries, it was not required to take such stringent action on emissions. But the IEA’s analysis found that within about four years, China’s per capita emissions were likely to exceed those of the European Union.

In addition, by 2035 at the latest, China’s cumulative emissions since 1900 are likely to exceed those of the EU, which will further weaken Beijing’s argument that developed countries should take on more of the burden of emissions reduction as they carry more of the responsibility for past emissions.

In a recent interview with the Guardian, China’s top climate change official, Xie Zhenhua, called on developing countries to take a greater part in the talks, while insisting that developed countries must sign up to a continuation of the Kyoto protocol – something only the European Union is willing to do. His words were greeted cautiously by other participants in the talks.

The IEA’s World Energy Outlook, published annually, provides the touchstone for global energy trends. This year’s outlook is unusually gloomy, following one of the deepest recessions on record for the developed world. The IEA said: „There are few signs that the urgently needed change in direction in global energy trends is under way. Although the recovery in the world economy since 2009 has been uneven, and future economic prospects remain uncertain, global primary energy demand rebounded by a remarkable 5% in 2010, pushing CO2 emissions to a new high. Subsidies that encourage wasteful consumption of fossil fuels jumped to over $400bn.“

Meanwhile, an „unacceptably high“ number of people – about 1.3bn – still lack access to electricity. If people are to be lifted out of poverty, this must be solved – but providing people with renewable forms of energy generation is still expensive.

Energy demandEnergy demand Source: IEA

http://www.guardian.co.uk/environment/2011/nov/09/fossil-fuel-infrastructure-climate-change

Irlands nächster Präsident ist Unterstützer eines UNO-Parlaments

Am Samstag wurde offiziell bekannt gegeben, dass Michael D. Higgins die Präsidentschaftswahlen in Irland gewonnen hat. Der Friedensaktivist, Soziologe und ehemalige Kulturminister der Labour Party wird Mary McAleese als neunter Präsident Irlands nachfolgen. Wie die Irish Times berichtete, wolle sich Higgins unter anderem “für Gleichberechtigung, Teilhabe und Respekt in

Der neu gewählte Präsident Michael D. Higgins mit Frau Sabina
Bild: Irish Labour Party

einer kreativen Gesellschaft” einsetzen.

Im April 2007 war Higgins, seinerzeit außenpolitischer Sprecher der irischen Labour Party, einer der Erstunterzeichner des internationalen “Aufrufs für die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen”. Ein anderer Unterzeichner war damals Eamon Gilmore, heute irischer Außenminister.

Im Frühjahr 2009 hatte sich Higgins auch dem “Aufruf für eine globale demokratische Beaufsichtigung der internationalen Wirtschafts- und Finanzinstitutionen“ angeschlossen, der anlässlich eines G20-Gipfels in London veröffentlicht wurde. Nach diesem Statement solle ein UNO-Parlament “ein wichtiger Bestandteil des zukünftigen Systems internationaler Finanz- und Wirtschaftsregulierung“ sein.

“Wir gratulieren Herrn Higgins herzlich zu seiner Wahl”, so Andreas Bummel, der Generalsekretär der Kampagne für ein Parlament bei der UNO, der sich in der vergangenen Woche zu Gesprächen in Washington D.C. aufhielt.

Zu den Unterstützern der Kampagne zählen zahlreiche ehemalige Staats- und Regierungschefs und Außenminister, darunter Václav Havel von der Tschechischen Republik.

Expertentagung diskutiert globale Demokratie und UNO-Parlament

Die Einrichtung einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen war eines der Themen einer Expertentagung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN), die Ende letzter Woche in Berlin stattfand. Im Japanisch-Deutschen Zentrum der Freien Universität Berlin kamen Wissenschaftler aus ganz

Die Tagung wurde veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen
Bild: DGVN

Deutschland zusammen, um „Entwicklungstrends zu mehr globaler Demokratie“ zu diskutieren.

Fünfzehn Jahre nach der vom damaligen UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali veröffentlichten „Agenda für Demokratisierung“ sollte eine Zwischenbilanz gezogen werden. Die Vorstellungen des ehemaligen UNO-Generalsekretärs, der auch ein prominenter Unterstützer der Kampagne für ein Parlament bei der UNO ist, war eine Grundlage der zweitägigen Diskussionen.

Der Vorschlag für eine Parlamentarische Versammlung bei der UNO wurde von Peter Spiegel, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Komitees für eine demokratische UNO, bei einem Panel vorgestellt. Spiegel argumentierte, dass eine Demokratisierung der UNO auch eine Maßnahme zur internationalen Demokratieföderung sei. Es müsse die Frage gestellt werden, warum sich die Demokratien der Welt „einer Demokratisierung der internationalen Organisationen in den Weg“ stellten.

Zuvor hatte Professor Lothar Brock von der Universität Frankfurt sich damit beschäftigt, was es mit einem Demokratiedefizit bei den Vereinten Nationen auf sich habe und warum er den Vorschlag für ein UNO-Parlament unterstütze. Dabei berührte Brock viele zentrale Themen der Tagung: Verankerung von Demokratie im Selbstverständnis der UNO, Vorraussetzungen für Demokratie, Demokratiemodelle, Wechselwirkungen zwischen Demokratie auf nationalstaatlicher und internationaler Ebene, Formen von Legitimation, Legitimationsbedarf und mögliche Folgewirkungen.

Im Hinblick auf ein Parlament bei der UNO kamen die Teilnehmer der Konferenz zu keinem gemeinsamen Standpunkt. Weitgehende Einigkeit gab es darin, dass Demokratie im Wertesystem der Vereinten Nationen verankert sei und dass die Legitimation der Weltorganisation gestärkt werden müsse.

Die DGVN plant, einen Sammelband mit den Referaten der Konferenz herauszugeben. Die Konferenz knüpfte an eine erste Weltrechtstagungder DGVN vom November 2008 an.

Oberes Bild: Eines der Panel, links im Bild Peter Spiegel, Quelle: KDUN

http://de.unpacampaign.org/news/586.php