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Landwirtschaft

«Brasilien hat nichts Neues erfunden»
Der angehende FAO-Direktor José Graziano da Silva über die Bekämpfung des Hungers
José Graziano da Silva gilt als einer der Architekten des Programms Fome Zero. Ab Januar wird der Brasilianer die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Uno leiten.

José Graziano da Silva, die Erdbevölkerung hat die Grenze von 7 Milliarden überschritten. Pessimisten befürchten einen Nahrungsmittel-Kollaps.
Die Kapazitäten reichen für 7 Milliarden Menschen aus. Die Frage ist, wie wir die Nahrungsmittelproduktion erhöhen, ohne dabei die Umwelt zu zerstören. Immer wichtiger werden in dieser Frage die Erfahrungen der Schwellenländer. In Argentinien zum Beispiel werden heute bereits 90 Prozent allen Getreides mit einer Technik angebaut, die auf das Pflügen verzichtet. Beispiele wie dieses stimmen mich zuversichtlich, dass mit neuen Technologien die Verlängerung der «grünen Revolution» in der Landwirtschaft möglich ist.
Ernährt ist die Welt damit noch nicht.
Das grosse Problem liegt im Zugang. Während der grossen Krisen mangelte es nie an Nahrungsmitteln, doch konnten sich viele diese nicht kaufen. Glücklicherweise ist sich die Welt zusehends einig darin, dass jedem Menschen ein Minimum an Nahrungsmitteln garantiert sein sollte. Immer bedeutender werden Geldtransfer-Programme, die armen Familien ermöglichen, lokal Nahrungsmittel zu kaufen.
Welches Herausforderung birgt der Vormarsch der grossen Schwellenländer?
Die Schwellenländer dürfen hinsichtlich ihres Konsums nicht dem Beispiel der Industrieländer folgen. Der Nährwert der meisten Fertigprodukte steht oftmals in keinem Verhältnis zum Energieverbrauch für deren Herstellung. So ist es auch beim Fleisch, dessen Produktion Unmengen von Getreide und Wasser benötigt. Die Zukunft liegt im Konsum von frischen und lokal produzierten Lebensmitteln und in einer ausgewogenen Ernährung.
Haben die internationalen Organisationen beim Erreichen des Milleniumsziels, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, versagt?
Den grössten Fehler sehe ich darin, dass sich die internationale Gemeinschaft nicht verbindlicher zur Umsetzung der Ziele verpflichtet hat. Von den reichen Ländern müsste mehr Engagement kommen, stattdessen geht die internationale Hilfe zurück. Andererseits sollten sich die internationalen Organisationen stärker auf die Entwicklungsziele fokussieren.
Lässt sich das Modell Fome Zero globalisieren?
Nach seiner Wahl 2002 setzte sich Präsident Lula da Silva nicht die Halbierung, sondern die Ausrottung des Hungers in Brasilien zum Ziel. Die Verpflichtung der Regierung war damit viel grösser. Dieser politische Wille kann globalisiert werden. Was die spezifischen Programme zur Hunger- und Armutsbekämpfung angeht, so hat Brasilien im Grunde nichts Neues erfunden, sondern lediglich die bestehenden Programme und Erfahrungen auf lokaler Ebene geschickt zu einem nationalen Plan zusammengefügt. Fome Zero kann nicht auf andere Länder übertragen werden, das Vorgehen Brasiliens jedoch schon.
Und als Direktor der FAO werden Sie wohl genau das tun?
Das ist die grosse Herausforderung. Der FAO mangelt es nicht an Kompetenz. Wir sind heute in 140 Ländern vertreten und erreichen 95 Prozent der an Hunger und Armut leidenden Menschen. Wenn es der FAO gelingt, die Erfahrungen aller Länder mit dem politischen Willen der Regierungen und den internationalen und lokalen Ressourcen zu vereinen, werden wir die Entwicklungsziele bis 2015 nicht nur erreichen, sondern übertreffen.

Grenzen der Weltbevölkerung

zz. ⋅ Kürzlich hat die Uno erklärt, dass die Weltbevölkerung die Schwelle von 7 Milliarden Menschen überschritten hat. Demografen erwarten eine Stabilisierung erst um die Mitte des laufenden Jahrhunderts bei über 9 Milliarden. Wird die Erde dieses Wachstum verkraften können? Einzelne Staaten und Gesellschaften stellen sich ganz unterschiedlich auf die Zunahme – oder das Schrumpfen – der Bevölkerung ein. In lockerer Folge berichten unsere Korrespondenten über Probleme und Chancen des Bevölkerungswachstums.

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/brasilien_hat_nichts_neues_erfunden_1.13497936.html

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EU unterminiert Bericht zufolge ihre eigene Entwicklungspolitik

07. November 2011 17:50

Concord: Milliardenhilfen könnten viel besser wirken

Brüssel – Die EU unterminiert einem Bericht zufolge ihre eigene milliardenschwere Hilfe für Entwicklungsländer, weil sie beispielsweise in der Handels- und Landwirtschaftspolitik denselben Ländern schadet. Die Europäische Union verfehle damit eine Vorgabe des Lissabon-Vertrages für eine stimmige Entwicklungspolitik, erklärte Concord, der Spitzenverband der europäischen Hilfsorganisationen, am Montag in Brüssel. Die EU könne die Wirkung ihrer 53 Milliarden Euro Entwicklungshilfe pro Jahr beträchtlich verstärken, wenn sie die Kohärenzvorgaben von Lissabon einhalte, hieß es in einer Mitteilung zum Concord-Jahresbericht 2011.

Entwicklung vor Ort wird behindert

Dem Bericht zufolge hat die EU in bestimmten Bereichen sogar Rückschritte gemacht. So seien die Ausfuhren von Milchpulver nach Schwarzafrika im vergangenen Jahr um 62 Prozent gestiegen, auch wegen Exportsubventionen, beklagt der Bericht. Der Export billigen Milchpulvers nach Afrika ist ein Beispiel, das Entwicklungsorganisationen bei ihrer Kritik an der EU-Politik seit vielen Jahren anführen. Die Organisationen machen geltend, dass die Einfuhren die Entwicklung der afrikanischen Landwirtschaft behindern, weil die einheimischen Produkte nicht mit ihnen konkurrieren können.

Weiteres Problem: Landraub durch ausländische Firmen

Die auf Umweltschutz zielende EU-Energie- und Verkehrspolitik führt zu einem weiteren Problem, wie der Bericht zeigt. So nähmen europäische Unternehmen, die beispielsweise Biosprit produzieren, am sogenannten Landraub teil; dabei werden fruchtbare Flächen in Entwicklungsländern teils zu Spottpreisen an ausländische Firmen verpachtet. Solche Projekte könnten „massive Verletzungen der Rechte“ der einheimischen Bevölkerung bedeuten, weil ihr wertvolle Anbauflächen verlorengehen, zitiert der Bericht eine Entwicklungshilfe-Expertin.

Die EU-Kommission verwies in einer ersten Reaktion darauf, dass ein Teil der angesprochenen Probleme nur im weltweiten Einvernehmen lösbar sei. Wenn etwa die Billigimporte von Geflügel aus der EU nach Westafrika eingestellt würden, würden die Einfuhren aus Asien und Südamerika dennoch weitergehen, sagte ein für die Landwirtschaft zuständiger Kommissionsmitarbeiter. Nichtsdestoweniger wolle die Kommission den negativen Einfluss der Agrar- auf die Entwicklungspolitik verringern.

Im nachfolgendem Text möchte ich Ihnen eine Geschichte ans Herz legen, die Sie mit Sicherheit ebenso faszinieren wird wie mich. Die Diabetes, den heimlichen Täter, seine Ursachen und seine Gehilfen und auch seine Auswirkungen auf unsere Füße (s. Foto).

DIE ZUCKER-STORY!

Unterhalten wir uns doch über die Rolle des Zuckers in der Geschichte. Zucker war Jahrtausende lang unbekannt. Fast ein Rätsel, wie unsere Vorfahren überleben konnten. Brauchten die Menschen der Frühgeschichte keinen Zucker? Oder doch?? Wichtige historische Schriften erwähnten Zucker nicht!! z. B. Der Koran oder das Neue Testament. Auch die alten Griechen kannten kein Wort für Zucker. Merkwürdig oder nicht?

Erst der griechische Arzt ARETEUS, der um 200 v. Chr. Lebte, kreierte das Wort DIABETES, das soviel wie Harnuhr bedeutet. Das Attribut MELLITUS kam erst später dazu.

Es ist sehr lehrreich, sich mit der Historie des Zuckers auseinander zusetzten. Zucker kommt wahrscheinlich aus Indien. Zucker war anno dazumal sehr teuer, ein Luxusgut, zunächst als Medizin verwendet.

Der Zucker war allerdings schon einige Zeit vor Christus im Gebrauch. Im PAPYRUS EBERS, einer frühen medizinischen Schrift aus Ägypten (ca. 1550 v. Chr.) wird schon das Symptom beschrieben, bei dem zuviel Urin ausgeschieden wird. Man kannte damals jedoch nicht die Ursache.

NEARCHOS, ein Admiral Alexander des Großen, beschrieb auf seiner Kreuzfahrt auf dem Fluss Indus 325 v. Chr. eine „Art Honig“, die in der Rohrpflanze (Zuckerrohr) wächst.

HERODOT nannte Zucker: „Fabrikhonig“.

PLINUS bezeichnete Zucker als „Honig aus der Rohrpflanze“.

Erst zu NERO`S Zeiten wurde Zucker als „saccarum“ aktenkundig: DIOSCORIDES beschreibt „erhärteten“ Honig, der saccarum genannt wird und in Indien und Arabien aus ‚Rohrpflanzen gewonnen wird. „Er ist hart wie Salz und zerschmilzt zwischen den Zähnen“.

Ab 600 v. Chr. gelingt den Persern an der Universität von Djondisapour die Zuckerraffinierung, womit dieser transport- und handelsfähig wird. 1306 zwingt sich bereits die Politisierung und Kommerzialisierung des Produkts Zucker: PAPST CLEMENT V. erhält in seinem Exil in Avignon den Rat, die Kreuzzüge in das Morgenland wieder aufzunehmen, „weil im Land der Sultane der Zucker in großen Mengen wächst und die Sultane daraus großen finanziellen Nutzen ziehen.“ Die Christenheit sollte diesem Ratschlag zu Folge diese Länder besetzten.

Der Zuckeranbau wurde insbesondere in Zypern Malta und Sizilien forciert.

Um 1400 waren die Portugiesen in Europa führend in der Zuckerindustrie, ein kommerzielles Erbe der Sarazenen. Die Sarazenen hatten während ihrer Besatzung der Iberischen Halbinsel den Anbau von Zuckerrohr eingeführt. Die Portugiesen verfolgten diesen landwirtschaftlichen Erwerbszweig dann weiterhin.

Der Portugiese HEINRICH DER SEEFAHRER suchte an der Westküste von Afrika Zuckeranbaufelder außerhalb des arabischen Einflussgebietes und entdeckte billige Arbeiter, die der Hitze auf den Zuckerplantagen gewachsen sind. Er bringt 235 Schwarze als Sklaven von Lagos nach Sevilla und verkauft diese dort. Geld und Sklaverei waren nun fortan die Merkmale des Zuckergeschäftes.

1456: Portugal beherrscht den europäischen Zuckerhandel. Aber auch Spanien betreibt das Zuckergeschäft mit großen Plantagen bei Sevilla, Granada und Andalusien. 1493: CHRISTOPHER COLUMBUS, der Entdecker Amerikas, schickt zwei Schiffsladungen von Bewohnern aus „Westindien“ (Karibik) nach Spanien zur Arbeit auf den Zuckerplantagen. Die humane Königen ISABELLA lässt sie jedoch zurückbringen. Ihr Nachfolger König FERDINAND überwindet ein paar Jahre später seine Skrupel und steigt in das Geschäft mit Sklaven im Zuckeranbau ein.

Bei seiner zweiten Reise nach Amerika nimmt COLUMBUS Zuckerrohr, das bis dahin auf den Kanarischen Inseln angebaut wurde, mit nach Hispaniola (heute Grenada/Haiti). Der Anbau war zunächst kein Erfolg, bis von den Kanaren aus Spezialisten in die Karibik geschickt wurden. Nachdem dort ein reicher Arzt um 1517 eine neue Technik der Zuckermühle entwickelte, wurde die Produktion rentabler. So schrieb man das Jahr 1522, als man den Export von Zucker nach Europa von Santo Domingo aus begann.

Doch auch in der östlichen Hemisphäre war die Produktion und der Gebrauch des Zuckers in vollem Gang. 1573 beschreibt der deutsche Botanist RAUWLFIA auf seinen Orientreisen die verweichlichende Wirkung des Zuckers als Konsumgift auf die arabischen Krieger.

Zwischen 1530 und 1570 bringen die Spanier für den Zuckeranbau Sklaven in ihre Mittelmeerplantagen und auf die Kanarischen Inseln. Um1560 baute KARL der V. von SPANIEN die pompösen Paläste von Madrid und Toledo aus den Erlösen des Zuckerhandels.

In der Zwischenzeit hatten die Spanier die einheimischen Awaraks der Westindischen Inseln in die Karibik durch körperliche Ausbeutung fast völlig ausgerottet und brachten nun Sklaven aus Afrika in ihre karibischen Zuckerrohrfelder.

Als die Spanier von den Engländern aus der Karibik vertrieben wurden, übernahmen diese den Sklavenhandel. Fortan blühte auch ein neues Geschäft mit dem Nebenprodukt der Zuckerproduktion: Aus der Zuckergärung wurde Rum gewonnen, den man mit schnellen Schiffen als Feuerwasser nach Nordamerika brachte, um es dort bei den Indianern gegen Felle einzutauschen.

Um 1500: Auch Holländer beteiligten sich am Zucker- und Sklavenhandel und bauen eine Raffinerie in Antwerpen. Die Holländer waren keine Unschuldengel, versorgten sie doch die britischen Inseln mit Sklaven und forcierten den Zuckeranbau in er Karibik.

1637 kontrollierten überwiegend die Holländer den Sklavenhandel von Afrika aus und den internationalen Zuckerhandel. Sie besaßen im 17ten Jahrhundert die Hälfte aller Tonnage an verfügbaren Schiffkapazitäten. Die so genannten ABC-Inseln der Holländer vor der Küste Venezuelas waren Kern des Sklavenhandels um ca. 1700. Cuacao war Hauptumschlagplatz für Sklaven, die von holländischen Händlern in die Virgin Islands (Jungferninsel) geschafft wurden, nicht wenige auch als Schmuggelware in die britischen und französischen Kolonien.

Die Dänen spielten in der Karibik keine große Rolle. Sie besiedelten ST. THOMAS (heute USA). König CHRISTIAN V. gründete eine Westindische Company und vergab Handelsrechte. Allerdings brachte der Zuckeranbau in der Karibik auch den Dänen Reichtum. Um 1835 zählte man in St. Thomas 1.892 Weiße (davon nur ein paar hundert Plantagenbesitzer), die 19.876!!! Sklaven ausbeuteten.

1588 erlässt die englische Königin ELISABETH ein amtliches Dekret und monopolisiert den westafrikanischen Sklavenhandel an die Company of Royal Adventurers of England.

Um 1600 war der Zuckerhandel bereits so lukrativ, dass die Engländer bereit waren, dafür Krieg zu führen. Mit dem Seefahrtsgesetz von 1660 schützten sie ihr Handelsmonopol auf Zucker, Tabak und andere Produkte aus den Kolonien.

Mitte des achtzehnten Jahrhunderts ist auch Frankreich mitten im Zuckerhandel, der weiterhin von der brutalen Ausbeutung der Sklaven profitiert. Der französische Philosoph CLAUDE ADRIEN HELVETIUS  schreibt in seinem Buch: „Es erreicht keine Packung Zucker Europa, an der nicht Blut klebt“ und empfiehlt, keine Zuckerprodukte mehr zu kaufen. Dafür wird er von der Sorbonne (Universität in Paris) verdammt und der Klerus überzeugt die Gerichte, dass er von einem bösen Geist befallen ist. Unter Druck widerruft er seine These über den Zucker; sein Buch wird vom Henker verbrannt.

1792: Das erste Anti-Zucker-Komitee wird in England gegründet. Die nach Asien orientierte Britische Ost-Indien-Gesellschaft macht Reklame für ihren Zucker mit dem Slogan: „nicht von Sklaven hergestellt“. Die Aufdrucke ihrer Zuckerdosen enthielten außerdem den Hinweis: Eine Familie, die fünf Pfund ostindischen (nicht amerikanisch-karibischen) Zucker in der Woche verbraucht, verhindert die Versklavung oder den Mord an einem Mitmenschen.

Trotzdem wurde England zum Mittelpunkt des Zuckerhandels und damit auch lange Zeit der Garant der Sklaverei. 1662 importierte England 16 Millionen Pfund Zucker pro Jahr.

Um 1800 waren es bereits 160 Millionen Pfund Zucker. In einem einzigen Jahrhundert stieg also der Zuckerverbrauch (72 Pfund pro Person und Jahr) um das 8-fache und die Engländergaben damals für Zucker ebenso viel Geld aus wie für Brot!!!

1674: Der ‚Anatom und Arzt THOMAS WILLIS betreibt in der Londoner St. Martins Lane eine Praxis und befasst sich in seiner lateinischen Schrift Parmaceutic Rotuinalis mit einem bis dahin unbeschriebenen „süßlichen Geruch“ in der Harnflut seiner reichen und angesehenen Patienten. Er nennt diese ‚Symptome DIABETES MELLITUS. Dabei kombiniert er das griechische ‚Wort „Diabetes“ (Harnflut), das man lateinisch wegen der vermehrten Urinausscheidung als polyuria bezeichnen müsste, mit dem lateinischen Wort „Melitus“ zusammengesetzt aus Mel (Honig) und itis (Entzündung). Kommentatoren wie der Amerikaner ‚William Dufty meinen, Willis habe mit dieser „gemischten“ Namensgebung die eigentliche Ursache, den Zucker, des Übels Kern, mit Rücksicht auf die Zuckerprofite seines Klientels nicht mit dem üblichen lateinischen genannt, um keine Schwierigkeiten mit dem Establishment zu bekommen. Er war gewarnt – zumal GALILEUS GALILEI ein Jahr zuvor die Inquisition am Halse hatte.

Auch die Franzosen verdienten gut mit dem Zuckerhandel. Um 1700 war Zucker der wichtigste Exportfaktor. Der Zuckeranbau der Franzosen in der Karibik bleibt jedoch ab 1713 hinter dem der Briten zurück. Letztere hatten mehr Arbeitskräfte: Vertragslöhner und Sklaven. Noch um 1664 hatten die Franzosen auf Martinique 2681 Weiße und 12.704 schwarze Sklaven.

Als die Engländer während der Napoleonischen Kriege die Zufuhr der Rohstoffe, insbesondere Rohrzucker blockierten, wurde Zucker in Frankreich Mangelware. Der Preis stieg ins Uferlose. Nachdem der deutsche Wissenschaftler FRANZ KARL ACHARD mit Erfolg in Berlin mit der Zuckerproduktion aus einer Rübe experimentierte, die man aus Italien importierte, begannen auch die Franzosen unter dem Zwang der englischen Blockade mit der Entwicklung der Zuckergewinnung aus Rüben.

1812 erfand der Franzose BENJAMIN DELESSERT eine Methode, Zucker aus der „Baylonischen Rübe“ zu gewinnen. Napoleon ehrte ihn dafür mit Aufnahe in die Ehrenlegion. Damit war Frankreich unabhängig vom Zuckerohrimport. Napoleon ist was wenige wissen, aus der Historie des Zuckers und der Zuckerraffinierung nicht wegzudenken. Ein ganz ungewohnter Aspekt des Kaisers. Er ließ überall in Frankreich Zuckerrohrfelder anlegen und seine Industrie produzierte innerhalb kurzer Zeit 8 Millionen Pfund Zucker aus Rüben. Die Zuckerrationen für seine Russlandarmee waren somit gesichert. Die erbärmliche Arbeit und Sklaverei auf den Zuckerrohrfeldern neigte sich jedoch damit allmählich zu Ende.

Die Franzosen verboten 1807 den Sklavenhandel.

1833 folgten als erste die Engländer und ruinierten ihre Zuckerfarmer in der Karibik, speziell auf Barbados und Jamaika, indem sie eine Steuer zwischen 75 und 399 Pfund auf jeden gehalten Sklaven erhoben.

Wie sehr das mächtige Zuckerestablishment skrupellos um seine Monopole kämpfte, zeigt das Schicksal der Quäker in England. Sie propagierten die Kultivierung der Zuckerrübe. Als religiösen Gruppierungen wollten sie ein Zeichen gegen die Zuckersklaverei setzten, die ja nicht nur schwarze Sklaven betraf. In jenen Tagen waren auch so genannte Vertrags Löhner aus England zur Zwangsarbeit auf den Plantagen eingesetzt. Sie hatten sich eigentlich wenig von ihrem Schicksal ahnend, in die Karibik zur Plantagenarbeit verpflichtet. Der Plantagenbesitzer zahlte die Überfahrt Und kam für Nahrung und Unterkunft während der Vertragszeit auf, die in der Regel 3 – 4 Jahre betrug. Danach mussten sie ausbezahlt werden und waren frei. Diese Vertrags Löhner waren bis zum Ablauf ihres Arbeitsvertrages quasi Eigentum ihrer Arbeitgeber, in diesem Zeitraum fast so rechtlos wie die indianischen und schwarzen Sklaven. Sie konnten nicht weglaufen, konnten aber persönliches Eigentum behalten und vor Gericht klagen.

Kein Wunder, dass sich unter den Christen Europas Unmut über solche unchristlichen Praktiken breit machte und die Quäker den Ersatz des Zuckerrohrs durch die einheimische Rübe forderten. Die Zuckerindustrie machte daraufhin gegen die Kampagne der Quäker eine Gegenkampagne und bezeichnete die Zuckerrohrübenkultivierung als subversive Tätigkeit. Auf Befehl von „oben“ mussten die Zuckerrüben an die Kühe verfüttert werden. Die Entwicklung der Zuckerrübengewinnung war damit in England auf Jahrzehnte zurückgeworfen. Parallel dazu war auch leider der Sklavenhandel weiterhin rentabel.

Wie war es nun mit den AMERIKANERN? Nach Gründung der USA stiegen die Amerikaner in das Zuckergeschäft gleich in großem Stil ein, betrieben sie doch die Zuckerveredelung zunehmend industriell mit ihren Dampfmaschinen und der zur rechten Zeit neu erfundenen Vakuumsverpackung etc. Allerdings dauerte es lange, bis auch die USA von der Zuckersklaverei ließen. Kuba war jenes gequälte Land, das die Amerikaner lange ausbeuteten und ihren Rohzucker von dort bezogen. Als zynische Fügung der Geschichte waren diese Inselbewohner zur Belohnung bis heute von den USA boykottiert.

Und welche Rolle spielte DEUTSCHLAND und sein Zuckerestablishment in der Historie des Zuckers? Wer die Weltgeschichte studiert, findet wenig.

Die Deutschen stiegen als Nation erst später in das Geschäft mit Zucker und Sklaven ein, was nicht heißt, sie waren völlig unbefleckt. Immerhin gestattete die dänische Westindischengesellschaft dem Preußisch – Brandenburger Herzog mit seiner Afrika-Gesellschaft von 1685 bis 1718 St. Thomas, dort Sklaven zu verkaufen. Die 565 weißen Siedler auf St. Tomas, die auf dieser Insel um 1720 Zucker anbauten, ließen 4.187 Sklaven für sich arbeiten.

In Deutschland wurde Zuckerproduktion aus Rüben hauptsächlich während des Krieges vorangetrieben. Zentren in Bayern waren Zuckerfabriken in der Nähe von Regensburg und Plattling, die heute noch arbeiten.

Zucker in schlechten Zeiten fast ein Grundnahrungsmittel und rationiert, ist heute der klassische Überzug, für fast alles. 1976 entdeckte die amerikanische Industrie, dass es billiger ist Zucker aus Korn anstatt aus Zuckerrohr oder Rüben zu machen.

Seitdem wird HFCS (High Fruktose Corn Syrup) als Getreidesirup zunehmend auch bei uns als Süßungsmittel für Getränke, Backwaren und Fertignahrungsmittel verwendet. Dabei ist auch Fruktose in hohen Dosen nicht ungefährlich: Sie begünstigt Herzerkrankungen, Bluthochdruck und schwächt das Immunsystem.

Diskussionen darüber mit dem Diabetes-Patienten sind erlaubt – noch. Das Lauschangriffgesetz wurde nicht wegen kritischer Diskussionen über das Zuckerestablishment in Deutschland geschaffen. Es ist nur bei schweren Verbrechen gestattetet.

Also plaudern wir – über Diabetes, den heimlichen Täter, der seine Ursachen und seine Gehilfen, – mit seinen Opfern (den an Diabetes mellitus erkrankten)

entdeckt in: „Der Zuckerfuß“
Dr. med. Gerhard Fleischer, FA f. Orthopädie,
Schliersee/Oberbayern

foodwatch: Spekulanten mitschuld an Hunger
Geschrieben von: Redaktion
Dienstag, den 18. Oktober 2011 um 13:45 Uhr
Berlin. – Die Spekulation mit Agrar-Rohstoffen treibt die Preise für Nahrungsmittel in die Höhe. Damit machten sich auch Investmentbanken wie die Deutsche Bank und Goldman Sachs sowie die Verwalter von Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen mitschuldig an Hungersnöten in den ärmsten Ländern der Welt, heißt es in einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Studie der Verbraucherorganisation foodwatch. Sie investierten Geld, das Menschen für ihre Altersvorsorge sparen oder für gemeinnützige Zwecke stiften, in Wetten auf die Preise für Mais, Weizen und andere Nahrungsmittel.

Nach Angaben von foodwatch belegt der Report „Die Hungermacher“, den die Verbraucherorganisation gemeinsam mit dem Autor Harald Schumann in Berlin vorstellte, dass die Spekulation mit landwirtschaftlichen Rohstoffen die Preise für Nahrungsmitteln tatsächlich in die Höhe treibt. Die Banken bestreiten dies und machen vor allem die steigende Nachfrage aus Schwellenländern für den Preisanstieg verantwortlich.

In einem Offenen Brief fordert foodwatch von dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann, er solle als Chef einer der größten Investmentbanken der Welt mit gutem Beispiel voran gehen. Die Deutsche Bank solle aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln aussteigen. Die Bankenlobby solle sich effektiver staatlicher Regulierung nicht länger widersetzen, sondern aktiv Regulierungen unterstützen, um den schädlichen Einfluss von Nahrungsmittel-Spekulationen zu verhindern.

Unter dem Motto „HÄNDE WEG VOM ACKER, MANN!“ startete foodwatch auf der Website http://www.haende-weg-vom-acker-mann.de zudem eine E-Mail-Aktion an Ackermann, bei der Verbraucher diese Forderungen unterstützen können.

Von der europäischen Politik fordert foodwatch wirksame Positionslimits: Um den Einfluss von Finanzanlegern auf die Preisentwicklung von Rohstoffen zurückzudrängen, müsse die Zahl spekulativer Warenterminverträge auf höchstens 30 Prozent aller gehandelten Futures limitiert werden. Zudem müssten institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen vom Handel mit Rohstoffderivaten ausgeschlossen werden. Damit würden sich die Kapitalquellen für die Spekulation verringern. Auch für Publikumsfonds müsse die Anlage in Agrar- und Energierohstoffe tabu sein.

„Nirgends wird die Perversion des heutigen Finanzsystems deutlicher als bei der Nahrungsmittelspekulation“, sagte Niema Movassat, Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Fraktion DIE LINKE, zu dem foodwatch-Bericht. „Parallel zur größten Hungerkatastrophe in Afrika seit 60 Jahren erfahren wir, dass an der Rohstoffbörse in Chicago alleine im Mai 2011 mehr als die Hälfte der weltweiten Weizenproduktion gehandelt wurde. Die gleichen Banken, die wir angeblich mit Steuergeldern retten müssen, sind mit ihren Wetten auf steigende Lebensmittelpreise und virtuellen Geschäften verantwortlich für den Hungertod zahlloser Menschen. Das ist mehr als unerträglich. “

http://www.foodwatch.de